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Jeden Tag ein Marathon

Per Stehpaddel und zu Fuß wollen zwei Abenteurer die Elbe von Schmilka bis zur Nordsee bewältigen. Sie schinden sich für einen guten Zweck.

Stand-Up-Paddler Timm Kruse (li.) und Ultraläufer Philipp Jordan: von Schmilka 800 Kilometer bis zur Elbmündung bei Cuxhaven.
Stand-Up-Paddler Timm Kruse (li.) und Ultraläufer Philipp Jordan: von Schmilka 800 Kilometer bis zur Elbmündung bei Cuxhaven. © Steffen Unger

Beim vormittäglichen Zwischenstopp in Pirna haben Timm Kruse und Philipp Jordan die ersten 30 Kilometer hinter sich - von insgesamt 800 Kilometern. Der eine legt die Strecke vor allem mit der Kraft seiner Arme zurück, der andere mit seinen Beinen. Frühmorgens um 6 Uhr sind sie in Schmilka an der tschechischen Grenze gestartet, ihr Ziel heißt Cuxhaven an der Nordsee. Bis dorthin werden sie dem Lauf der Elbe folgen, Stand-Up-Paddler Timm Kruse mit seinen Board auf dem Wasser, Ultramarathonläufer Philipp Jordan entlang des Elberadwegs am Ufer.

"Laufschuh gegen SUP" nennen sie ihre Aktion, wobei die beiden ausdrücklich nicht gegen-, sondern miteinander unterwegs sind. 20 Tage haben sie sich dafür Zeit gegeben - das entspricht im Schnitt der Distanz eines Marathons (42 Kilometer) pro Tag.

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Der Auftakt am 20. Mai läuft für die Sportler super. "Ich bin noch nie so schnell gepaddelt", sagt Timm Kruse, als er für ein kurzes Pressegespräch an den Pirnaer Elbwiesen an Land kommt. Der hochgewachsene Mann mit wettergegerbtem Gesicht trägt lange Sporthosen und einen einfachen Kapuzenpulli. Ein Neoprenanzug wäre erstens zu warm und würde außerdem auf Dauer anfangen zu scheuern, erklärt er.

800 Kilometer stehpaddeln und laufen

Der 51-Jährige ist mit dem SUP-Board schon auf über hundert Flüssen unterwegs gewesen, unter anderem ist er die komplette Donau abgepaddelt, 3.000 Kilometer durch zehn Länder. Die Elbe, die momentan viel Wasser führt, fließe wesentlich schneller, berichtet er. Immer wieder gibt es Verwirbelungen. Die ersten paar Hundert Meter hat er deshalb auf Knien zurückgelegt, um sich mit den Verhältnissen vertraut zu machen.

Der Geschwindigkeitsvorteil, den der Stehpaddler dank der Strömung hat, hält aber nur an, solange kein Wind geht. Frischt der Gegenwind auf, was auf der Elbe stromabwärts oft passiert, kommt ein geübter Jogger zu Fuß schneller vorwärts.

Ultramarathonläufer und Autor

Als Läufer Philipp Jordan am Pausenplatz in Pirna eintrifft und verlangt er erstmal nach Apfelschorle und einer Brezel. 30 Kilometer waren es bis hier her, noch einmal 23 Kilometer sind es bis zum Tagesziel in Dresden. "Ich bin total geplättet, wie schön es hier ist", sagt er über die Landschaft der Sächsischen Schweiz. Der 46-Jährige stammt aus Karlsruhe und lebt seit 20 Jahren im holländischen Utrecht. Als Ultramarathonläufer hat er schon einmal 700 Kilometer in 14 Tagen zurückgelegt - damals ging es den Rhein hinauf. Seine erzählt er im Buch "#Fatboysrun".

Kennengelernt haben sich die beiden Extremsportler, als Stehpaddler Kruse, der als Journalist und Autor arbeitet, den Ultraläufer Jordan für einen Podcast interviewte. Dabei entstand auch die Idee für eine gemeinsame Aktion. Das erste Mal persönlich begegnet sind sie sich durch die Corona-Pandemie aber erst wenige Tage vor dem Start des Elbe-Abenteuers.

Crowdfunding-Aktion für Menschen 60+

Mit ihrer 800-Kilometer-Tour entlang der Elbe verfolgen Philipp Jordan und Timm Kruse einen guten Zweck. Unter dem Titel "Toll gelaufen" sammeln sie per Crowdfunding Spenden für die Initiative "Oll inklusiv", ein Projekt, das Menschen ab 60 dabei hilft, mobil zu bleiben. Gestartet ist die Initiative 2018 in Hamburg, soll jetzt aber auf ganz Deutschland erweitert werden. Es geht um Kultur- und Sportangebote, wie Tanzabende und Rikscha-Fahrten, aber auch um digitale Teilhabe via Tablet und App. In Dresden gibt es bereits eine Verbindung zur hiesigen Initiative Digitale Großeltern, die Senioren beim Umgang mit Smartphones unterstützt.

Am 21. Mai starten Timm Kruse und Philipp Jordan von Dresden über Meißen nach Diera-Zehren, am 22. Mai werden sie Riesa passieren. Online lässt sich ihr Vorankommen live über das GPS-Tracking-Tool Raceday verfolgen. Später wollen sie gemeinsam ein Buch über ihre Erlebnisse auf der Strecke schreiben.

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