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Jubel

„Jeder Tag ist ein Abenteuer“

Jörg Seidel kam vor 31 Jahren zur SZ. Er führt die Verlagsgeschäfte der DDV Sächsische Schweiz-Osterzgebirge GmbH. Ein Beitrag zum Jubiläum 75 Jahre SZ.

Familiär vorgeprägt, wechselte Jörg Seidel 1990 in die Verlagsbranche. Heute führt er die Verlagsgeschäfte der DDV Sächsische Schweiz-Osterzgebirge GmbH – nach wie vor mit großer Leidenschaft und Engagement.
Familiär vorgeprägt, wechselte Jörg Seidel 1990 in die Verlagsbranche. Heute führt er die Verlagsgeschäfte der DDV Sächsische Schweiz-Osterzgebirge GmbH – nach wie vor mit großer Leidenschaft und Engagement. © Daniel Förster

Herr Seidel, keine Zeitung ohne Werbeanzeigen. Warum sind sie so wichtig?

Über die Einnahmen durch Werbeanzeigen wird das Printprodukt, also die Zeitung, mit fast 50 Prozent finanziert.

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Zeitungmachen ohne Werbung. Geht das überhaupt?

Sicherlich, aber dann würde eine einzelne Ausgabe der Sächsischen Zeitung ungefähr 3,50 Euro kosten statt des regulären Preises von 1,60 Euro. Doch es geht nicht allein ums Geld. Werbung ist ja auch Information. Mit den Werbeanzeigen in unserer Zeitung stellen wir eine Verbindung zur lokalen Wirtschaft her. Unsere Leser erfahren von uns, was sie wo kaufen können, beziehungsweise wer welche Dienstleistungen anbietet.

Werbung ist also unverzichtbar?

So ist es. Werbung hat seit über 300 Jahren ihre Daseinsberechtigung in den Tageszeitungen. Schon die ersten Blätter überhaupt waren mit Werbung ausgestattet. Ohne Reklame kommt kein Unternehmen an den Endverbraucher. Für die meisten Firmen ist das bis heute die Verbindung zu den Privathaushalten. Im Zuge der Digitalisierung haben sich inzwischen aber auch viele neue Wege aufgetan. Aber auch heute gilt – vielleicht sogar mehr denn je – was Henry Ford einst sagte: „Wer nicht wirbt, der stirbt!“

Ist die SZ dafür gut aufgestellt?

Ich denke ja. Die große Herausforderung aller Verlage ist, die großen Suchmaschinen und die sozialen Medien im Internet zu nutzen um Verbraucherinformationen an den Mann bzw. die Frau zu bringen. Seit über fünf Jahren wandelt sich unser Verlag vom führenden Print-Haus zum Online-Spezialisten um. In unserer Region führen wir da schon. Nummer eins bei den Online-Nachrichten sind die Portale Sächsische.de und TAG24. Alle beide gehören zur DDV Mediengruppe.

Ein großer Wandel, der sich da vollzieht. Das war sicher anders, als sie zum Verlagsgeschäft gekommen sind.

Definitiv. 1990, als ich von der Kfz- in die Verlagsbranche gewechselt bin, gab es noch viel mehr Print-Produkte auf dem Markt. Wie viele andere auch, musste ich mir kurz nach der Wende die Frage stellen, wie es beruflich für mich weitergehen soll. Da zeigte mir meine Mutter eine alte Zeitung und erzählte mir, dass mein Großvater als Redakteur für dieses Blatt gearbeitet hat. Mir gefiel die Aufmachung und natürlich die Werbung. Da war mir klar: „Das möchte ich auch machen.“ Ich bewarb mich und bekam bei den Sächsischen Neuesten Nachrichten eine Stelle als Medienberater. Zwei Monate später wechselte ich zur Sächsischen Zeitung.

…und sind bis heute begeistert dabei?

Auf jeden Fall! Damals wie heute verläuft im Verlagsgeschäft jeder Tag anders als er ursprünglich geplant war. Das ist das Faszinierende, das macht diese Arbeit für mich so spannend und interessant.

Sie haben ein tolles Gespür für Ihre Kunden. Wie wichtig ist das?

Eine gute und vor allem langfristige Kundenbindung ist das A und O im Verlagswesen. Einer meiner ersten Großkunden war das Autohaus AIS Dresden GmbH. Das Unternehmen Möbel Graf sowie die Restauration der Festung Königstein, der Weißeritzpark Freital, die Klinik Bavaria und auch die Mediamärkte in Dresden gehören ebenso zu meinen langjährigen Kunden. Sie alle sind der SZ bis heute treu geblieben. Rückblickend betrachtet, ist es faszinierend, wie sich diese Unternehmen entwickelt haben. Es ist einfach schön zu wissen, dass wir einen kleinen Beitrag dazu geleistet haben. Auch waren wir Vorreiter, was Centerzeitungen betrifft. 1997 habe ich bei der DDV-Mediengruppe die erste auf die Beine gestellt.

Wie viele Ihrer Kunden machen auch wie der Verlag gerade keine einfache Zeit durch. Wie sehen Sie die Zukunft?

Die Corona-Pandemie trifft uns als Gewerbetreibende natürlich auch hart. Viele unserer Kunden sind von den aktuellen Maßnahmen betroffen und mussten ihre Geschäfte weitestgehend schließen. Da fehlen uns nun die Werbeeinnahmen. Die Strukturen und Netzwerke, die wir uns über die Jahre aufgebaut haben, helfen uns aber, um auch diese Zeit überstehen zu können. Hier gilt mein Dank allen Kunden, aber auch allen Mitarbeitern der DDV-Mediengruppe. Egal, ob Redakteur, Verlagsmitarbeiter, Kundenberater, Zusteller der SZ/freitagSZ, Drucker - jeder von ihnen leistet täglich einen wichtigen Beitrag, um das Fortbestehen unseres Verlages sichern.

Sie sind also optimistisch?

Trotz Umsatzeinbrüchen bin ich zuversichtlich. Wer momentan in Pirna die Einkaufsmeile entlangläuft, sieht, dass in der ehemaligen Apotheke auf der Dohnaischen Straße gebaut wird. Dort investieren wir in ein neues Ladengeschäft mit über 130 Quadratmetern Fläche und einem ganz neuen Konzept. Voraussichtlich Mitte Mai wollen wir eröffnen und viel Neues in den Bereichen Reisen, Veranstaltung, Handel und Präsentation sächsischer Manufakturen anbieten. Das ist aber nicht alles. Mehr möchte ich an dieser Stelle aber noch nicht verraten.

Das Gespräch führte Yvonne Popp.

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