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Sohn attackiert kranke Mutter

Ein Heidenauer schubste seine an Alzheimer erkrankte Mutter. Sie verletzte sich dabei schwer. Deshalb stand der 53-Jährige nun in Pirna vor Gericht.

Ein Heidenauer soll seine an Alzheimer erkrankte Mutter gestoßen und dadurch schwer verletzt haben. Dafür muss er sich nun vor Gericht verantworten.
Ein Heidenauer soll seine an Alzheimer erkrankte Mutter gestoßen und dadurch schwer verletzt haben. Dafür muss er sich nun vor Gericht verantworten. © Symbolfoto: Ronald Wittek/dpa

Von Friederike Hohmann

Es wirkt befremdlich, wie André Neubert*, von seiner Mutter spricht. Der 53-Jährige, der sich vor dem Amtsgericht in Pirna wegen Körperverletzung verantworten muss, spricht über sie wie eine Fremde. Erst nennt er sie "Mutti". Nach der Verlesung der Anklage nennt der Heidenauer sie nur noch "Frau Neubert"* oder "die Frau". Es scheint, als wolle er mit dem Vorfall nichts zu tun haben, der sich im Oktober 2019 zugetragen hat.

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Damals soll er seine Mutter in deren Wohnung geschubst haben, woraufhin sie stürzte und sich schwere Verletzungen zuzog. Bei der Erklärung vor Gericht, wie es zu dem Sturz kommen konnte, verstrickt sich der Angeklagte in Widersprüche. Seine Mutter hätte ihm seinen Rucksack nicht geben wollen. Er hätte daran gezerrt. Im Rucksack seien Getränke gewesen. Er habe nur verhindern wollen, dass seine Mutter den Rucksack die Treppe hinunterwirft. Der 53-Jährige stellt es so dar, als sei die Seniorin über die Türschwelle gestolpert. „Dabei ist die Frau Neubert dann zu Sturz gekommen“, schildert der Sohn.

Richterin Cornelia Rosen glaubt dem Mann die Geschichte nicht. Laut Akte war seine Mutter an Alzheimer erkrankt. Sie wollte keinesfalls ins Heim. Vor Gericht gibt der Heidenauer an, mit der Betreuung seiner Mutter überfordert gewesen zu sein. Zwar sei sie auch von einem Pflegedienst betreut worden. Er hätte zusätzlich für sie eingekauft, gekocht und geputzt.

Eine Nachbarin erzählte gegenüber der Polizei von häufigem Streit zwischen Mutter und Sohn. Auch am Tag des Sturzes sei es nebenan wieder sehr laut geworden. Durch ihren Türspion hätte sie dann die Seniorin in deren Wohnung im Flur auf dem Boden liegen sehen. Die Nachbarin wählte daraufhin den Notruf. Während der Rettungsdienst sich um die Verletzte kümmerte, ließ sich ein Polizeibeamter vom Sohn schildern, was vorgefallen war. Vor Gericht gab der Polizist als Zeuge an, der Sohn hätte sehr aufgelöst gewirkt. Er hätte zudem zugegeben, seine pflegebedürftige Mutter im Streit geschubst zu haben und dies mit seiner Überforderung begründet. Sich intensiv um seine Mutter kümmern zu müssen, sei einfach zu viel für ihn gewesen. Aber sie wolle auf keinen Fall in ein Pflegeheim. Deshalb sei es zum Streit gekommen. 

Über zwei Promille Alkohol im Blut

Die Polizei machte noch vor Ort einen Alkoholtest bei dem 53-Jährigen. Dieser ergab 2,26 Promille. Der Mann habe aber nicht sehr betrunken gewirkt, sagte der Polizist vor Gericht. Das sei bei Alkoholikern selbst bei so einem Wert nicht ungewöhnlich.

Im Krankenhaus wurde bei der Mutter ein Schädel-Hirn-Trauma mit Schädelbruch und Hirnblutungen festgestellt. Sie musste mehrere Tage intensivmedizinisch betreut werden. Nach Hause kam sie nach dem Vorfall nicht mehr, sondern war in verschiedenen Kliniken und Pflegeeinrichtungen. Ende Januar 2020, nur wenige Monate nach dem Sturz, verstarb sie im Krankenhaus in Pirna.

Die Staatsanwältin würdigte zwar das ursprüngliche Geständnis, vermisst beim Angeklagten aber Reue. Der Heidenauer ist wegen Verkehrsdelikten mehrfach vorbestraft. Er soll eine empfindliche Geldstrafe erhalten. Das Gericht verurteilt ihn zu einer Geldstrafe über 90 Tagessätze zu je 15 Euro. Der 53-Jährige bezieht ALG II. Mit Hilfsarbeiten verdient er sich zusätzlich 120 Euro pro Monat. Davon muss er neben dieser und einer weiteren Geldstrafe auch noch Schulden abbezahlen. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig. Der Angeklagte kann in Revision gehen. 

*Namen durch Redaktion geändert

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