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"Wir brauchen mehr sprechende Sirenen"

Der heutige bundesweite Warntag wird auch ein Wettbewerb der Systeme. Bei Stromausfall wird es kompliziert.

Katastrophenschutz-Chef Steffen Klemt, Mitarbeiterin Linda Madai. Auf ihrem Dienstfahrzeug ist auch eine weiße digitale Sirene installiert.
Katastrophenschutz-Chef Steffen Klemt, Mitarbeiterin Linda Madai. Auf ihrem Dienstfahrzeug ist auch eine weiße digitale Sirene installiert. © Daniel Schäfer

Wenn am Donnerstag, 10. September, sämtliche Sirenen im Landkreis heulen, ist das ein Novum. Den Sirenentest an sich gibt es zwar schon seit vielen Jahren. Doch erstmals seit der Wiedervereinigung Deutschlands vor 30 Jahren wird im gesamten Bundesgebiet gleichzeitig gewarnt. 

Um 11 Uhr soll dann ein in dieser Dimension noch nie dagewesener Testlauf der Warnsysteme beginnen. Neben den Sirenen gehen dann auch alle Warn-Apps auf Sendung, wird es Unterbrechungen der Programme in Rundfunk und Fernsehen geben, um zu Testzwecken Warnungen zu verkünden.

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Im Landkreis Sächsische Schweiz-Osterzgebirge laufen dabei die Fäden im Landratsamt beim Referat für Katastrophenschutz zusammen, das zum Amt für Sicherheit und Ordnung gehört. Sächsische.de befragte Amtsleiter Steffen Klemt, wovor gewarnt wird und was die Bevölkerung beachten soll.

Herr Klemt, war ein bundesweiter Warntag überfällig?

Es wurde auf jeden Fall Zeit für einen bundesweiten Test aller Warnsysteme, einschließlich der Sirenen. Es geht ja darum, die Bevölkerung vor Gefahren zu warnen und zu sensibilisieren, aber auch darum, die Vielfalt der Warnsysteme in Deutschland bekannter zu machen. Warnen können viele Institutionen, von der Bundesebene bis hin zu den Bürgermeistern, aber zum Beispiel auch der Deutschen Wetterdienst.

Sirenentests sind hierzulande nichts Neues. Viele Geräte tun seit den 1950er- und 1960er-Jahren zuverlässig ihren Dienst. Haben die jetzt mit der Digitalisierung ausgedient?

Überhaupt nicht. Sirenen sind ein effektives Mittel, schnell eine sehr große Masse von Menschen zu erreichen. Wir planen sogar, neue Standorte zu entwickeln, allerdings nicht mit herkömmlichen Motorsirenen, sondern mit digitalen Sirenen. Der Landkreis hat vor einiger Zeit zehn mobile digitale Sirenen angeschafft, mit denen wir bei lokalen Ereignissen eine Warnung der Bevölkerung unterstützen können. Hilfreich wären aber noch viel mehr und vor allem die Entwicklung stationärer Standorte.

Was ist an digitalen Sirenen besser?

Mit den Motorsirenen erreichen wir je nach örtlichen Gegebenheiten Menschen in einem Radius von etwa 600 Metern. Dann kann man noch in etwa die jeweiligen Sirenensignale erkennen. Stationäre digitale Sirenen haben einen Radius von 1,5 bis 2 Kilometern. Der größte Vorteil ist jedoch, dass man damit auch Sprachnachrichten verbreiten kann. Denn es ist für die Bevölkerung enorm wichtig, dass nach Warnungen weitere Informationen folgen.

Welche Informationen meinen Sie?

Zum Beispiel wie man sich in einer jeweiligen Gefahrensituation verhalten soll. Bei einem Unfall mit Gefahrgut könnte es beispielsweise sein, die Fenster und Türen geschlossen zu halten. Bei einem Großbrand oder im Abflussbereich einer Talsperre könnte es dagegen sein, so schnell wie möglich das Haus zu verlassen. Welche Bedeutung das jeweilige Sirenensignal allein bedeutet, wissen doch die wenigsten Menschen. Auch dafür ist der bundesweite Warntag gut, das mal wieder ins Bewusstsein zu rücken.

Sollten mit den digitalen Sirenen weiße Flecken im Kreisgebiet beseitigt werden? In der Stadt Pirna gibt es beispielsweise nur noch drei Sirenen.

Das entscheidet jede Kommune selbst, wie sie warnt. Manchmal hapert es auch am Geld. Deshalb haben wir als Landkreis auch eine Anregung ans sächsische Innenministerium gegeben, ein spezielles Förderprogramm aufzulegen. Bei der Planung von Standorten orientieren wir uns eher an den möglichen Gefahren. Es können sich bestimmt noch viele erinnern, als es zur Jahrhundertflut 2002 hieß, der Damm der Malter-Talsperre könnte brechen. Das ist zum Beispiel ein Punkt, wo wir prüfen, wie und in welchem Gebiet gewarnt und informiert werden müsste.

Damals war der Stromausfall ein großes Problem. Fällt der bundesweite Warntag aus, wenn die Stromversorgung nicht funktioniert?

Ohne Strom läuft tatsächlich keine Motorsirene. Digitale Sirenen funktionieren über Akkubetrieb weiter und Warn-Apps, weil die Sendemasten für eine bestimmte Zeit von Stromspeichern versorgt werden. Das Modulare Warnsystem läuft zudem über Satellit. Bei Stromausfällen sind übrigens mobile digitale Sirenen auch überaus nützlich. Sie können mit dem integrierten Magneten auf jedem Fahrzeug angebracht und mit der nötigen Energie versorgt werden. 

Wovor muss die Bevölkerung eigentlich gewarnt werden? Hat sich die Terrorgefahr erhöht oder hat das mit Corona zu tun?

Hauptsächlich geht es um die Auswirkungen von Naturkatastrophen, das können Hochwasser, Großfeuer oder auch extreme Hitze sein. Selbst Erdbeben sind nicht für immer auszuschließen. Richtig ist, dass wir beispielsweise unsere Warn-App Biwapp auch dafür genutzt haben, über stark steigende Zahlen von Corona-Infektionen zu informieren und aufzuklären, wie man sich verhalten sollte.

Welche Warn-App sollte man denn nutzen, Nina, Biwapp oder eine ganz andere?

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Es kann schon zu einem Wettbewerb verschiedener Warnsysteme kommen. Was die bundesweite Warn-App Nina angeht, werden deren Warnungen auch auf Biwapp übernommen. Andererseits könnte der Landrat auch direkt im MDR-Fernsehen eine Warnmeldung absetzen, wenn beispielsweise vor einer ganz lokalen Gefahr im Landkreis gewarnt werden müsste. Es sind viele Verknüpfungen jetzt schon möglich. Der bundesweite Warntag ist auch dazu da, dieses System einem echten Stresstest auszusetzen und daraus Erkenntnisse zu gewinnen. Das gilt sowohl für Behörden, als auch für jeden einzelnen Menschen. Als Landkreis favorisieren wir die Biwapp, als die lokale Warn- und Informations-App des Landkreises. Entscheiden wird letztendlich der Bürger selbst, welcher App er das Vertrauen schenkt.

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Artikel wurde am 10.9.20 aktualisiert.

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