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Goldbarren im Internet verschollen

Ein 22-Jähriger aus Pirna wird beschuldigt, Goldbarren über eBay verkauft, aber nicht geliefert zu haben. Seine Erklärung ist erstaunlich.

© Monika Skolimowska/dpa

Von Friederike Hohmann 

Goldbarren habe er niemals besessen und auch nie angeboten, so etwas möge er gar nicht, erzählt der Angeklagte Robert S. aus Pirna dem Gericht. Mit der ganzen Sache hätte er auch gar nichts zu tun. Er habe zwar ein eBay-Konto, dort aber zuletzt 2015 oder 2016 etwas verkauft. Das Konto würden gelegentlich auch seine Eltern nutzen. Seine damalige Freundin M., zu der er 2018 an den Bodensee gezogen war, hätte auch vollen Zugriff gehabt. Dass im März 2019 ein Käufer einen Betrag von 2.184,99 Euro und ein anderer 1.920 Euro auf sein Bankkonto überwiesen hatte, habe er nicht mitbekommen. Seine Ex-Freundin M. hätte sich darum gekümmert, da sie auch auf dieses Konto vollen Zugriff gehabt hätte. Er selbst habe da nicht draufgeschaut, sei mit anderem beschäftigt gewesen. Kennengelernt hätten sich beide im Juli 2017, als M. noch bei ihrem Mann gelebt habe. Damals war Robert S. 19, sie 35 Jahre alt. Später seien sie dann zusammengezogen.

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Seine Ex-Freundin M. habe sich dann aber im Juli letzten Jahres von ihm getrennt. Man sei im Bösen auseinander gegangen. Was er ihr nun vorwirft, ist erstaunlich, nachdem sie ja nach seiner Aussage zuvor eine so einvernehmliche Arbeitsteilung gehabt hatten.

Freundin M. sei im Juli 2019 nicht nur aus seinem Leben, sondern auch mit seinem Auto, für das er einen Kredit von 30.000 Euro aufgenommen hatte, verschwunden. Dazu habe sie auf einem Kaufvertrag seine Unterschrift gefälscht und das Auto auf sich selbst angemeldet. Er habe sie daraufhin angezeigt.

Davon ist keine Rede, als Ex-Freundin M. in den Zeugenstand gerufen wird. Stattdessen erinnert sich die 38-Jährige daran, dass Robert S. sechs oder sieben Goldbarren besessen habe. Er hätte ihr erzählt, sie von einem Bundeswehreinsatz mitgebracht zu haben. Robert S. hätte sie in einem Tresor aufbewahrt und nur zum Fotografieren herausgenommen. Es sei auch mehrmals darum gegangen, ob sie echt waren. Das sei nicht ganz klar gewesen.

Vom eBay-Verkauf der Barren habe sie erst erfahren, weil jemand, der sein Geld zurückhaben wollte, sich über Facebook bei ihr meldete. Ihr Name hätte wohl in der Anzeige gestanden. Sie könne sich aber nicht erklären, wie der Käufer sie bei Facebook gefunden habe. Robert S. hätte ständig neue Handy-Nummern gehabt. Auf Nachfragen erzählt sie dann, S. hätte ihr die eBay-Anzeigen zum Goldverkauf und auch den Chat-Verlauf mit einem Interessenten schon vorher gezeigt. Deshalb habe sie auch gleich gewusst, wer Herr A., der sie über Facebook kontaktiert hatte, war.

Der Zeugin wird ein Foto vorgelegt, auf dem ein von Hand in Druckbuchstaben beschriftetes Paket zu sehen ist. Sie ist sich sicher, darauf die Handschrift von Robert S. zu erkennen. Von wem das Paket beschriftet wurde, scheint für den Fortgang des Prozesses wichtig zu sein. Der Angeklagte gibt an, dass dies nicht seine Schrift sei. DHL-Paketaufkleber würde er immer ausgefüllt ausdrucken. Außer bei seiner Unterschrift, die er in Druckbuchstaben schreibt, benutze er nur Schreibschrift.

Nach der Befragung der Zeugin ist für Richter und Staatsanwältin klar, dass noch zu viele Fragen offen sind. Nicht nur Robert S. hatte seine Ex-Freundin angezeigt. Gegen ihn liegen auch zwei Anzeigen von ihr vor. Nach weiterer Ermittlungsarbeit soll der Prozess fortgesetzt werden.

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