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Tierischer Krimi: Happy End für Hündin Maia

Der Vierbeiner büxt aus dem Tierheim Pirna aus, wird in der Nachbarschaft misshandelt und findet letztlich auf der Festung Königstein ein gutes Zuhause.

Die Hündin Maia aus dem Tierheim Pirna hat ein schweres Schicksal hinter sich. Jetzt geht es ihr gut.
Die Hündin Maia aus dem Tierheim Pirna hat ein schweres Schicksal hinter sich. Jetzt geht es ihr gut. © privat

Die Festung Königstein ist auf den Hund gekommen, besser gesagt auf die Hündin Maia. Zu erzählen ist ein Krimi um einen ausgebüxten Vierbeiner, der ebenso scheu wie schlau ist. Zu den Beteiligten gehören gemeine Menschen, ein Hundesuchteam, viele Tierliebhaber, ebenso tierliebe Mitarbeiter der Festung Königstein und eine Familie, die auf der Festung wohnt. "So etwas haben wir noch nie erlebt", sagt Regina Walther. Sie ist die Vorsitzende des Tierschutzvereins Pirna und Umgebung.

In Rumänien für die Tötung vorgesehen

Um die gesamte Geschichte zu erzählen, muss etwas weiter ausgeholt werden. Bereits im November kam die Mischlings-Hündin Maia im Tierheim Pirna-Krietzschwitz an. Der Tierschutzverein hatte sie aus Rumänien über Hilfsorganisationen nach Sachsen bringen lassen, um ihr das Leben zu retten. "Maia ist schon älter und lebte seit Langem in dem rumänischen Tierheim. Man hätte sie nicht mehr vermitteln können; sie war dort für die Tötung vorgesehen", berichtet Walther. Im Pirnaer Tierheim findet Maia eine liebevolle Aufnahme. Dennoch entwischt sie mehrmals. "Maia hatte Löcher im Zaun entdeckt, die wir bisher noch nicht gesehen hatten. Sie ist eine ausgesprochene kluge Hündin", so Walther. Zweimal können die Mitarbeiter die Hündin wieder einfangen, indem sie ihr Futter draußen in der Nähe des Tierheimes hinstellen. Doch Mitte November büxt Maia zum dritten Mal aus. Jetzt entfernt sie sich vom Tierheim und wandert zu einem benachbarten Obsthof weiter. "Dort hat sie vermutlich Essensreste bekommen. Auch waren dort zu der Zeit noch rumänische Gastarbeiter. Vielleicht hörte sie vertraute Worte, weshalb sie zunächst am Standort blieb", erzählt Regina Walther.

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Hündin im Garagenhof gequält

Aber auch hier weilt die freiheitsliebende Maia nicht lange, sondern läuft weiter auf den Sonnenstein, Richtung Innenstadt. Inzwischen hat das Tierheim ein ehrenamtliches Hundesuchteam aus Gera eingeschaltet. "Überall, wo Maia gesichtet wurde, haben wir und das Team Handzettel aufgehängt, damit man uns weiterhin informiert", sagt die Vereinsvorsitzende. Sie vermutet, dass die Hündin unter anderem an dem Döner-Imbiss nahe dem Kaufland von Gästen gefüttert wurde. Aber ganz offensichtlich wurde der Ausreißerin dort nicht nur Gutes getan. "Später haben wir erfahren, dass Unbekannte Maia in einen Garagenhof getrieben haben, um sie mit Steinen zu bewerfen", sagt Walther.

Nach Feuerwerk Flucht auf Festung Königstein

Ende Dezember. Zu Silvester wird es laut. Zwar ist wegen der Corona-Pandemie der Verkauf von Feuerwerk verboten, dennoch gehen einige Böller hoch. So auch auf dem Sonnenstein. Die empfindliche Maia ist verängstigt von der Knallerei und flüchtet in Richtung Königstein. Dort läuft sie unbemerkt über die steile Steintreppe hinauf auf die Festung. "Nahe dem Hauptgebäude hat sie sich einen Platz gesucht, wo sie alles überblicken kann", berichtet Regina Walther. Die große unbekannte Mischlingshündin fällt auf. Auch den Mitarbeitern des Technischen Dienstes. Die informieren das Tierheim, das wiederum dem Suchteam Bescheid gibt. Jetzt gilt es, die Hündin auf dem Areal einzufangen, was kein einfaches Unternehmen ist.

Katja Culbertson vom Suchteam stellt zwar Futter-Fallen auf dem Gelände auf, aber Maia wittert den Braten. Die Hündin streunert weiter auf dem Areal herum, ohne sich einfangen zulassen. Ganz offensichtlich fühlt sie sich wohl auf der Festung. Kein Wunder, denn das Tierheim liefert Futter an, Mitarbeiter des Technischen Dienstes füllen die Näpfe. Und auch eine Familie, die auf der Festung wohnt, schließt Maia immer mehr ins Herz. Ohne Leckerlis für Maia gehen Vater, Mutter und Kinder nicht mehr aus der Wohnung.

Chance mit Betäubungspfeilen

Im Januar wird es kalt. Maia schläft geschützt unter Bäumen. Versuche, sie mit Betäubungsmitteln versetztem Futter einzufangen, scheitern. Anfang März wird die Strategie geändert. Ein Tierarzt plant, Maia mit einem Betäubungspfeil ruhig zu stellen. Der erste Versuch scheitert. "Es war so, als ob Maia unsere Absicht gespürt hätte, sodass sie sich zurückzog", blickt Regina Walther zurück. Ende März gelingt schließlich das Unternehmen. Maia wird getroffen und kann wieder ins Tierheim zurückgebracht werden.

Dort päppeln sie Mitarbeiter auf. Kälte, Aufregung und die Betäubungsmittel haben Maia zugesetzt. Sie ist nicht allein. Fast jeden Tag bekommt sie Besuch, nämlich von der Familie, die auf der Festung Königstein wohnt. "Die Familie mit den zwei Kindern hat während der drei Monate auf dem Königstein eine Beziehung zu Maia aufgebaut", meint Walther. Nach und nach gewöhnt sich Maia an Leine und Geschirr. Zunächst im Raum, dann draußen, bis sie vermittelt werden kann

Jetzt ist sie die Festungshündin Maia

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Anfang Mai schließlich das große Happy End: Maia wird von der Familie adoptiert und kehrt auf die Festung Königstein zurück. Aber auch die Festungsgesellschaft ist an dem glücklichen Ende beteiligt. Sie hat die Patenschaft für Maia übernommen, falls z.B. eventuelle Tierarztkosten anfallen sollten. Außerdem haben die Mitarbeiter des Technischen Dienstes der Festung bereits eine Hundehütte für Maia aufgestellt, wenn die Familie einmal nicht vor Ort ist und der Vierbeiner versorgt werden muss. "Als wir das erste Mal die Hündin bei uns hier oben sahen, tat sie uns sehr leid. Maia wuchs uns allen sehr ans Herz und ist jetzt quasi unsere Festungshündin", sagt Jan Börngen, Mitarbeiter des Technischen Dienstes auf der Festung.

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