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Als Heidenau noch ein Kulturhaus mehr hatte

Elbtalwerk, Papierfabrik und Baubetrieb - sie alle hatten ihrer Kulturhäuser. Aber es gab noch eines. Das rückt jetzt in den Blickgrund. Konrad Eckoldt erinnert sich.

Konrad Eckoldt kennt das neue Mehrgenerationenhaus in Heidenau noch, da war es Kulturhaus von Druckguss.
Konrad Eckoldt kennt das neue Mehrgenerationenhaus in Heidenau noch, da war es Kulturhaus von Druckguss. © Daniel Schäfer

Kulturhäuser gehörten zur Grundausstattung großer sozialistischer Betriebe. Allein Heidenau hatte drei Kulturhäuser - das des Elbtalwerkes, den Aufbau des Hoch- und Tiefbau-Betriebs Pirnas an der Dresdner Straße und das Otto-Buchwitz-Heim der Papierfabrik auf der Pirnaer Straße. Der Aufbau ist abgerissen, die anderen beiden sind Gaststätten und Hotel bzw. Spielhalle. Das vierte einstige Heidenauer Kulturhaus stand bzw. steht auf der Siegfried-Rädel-Straße und fällt kaum jemandem in diesem Zusammenhang ein. Konrad Eckoldt aus Pirna jedoch erinnert sich noch an die Zeiten, bevor das heutige Mehrgenerationenhaus Verwaltungsgebäude des Druckguss wurde. Der heute in Dohna ansässige Betrieb hat nämlich seine Wurzeln genau hier.

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Eckoldt begann 1950 seine Lehre als Schlosser in der Schlosserei Ehrhardt in Heidenau. Da habe das Haus schon gestanden, sagt er. Es müsse also 1949/50 gebaut worden sein. Später arbeitete er als Lehrausbilder, zum Schluss als Leiter der Ausbildung. Bis Anfang, Mitte der 1970er-Jahre fanden in dem Kulturhaus unter anderem die Aufnahme- und Abschlussfeiern für die Lehrlinge statt. Es müssen auch mal Musikgruppen in dem Haus geprobt haben. "Jedenfalls standen später Instrumente herum, die entsorgt wurden."

Mit den Franzosen getanzt und gefeiert

Für große Betriebsfeiern war das Haus bzw. der Saal im Erdgeschoss Eckoldt zufolge zu klein. Die wurden im Otto-Buchwitz-Heim gegenüber der Papierfabrik gefeiert. Der heute 85-Jährige erinnert sich an eine besonders schöne Veranstaltung. Es war Anfang der 1970er-Jahre eine Begegnung mit jungen Franzosen. "Wir haben getanzt und gefeiert, politische Dinge spielten da keine Rolle", sagt er. Später sei das so nicht mehr möglich gewesen. In den 1980er-Jahren kamen Jugendliche aus Saar-Louis, um den Druckguss zu besuchen. Sie luden Eckoldt und andere abends in die Jugendherberge nach Pirna, wo sie untergebracht waren, ein. "Das wurde uns verboten."

Druckguss-Neubau scheiterte an Möglichkeiten

Später dann wurde aus dem Kultur- ein Verwaltungshaus. Produktionsdirektor, Lohnbüro und Hauptkasse befanden sich dort. Der Saal wurde aufgeteilt. Das erklärt die spätere eher kleinteilige Struktur. Das dahinter liegende Gebäude, in dem sich heute die AMS-Gesellschaft befindet, war das eigentliche Druckguss-Hauptgebäude. Der Betrieb zog Anfang der 1970er nach Dohna. Auf dem dortigen Gelände waren zuvor Krankenfahrzeuge gebaut und die Sauerkrautplatten genannten Bauplatten hergestellt worden, sagt Eckoldt. Ein Teil der Lehrausbildung von Druckguss blieb in Heidenau. In den 1960er-Jahren sollte der Druckguss mal einen Neubau erhalten. "Aber da war die Schere zwischen Wollen und Können", sagt Eckoldt.

Tag der offenen Tür

  • Wann: 9. Oktober, 10 bis 15 Uhr
  • Wo: Siegfried-Rädel-Straße 7, Mehrgenerationenhaus und AMS GmbH
  • Was: Kennenlernen der Kinder- und Jugendarbeit und der Krabbelgruppe, Vorstellung von Jugendbeirat Heidenau, Heidenauer Singekreis, Schulsozialarbeit an der Goethe-Oberschule, Inklusionsassistenz am BSZ in Pirna, Verband der Sächsischen Bildungsinstitute, Präsentationen mehrerer Firmen, Rundgänge, Möglichkeiten, sich auszuprobieren, Informationen zu Lehrausbildung, Umschulung, Weiterbildung, Maschinenvorführungen, Werkzeugpräsentationen (Auswahl)

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Konrad Eckoldt war seit 30 Jahren nicht mehr in dem Gebäude. Er wohnt seit vielen Jahren in Pirna. Vielleicht schaut er am 9. Oktober zum Tag der offenen Tür vorbei. Dann wird nicht nur er einiges Neues entdecken, sondern auch die, die das Haus später kannten. Es hat wohl in seiner Geschichte so viele verschiedene Nutzungen wie selten ein Haus erlebt: Kultur, Verwaltung, Kindergarten, Hort, Kinder- und Jugendtreff und nun Mehrgenerationen- und Vereinshaus.

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