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Kreis SOE: Hilfe für gestrandete Jugendliche

Der Sachsenforst und die Integrationsgesellschaft Sachsen erneuern ihren Kooperationsvertrag. Jugendliche bekommen so eine zweite Chance.

Im Sommer waren Jugendliche aus dem Projekt "StandUp" an der Wanderhütte unterhalb des Ungers aktiv.
Im Sommer waren Jugendliche aus dem Projekt "StandUp" an der Wanderhütte unterhalb des Ungers aktiv. © Daniel Schäfer

Unbekannte hatten im Frühjahr die Schutzhütte unterhalb des Ungers bei Neustadt in Sachsen in die Luft gesprengt. Im Sommer wurde die Hütte dann von Jugendlichen wieder instand gesetzt. Ganz freiwillig haben sie das nicht getan. Die Jugendlichen sind Teil des Projektes "StandUp" der Integrationsgesellschaft Sachsen gGmbH mit Sitz in Freital. Die Gesellschaft übernimmt für die Jugendgerichtshilfe und Jugendämter die Aufgabe, gestrandete Jugendliche im Landkreis Sächsische Schweiz-Osterzgebirge zu betreuen, ihnen wieder eine Perspektive zu vermitteln. Das ist der Fall, wenn die Jugendlichen zum Beispiel straffällig geworden sind, in welcher Form auch immer.

Meist geht es darum, die Jugendlichen erst einmal aufzufangen, ihnen einen Tagesablauf zu geben oder eben auch das regelmäßige Arbeiten erst einmal zu vermitteln. Und dazu braucht die Integrationsgesellschaft Kooperationspartner. Einer davon ist der Sachsenforst, Forstbezirk Neustadt. Unlängst wurde ein neuer Kooperationsvertrag geschlossen. Dieser ermöglicht es, dass die Jugendlichen auch weiter unterstützende Tätigkeiten in allen Revieren im Forstbezirk Neustadt und im Nationalpark Sächsische Schweiz verrichten können. Auch in diesem Jahr sind es meist junge Männer, die betreut werden.

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Hilfe beim Schuldenabbau und der Jobsuche

Fünf Tage die Woche arbeiten die Jugendlichen in dem Projekt. Ziel sei es, so die Integrationsgesellschaft, sie so zu begleiten, dass sie ihren Lebensrhythmus wiederfinden. Das heißt, sie nehmen auch an der Allgemein- und der Berufsbildung teil. Alles wird ihnen innerhalb des Projektes vermittelt. Die Monate, die sie dort verbringen, werden als Schul- und Berufsschulzeit angerechnet. Betreut werden Jugendliche im Alter zwischen 14 und 21 Jahren, die ganz unterschiedliche Straftaten begangen haben. In der Regel sind sie zwischen sechs und zwölf Monate bei der Gesellschaft. Manche auch länger. Entsprechend der persönlichen Lebenssituation gibt es Unterstützung für jeden Jugendlichen. "Das kann zum Beispiel Hilfe beim Abbau von Schulden oder bei der Suche nach einer Wohnung oder auch eine berufliche Orientierung sein. Dabei arbeitet die Integrationshilfe auch eng mit Psychologen zusammen", sagt Kathrin Scharf-Hahn von der Integrationsgesellschaft. Das Besondere ist auch, dass die Jugendlichen bei einer Teilnahme am Projekt „StandUp“ nicht clean sein müssen, da man allen Jugendlichen eine Chance geben will.

Der neue Vertrag sichert nun die Zusammenarbeit bis Jahresende 2021, mit einer Verlängerungsoption bis Ende 2024. "Ich freue mich über die weiterführende Zusammenarbeit. Die Jugendlichen unterstützen uns bei vielfältigen Projekten für den Wald und gleichzeitig dürfen wir ihnen helfen, wieder aufzustehen und ihren Weg zu finden", sagt Uwe Borrmeister, Leiter des Forstbezirkes Neustadt.

Unter Anleitung der Revierförster haben die Jugendlichen in der letzten Zeit schon einige ihnen zumutbare Aufträge erledigt. So haben sie zum Beispiel beim Zaunbau mitgeholfen oder Waldflächen beräumt und sie für neue Anpflanzungen vorbereitet. Dazu gehörte auch der Wiederaufbau der Schutzhütte am Unger. Darüber hinaus haben die Jugendlichen zum Beispiel Wege gereinigt, Schnittgerinne und Abläufe an Waldwegen frei gelegt, jagdliche Einrichtungen aufgestellt oder auch Waldwiesen beräumt. Darüber hinaus waren sie damit beschäftigt, Saatgut zu sammeln, damit der Forstbetrieb neue Bäume züchten kann.

Neue Aufgaben in den Wäldern vom Sachsenforst

Mit der Kooperationsvereinbarung wurden auch bereits erste Ideen für die kommenden Arbeiten entwickelt. Diese werden dann je nach Anforderung tagaktuell festgelegt. Begleitet werden die Jugendlichen bei ihren Einsätzen von Mitarbeitern der Integrationsgesellschaft und des Sachsenforstes. Dazu kommen dann weitere Unternehmen, die vor Ort angefordert werden.

In diesem Jahr wird es weniger um die Beräumung von Waldflächen oder das Entrinden von Borkenkäferbäumen gehen. Schließlich sind manche Jugendliche länger in dem Projekt und da soll auch etwas Abwechslung in den Alltag kommen. 2021 werden sie zum Beispiel bei der Umsetzung lokaler Naturschutzkonzepte des Forstbezirkes Neustadt helfen. Dazu gehört unter anderem die Betreuung von Nistkästen wie auch die Überwachung von Horstschutzzonen, um Brutplätze festzustellen. Außerdem werden sie an der Waldameisenkartierung mithelfen und das Haselmausmonitoring unterstützen. Und wenn noch Zeit bleibt, steht die Pflege von Waldwiesen mit auf dem Plan. Außerdem sollen sie bei der Überwachung von Schutzgebieten mithelfen.

Eine weitere interessante Aufgabe wird die Betreuung der Trekkingroute "Forststeig Elbsandstein" sowie die Unterhaltung der Trekkinghütten und Biwakplätze sein. Damit dürfte eines feststehen, "StandUp" wird auch in nächster Zeit ausreichend Möglichkeiten haben, gestrandeten Jugendlichen wieder auf die Beine zu helfen, ihnen eine neue Chance für den Wiedereinstieg ins Leben geben.

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