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Heidenau: Von der Mafa zur Ortsmitte - ein Rundgang

Die alte Mafa soll ein modernes Zentrum werden: Ein Rundgang mit vielen Ehemaligen. Zwischen Geschichten, Legenden und der Zukunft.

Trotz vielem Neuem in Heidenaus künftiger neuer Mitte noch erkennbar: die alte Mafa.
Trotz vielem Neuem in Heidenaus künftiger neuer Mitte noch erkennbar: die alte Mafa. © Visualisierung: Peter Kulka Arch

Es ist wie ein Ehemaligen-Treffen. Viele derjenigen, die sich vergangene Woche für die beiden Runden über das Mafa-Gelände angemeldet haben, arbeiteten hier oder kamen zum "Unterricht in der Produktion" her. Die Neugier auf das, was hier in Heidenaus neuer Mitte passiert, verbindet die Einen und die Anderen. Noch ist auf dem Gelände viel Vergangenheit. Von mancher ist nur noch ein großer Haufen Schutt übrig. Auch von der Halle, in der Hans-Joachim Kirsten arbeitete.

Hans-Joachim Kirsten war bis 1992 in der Mafa. Der Haufen Schutt war einmal die Halle, in der er arbeitete.
Hans-Joachim Kirsten war bis 1992 in der Mafa. Der Haufen Schutt war einmal die Halle, in der er arbeitete. © Heike Sabel

Was kommt, ist bisher nur auf Plänen und Visualisierungen zu sehen. Heidenaus erstes Hochhaus, eine Stadthalle vielleicht und ein Restaurant in der "Totenhalle", ein Biergarten und eine Schule und Parken zum Großteil unterirdisch. Die Pläne stammen von Star-Architekten Peter Kulka. Der lässt die alte Mafa und seine Handschrift erkennbar. Das macht Heidenaus künftigen Mafa-Park aus.

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Anders als bei Projekten auf der grünen Wiese bestimmt hier das, was vorhanden war und ist, die Struktur des Künftigen. Es nimmt nach und nach Gestalt an, auch wenn die ersten Arbeiten Abrisse und Aufräumen sind. Nach Jahrzehnten, in denen die Mafa verkam und damit ihr Ruf, wurde der Verkauf zum Neustart. Dr. Thomas Stern und die Dresden Haus GmbH & CoKG bilden die Projektgesellschaft Best Mark, die das Vorhaben Mafa gemeinsam umsetzen.

Brühe mit Ei und ein Tisch wie im Politbüro

Der Rundgang beginnt im Speisesaal, links vom Haupteingang. Das Gebäude bleibt, im Gegensatz zu dem bereits auf der gegenüberliegenden Seite abgerissenen. Das sollte zwar auch bleiben, war aber so marode, dass es schon beim Berühren einzustürzen drohte. Im Speisesaal schwärmen die Ehemaligen von der Brühe mit Ei zum Frühstück. Monika und Gisela seufzen entzückt: "Unser Speiseraum." Das Entzücken kann man nur verstehen, wenn man die Erinnerung an das Leben hier hat. Ansonsten muss man aufpassen, das man auf dem schlierigen Fußboden nicht ausrutscht. Von der Ausstattung ist nichts mehr übrig. Auch nicht im "Runden Raum", in dem ein runder Tisch "wie im Politbüro" stand, erzählen die Frauen.

Die "Totenhalle" von innen: Planer und Investor als künftige Gaststätte vorstellen.
Die "Totenhalle" von innen: Planer und Investor als künftige Gaststätte vorstellen. © Heike Sabel
Die "Totenhalle" von außen: Im Obergeschoss des rechten Teils wurde auch Sport getrieben.
Die "Totenhalle" von außen: Im Obergeschoss des rechten Teils wurde auch Sport getrieben. © Heike Sabel
Noch bestimmen vielerorts die Haufen der abgerissenen Gebäude das Bild.
Noch bestimmen vielerorts die Haufen der abgerissenen Gebäude das Bild. © Norbert Millauer
Das Denkmal für den Antifaschisten Alwin Höntzsch wurde eingelagert und soll wieder aufgestellt werden.
Das Denkmal für den Antifaschisten Alwin Höntzsch wurde eingelagert und soll wieder aufgestellt werden. © Heike Sabel

Eine weiß auch, was es mit der "Totenhalle" ein Stück weiter auf sich hat. Dort standen große Maschinen und sind Arbeiter ums Leben gekommen. Das muss aber vor 1951 gewesen sein, sagt ein Mann, der in diesem Jahr hier mit der Lehre begonnen hat und da sei die Halle schon so genannt worden. Eine Frau zeigt auf die Fenster im Obergeschoss. Dort traf sich die Sportgruppe.

Die Halle hat eine hohe Decke mit viel Holz in der Konstruktion. Hier stellen sich die Planer eine Gaststätte vor. Ob sie kommt, hängt nicht von ihnen ab. Genau wie bei der Stadthalle in der zentralen Werkhalle mit dem Schornstein sowie der Schule in Freier Trägerschaft.

Ein Denkmal und eine Legende

Die große Halle zwei besteht fast nur noch aus den Stahlträgern. Wo einst Muster- und Werkzeugbau untergebracht waren und gedreht, gefräst und montiert wird, hören die Heidenauer jetzt von einer Passage, von Fitnessstudio und Einkaufen und dem Hochhaus, das mit seinen 15 bis 18 Etagen im hinteren Teil stehen soll.

Die nächste Station ist die Halle am Ende des Areals. Hier ist noch ein Veranstalter eingemietet. Der hintere Raum ist leer. Bis auf einen größeren Stein, der auf einer Palette liegt. Es ist das Denkmal für den Antifaschisten Alwin Höntzsch. "An dem hat die FDJ immer ihren Appell gemacht", sagt einer in der Runde. Das Denkmal soll als Zeugnis der Geschichte im Quartier wieder aufgestellt werden, sagt ein Vertreter des Investors.

Zum Ende des Rundganges geht es ein Raunen durch die Gruppe. Jüngere wie Ältere zeigen auf einen Mann. "Mein Lehrmeister", sagt eine Frau. Nicht nur ihrer. Achim Müller war eine Legende und ist ein Teil der Maschinenfabrik-Geschichte. Bei ihm haben ganze Generationen Heidenauer ihren Unterrichtstag in der Produktion gehabt.

Nächstes Jahr soll begonnen werden

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Hans-Joachim Kirsten hat die Mafa bereits 1992 verlassen. Dass der Schandfleck nun verschwindet, sei begrüßenswert. Er hofft noch auf mehr Begrünung von Fassaden. "Und ob die Wohnungen bezahlbar sind, schauen wir mal." Die Neugier aber überwiegt. "Hoffentlich erleben wir es noch, dass es fertig ist", sagt Kirsten. Es wird Jahre dauern, bis das Ensemble komplett ist. Der Anfang aber soll nächstes Jahr gemacht werden. Mit den Häusern an der Seite zur Heinrich-Heine-Straße.

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