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Der Gipfel der Verärgerung

Ein weiß-goldener Schriftzug verunstaltet seit mindestens zehn Tagen den Gohrischstein in der Sächsischen Schweiz. Wer steckt dahinter?

Der weiß-goldene Schriftzug am Gohrischstein.
Der weiß-goldene Schriftzug am Gohrischstein. © Daniel Schäfer

Ein vergoldeter Anblick - aber nicht im positiven Sinne. Zehn Tage ist es her, dass am Gohrischstein in der Sächsischen Schweiz der Graffito-Schriftzug entdeckt wurde. In weiß-goldener Farbe erkennt man die Buchstaben "SCH" und zwei spiegelverkehrte Buchstaben F. Daneben steht etwas kleiner "2020 Oma". Direkt darunter befindet sich ein kleines Herz. Was diese Botschaft zu bedeuten hat, weiß wohl nur der Autor selbst. 

Für viele ein Verbrechen

Viele sehen in der mutmaßlichen Graffitikunst ein Verbrechen - nicht zuletzt die Anhänger der Bergsteiger- und Klettererszene. Der Schriftzug trübt den sonst so malerischen Ausblick, den man vom Gohrisch hat, maßgeblich. Und es ist bei Weitem kein Einzelfall. Seit 2016 kommt es in der Sächsischen Schweiz vermehrt zu Fällen von Vandalismus, bei dem Felsen mit Sprayfarbe beschmutzt wurden. 

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Eine weitere Schmierei am Rauschenstein vom Mai 2018.
Eine weitere Schmierei am Rauschenstein vom Mai 2018. © BioCleaning Gera
Graffito am Schrammstein im Februar 2020.
Graffito am Schrammstein im Februar 2020. © Mike Jäger
Auch an dieser Stelle wurden die Schrammsteine verunstaltet, ebenfalls im Februar.
Auch an dieser Stelle wurden die Schrammsteine verunstaltet, ebenfalls im Februar. © Mike Jäger

Der Bergsporthistoriker Achim Schindler verurteilt den Vorfall scharf. Seiner Meinung nach liegen solche Schmierereien jenseits der Grenzen von Kunst und Kultur.  "Das ist wohl in den Augen aller Naturfreunde ein außerordentlich grober Verstoß gegen jeglichen anständigen Umgang mit der Natur", so Schindler. Und damit ist er nicht allein.

Der Unmut über das Vergehen ist groß, allerdings gilt er nicht nur den bislang unbekannten Tätern, sondern auch der Polizei. Der Vorwurf gegenüber den Kriminalisten lautet, sie würden in dem Vorfall nicht mehr als eine unbequeme Bagatelle sehen. 

Es handle sich aber um mehr als eine einfache Dummheit. Vielmehr nimmt es Ausmaße eines Verbrechens an, das angemessen bestraft werden sollte, so der Tenor der Bergsportler. In der Tat kann es für die Täter eine Freiheitsstrafe von bis zu drei Jahren geben, so steht es in § 304 des Strafgesetzbuches unter "gemeinschädlicher Sachbeschädigung".

Was die Polizei unternimmt

Die Polizei hat den Vorfall sehr wohl registriert. Der Aussage einer Bergsteigerin zufolge, die die Straftat möglicherweise zuerst gemeldet hat, war dies allerdings erst eine Woche nach der Tatzeit der Fall. 

Dass die Beamten sich mit dem Sachverhalt nicht genügend auseinandersetzen, dafür gibt es keine Belege. Fakt ist, dass es sich bei einem Graffito nicht um einen Mordfall handelt und dieses dementsprechend eine niedrigere Priorität hat. Ein Sprecher der Polizei teilte auf SZ-Nachfrage mit, dass in dem Fall ermittelt wird.

Die Spuren sind spärlich, hieß es weiter: Mehr als die ungefähre Tatzeit, die Sprühfarbe und den Schriftzug haben die Beamten nicht. Ein möglicher Täter konnte bislang nicht gefunden werden. Laut Polizei werden derartige Fälle von Vandalismus in der Regel nur dann aufgeklärt, wenn die selbsternannten Graffiti-Künstler auf frischer Tat ertappt werden. Sonst stehen die Chancen darauf, Vorfälle dieser Art aufzuklären, sehr schlecht. Das liege eben an den mangelnden Spuren, die verfolgt werden könnten. Die einzige Möglichkeit auf Aufklärung besteht zumeist darin, dass die Polizei Hinweise von Zeugen bekommt. 

Wann der Fels gereinigt wird

Der Gohrisch befindet sich im Zuständigkeitsbereich des Sachsenforsts, Forstbezirk Neustadt. Dieser ist auch für die Entfernung der Schmierereien verantwortlich. Wann das passiert, ist noch unklar. 

Bisher wurde die Reinigung des Felsens noch nicht ausgeschrieben, geschweige denn ein Auftraggeber gefunden, heißt es beim Forstbezirk Neustadt. Bis Oktober soll der Schriftzug den Aussagen zufolge entfernt werden. Die Kosten dafür belaufen sich laut ersten Schätzungen auf mehrere Hundert Euro. 

Kunst wie diese hier, in einem Fahrradtunnel in Heidenau, teilt sich die Wände...
Kunst wie diese hier, in einem Fahrradtunnel in Heidenau, teilt sich die Wände... © Daniel Förster
...mit Schmierereien wie diesen. 
...mit Schmierereien wie diesen.  © privat

Ist das Kunst oder kann das weg?

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Wann ist aber ein Bild oder ein Schriftzug vielleicht Kunst und damit möglicherweise erhaltenswert? Diese Frage stellt sich oft.  Mit bunten Zeichnungen und Schriftzügen verewigen sich Unbekannte an Gebäuden, Stromkästen, Bushaltestellen und vielem mehr. Von künstlerisch hochwertigen Graffiti bis hin zu geschmacklosen Schmierereien ist in der Region so ziemlich alles vertreten. Was Sprühereien an den Felsen angeht, sehen das selbst Anhänger der Szene in der Region kritisch. Grundsätzlich gilt: Graffiti sind nur dann keine Sachbeschädigung, wenn der Eigentümer der Fläche ausdrücklich mit einer solchen Gestaltung einverstanden ist. Künstlerische Qualität hin oder her.

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