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Heidenau: Die Geschichte der Millionen-Villa

Andreas Rockstroh ist der Urenkel des Erbauers. Er erzählt ein Stück Familiengeschichte, in der es um Tod, Geld, Erbe, die Wende und die Zukunft geht.

Andreas Rockstroh vor der Villa, die sein Urgroßvater baute und mit der viele Geschichten verbunden sind.
Andreas Rockstroh vor der Villa, die sein Urgroßvater baute und mit der viele Geschichten verbunden sind. © Daniel Schäfer

Wenn man in Heidenau von der Großsedlitzer Rockstroh-Villa redet, machen die Leute große Augen und Ohren. Irgendwie umweht sie seit jeher ein Hauch von Reichtum und Geheimnis. Der des Reichtums bekommt gerade wieder Aufwind. Die Villa, in der sich ein Hotel befindet, soll verkauft werden, im Internet ist von über 1,6 Millionen Euro die Rede.

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Die bisher geheimnisvollste Geschichte der um 1900 gebauten Villa ist die um den Tod von Johannes Rockstroh, den Sohn von Firmengründer Max und Großvater von Andreas Rockstroh. Dabei spielte diese Geschichte gar nicht in der jetzt zum Verkauf stehenden Villa, sondern in der kleineren daneben.

Andreas Rockstroh ist der Urenkel von Villenerbauer Max Rockstroh. Rockstroh Junior lebt in Lüneburg, war 20 Jahre Chefredakteur von zwei Jagd-Zeitschriften, hat viel Verwandtschaft in Dresden und Umgebung und ein Jagdrevier bei Liebstadt. Oft ist er in Sachsen, nach Heidenau aber kommt er inzwischen eher selten.

Die kleine und die große Villa

Die Geschichte der Rockstroh-Villa ist genau genommen die von zwei Villen, der großen und der kleinen Villa. In der großen Villa war Andreas Rockstroh nur zwei Mal. Einmal gleich nach der Wende, das zweite Mal 2005. Beim ersten Mal begleitete ihn noch sein Vater, der 1958 mit der Familie geflüchtet war. Anfang der 1990er-Jahre hätte die Familie die Villa noch kaufen können. Doch die Erbengemeinschaft aus seinem Vater und Verwandten in Berlin und England sowie der Preis bzw. die Kosten, die die Sanierung kosten würde, machten das unmöglich. Später wurde die Villa an einen aus dem arabischen Raum stammenden Mann verkauft, dem sie noch immer gehört.

Zwei Sichten auf einen Betrieb

Beim zweiten Mal, das war 2005, sah er sich alles an: "Sehr schön, aber kann ich mir nicht leisten." Damals versuchte er, zumindest eine Wohnung in der Villa zu mieten. Doch das klappte aus verschiedenen Gründen nicht. "Nun ist das für mich abgeschlossen", sagt Rockstroh. Jedenfalls was den persönlichen Teil betrifft. Die Firmengeschichte interessiert ihn nach wie vor. Er hat zwei Broschüren.

Die eine 1927 zum 50-jährigen Bestehen der Rockstroh-Werke herausgegeben, die andere nach 26 Jahren DDR-Planeta-Werk. "Das sind zwei Sichten auf ein und denselben Betrieb." Heute befinden sich im einstigen zentralen Gebäude an der Hauptstraße ein Möbelgeschäft und ein Fitnessstudio. Andere Gebäude des großen Areals zwischen Straße und Bahn verfallen. "Und haben doch Zukunft", sagt Andreas Rockstroh. "Die Lage ist prädestiniert."

Der tote Großvater im Weinkeller

Die Geschichte, die sich bis heute in Großsedlitz erzählt wird, spielte in der kleinen Villa. Es war im Frühjahr 1945, als hier ein angetrunkener Rotarmist auftauchte. Mit einem Hämmerchen machte er sich über das Meißner Porzellan her. Johannes Rockstroh, der Großvater von Andreas Rockstroh, wollte den Rotarmisten mit einer Einladung in den Weinkeller ablenken. Doch aus dem Keller kehrte er nie zurück. Er wurde mit 26 Stichen in Brust und Rücken gefunden.

Die Anzeige der Großmutter gegen den Rotarmisten brachte nichts. Die Familie vermutete, die Porzellan-Aktion sollte provozieren, sagt Andreas Rockstroh. Diese Villa wurde nach der Wende von der Treuhand verkauft. Sie gehörte im Unterschied zu der großen Villa nicht der Familie, sondern ist Firmeneigentum.

Enteignung und Einigungsvertrag

Die Firma Rockstroh wurde nach 1945 von den Russen enteignet. Diese Enteignungen im Bereich der Schwerindustrie sowie die Bodenreform wurden beim Einigungsvertrag 1990 von der Rückgabe an die Alteigentümer ausgeschlossen.

So trennten sich die Wege der kleinen und der großen Rockstroh-Villa. Die kleine hätte die Familie zurückgekauft, doch sie erfuhr davon erst, als sie bereits verkauft war. Und die große war zu groß und zu teuer, sagt Andreas Rockstroh. In der befanden sich zu DDR-Zeiten vier Wohnungen. Andreas Rockstroh ist 1951 geboren und in Bannewitz aufgewachsen. Er hat weder seinen 1949 gestorbenen Urgroßvater Max noch den umgebrachten Großvater Johannes kennengelernt.

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