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Wie unterstützt ein Hund einen Patienten?

Die Wohnstätte der Lebenshilfe in Pirna-Neundorf will neue Wege der Therapie beschreiten. Dafür braucht der Träger aber noch Geld.

Von Mareike Huisinga
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Die Therapiehunde Hugo (auf dem Arm) und Ayna von Physiotherapeutin Maria Gawoehns sollen in der Wohnstätte Haus Gottleubatal in Pirna-Neundorf zum Einsatz kommen.
Die Therapiehunde Hugo (auf dem Arm) und Ayna von Physiotherapeutin Maria Gawoehns sollen in der Wohnstätte Haus Gottleubatal in Pirna-Neundorf zum Einsatz kommen. © Daniel Schäfer

Kann ein Hund einen Menschen therapieren? Ja, sagt der Verein Lebenshilfe Pirna- Sebnitz-Freital. Er ist Träger der Wohnstätte "Haus Gottleubatal" in Pirna-Neundorf. Hier werden erwachsene Menschen mit einer geistigen und/oder Mehrfachbehinderung mit unterschiedlichem Hilfebedarf betreut. Für acht Bewohner, die nicht mehr arbeitsfähig sind oder sich bereits in Altersrente befinden, soll es im kommenden Jahr eine besondere Form der Therapie geben. "Wir wollen zur Förderung und als Beschäftigungsangebot eine Hundetherapie ermöglichen", sagt Einrichtungsleiter Eric Reichelt. Er ist sich sicher, dass Therapiehunde die Fortschritte des Patienten verbessern können. Dem stimmt Maria Gawoehns aus Dresden uneingeschränkt zu. Die ausgebildete Tiertherapeutin würde die tiergestützte Therapie in dem "Haus Gottleubatal" durchführen und war schon vor Ort, um sich vorzustellen. Damit das Projekt auch finanziert werden kann, bittet der Verein Lebenshilfe um Unterstützung über die Spendenaktion 99 Funken. Sächsische.de sprach bereits vor dem Start mit der Expertin für tiergestützte Therapie.

Frau Gawoehns, wie kann ein Hund einen Menschen therapieren?

(schmunzelt). Gar nicht, das macht der Therapeut und nicht der Hund. Das Geheimnis bei der tiergestützten Therapie ist, dass der Hund der emphatische Partner in der Therapie ist, der eine Brücke zwischen Patient und Therapeut baut. Das heißt konkret, wir machen nichts anderes als ein Physiotherapeut oder ein Logopäde. Der Hund verstärkt die Bereitschaft des Patienten, bei der Therapie mitzumachen und sich auf den Therapeuten einzulassen. Das Tier wirkt als Motivator.

Aber wie kann ein Hund motivieren?

Ein Beispiel: Mit einigen Patienten üben wir sogenannten ,Aktivitäten des täglichen Lebens', zum Beispiel das Tasche-Öffnen, das die Motorik des Betroffenen trainiert. In den Taschen liegen Leckerlis. Besteht eine Akzeptanz zwischen Patient und Hund, dann ist der Patient wesentlich motivierter die Tasche zu öffnen, um dem Hund das Leckerlis zu überreichen, dem er etwas Gutes tun will. Wir reden in diesem Fall von einer intrinsischen Motivation. Aber der Hund kann auch zur Entspannung und Regulation der Muskelspannung beitragen. Es ist schon hilfreich, wenn der Patient den Hund streichelt. Bei der Berührung mit dem Tier sinkt der Blutdruck, und Glückshormone werden freigesetzt. Auch wird der Therapiehund oft bei Gangtraining und Gleichgewichtsübungen eingesetzt. Dabei führt der Patient den Hund an der Leine, und wir Therapeuten bauen kleine Suchspiele ein, bei denen sich der Patient unter anderem bücken muss.

Das ist für den Laien jetzt vielleicht nicht so ganz nachvollziehbar. Welche Erfolge erzielen Sie mit der tiergestützten Therapie?

Ich arbeite jetzt schon 16 Jahre als Tiertherapeutin und ich bin überzeugt von dieser Art von Hilfe. Wir haben Patienten, die wieder zu sprechen angefangen haben, nachdem sie jahrelang verstummt waren. Wachkoma-Patienten stellen wieder Augenkontakt her. Große Erfolge verzeichnen wir auch bei Patienten, die eine Therapiemüdigkeit haben. Das ist so, als ob eine Tür zugeklappt wurde, sodass der Therapeut keinen Zugang mehr zu dem zu Therapierenden hat. Ein Hund kann diese Tür wieder öffnen.

Welche Ausbildung haben Sie für diese besondere Art von Therapie gemacht?

Ich bin ausgebildete Physiotherapeutin und habe dann noch eine Weiterbildung zur hundgestützten Tiertherapeutin absolviert.

Und welche Ausbildung hat Ihre Hündin Ayna absolviert, mit der Sie in die Einrichtungen gehen?

Die Hunde, die bei der Therapie unterstützen, müssen Verhaltens- und Wesenstests bestehen. Und vor allem müssen sie sehr sozial sein sowie einen ausgeprägten Spieltrieb besitzen. Außerdem erhalten die Hunde eine Extra-Ausbildung. Zum Beispiel lernen sie, am Rollstuhl zu laufen oder unkontrollierte Bewegungen beziehungsweise Äußerungen von Patienten hinzunehmen.

Wie wird die tiergestützte Therapie konkret in dem ,Haus Gottleubatal' in Pirna organisiert?

Einmal in der Woche würde ich mit Ayna für zwei Stunden in die Wohnstätte kommen. Es finden Therapien statt, die die vorhandene Ergo- und Physiotherapie sowie Logopädie unterstützen. Der Therapiehund wird in den zwei Stunden, je vier Klienten für 30 Minuten intensiv und individuell begleiten. Je nach Bedarf werden therapeutische Angebote sowie Kommunikations- und Bewegungsübungen durchgeführt. Somit hat jeder der acht Klienten alle 14 Tage eine individuelle Einzeltherapie.