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Barocke Tänze in der Kaserne Pirna

Ercole Nisini lädt mit seinem Ensemble Instrumenta Musica zu besonderen Konzerten ein – an einem ungewöhnlichen Ort. Zu erleben leider nur im Internet.

Der Pirnaer Musiker Ercole Nisini probt mit seinem Ensemble in der Kaserne an der Rottwerndorfer Straße für das erste von vier Konzerten, die nur im Internet zu verfolgen sind.
Der Pirnaer Musiker Ercole Nisini probt mit seinem Ensemble in der Kaserne an der Rottwerndorfer Straße für das erste von vier Konzerten, die nur im Internet zu verfolgen sind. © Thomas Morgenroth

Hinter den dicken Sandsteinmauern der Grauen Kaserne an der Rottwerndorfer Straße in Pirna wurde den Soldaten früher der Marsch geblasen. Im wörtlichen wie im übertragenen Sinne. In diesen Tagen erklingt dort wieder Musik, ohne aber dass sich irgendeiner im Takt fortbewegt. Bloß nicht: Die dreizehn Damen und Herren des Ensembles müssen hübsch auf ihren Plätzen bleiben, um der Corona-Schutzverordnung zu entsprechen. Wer rumläuft, muss einen Mund-Nasen-Schutz tragen, damit ist freilich schlecht musizieren. Erst recht, wenn das Instrument eine Posaune ist.

Ercole Nisini setzt das Mundstück an seine Lippen, gibt den Musikern ein Zeichen, und die Passameze von François Caroubel nimmt langsam Form an. Der 1612 von Michael Praetorius in seiner Sammlung „Terpsichore“ veröffentlichte Schreittanz des italienisch-französischen Komponisten gehört zum ersten Teil eines ungewöhnlichen Projektes, das in der Kaserne aufgeführt werden soll. Leider ohne Publikum im Saal, zugelassen sind nur Kameras und Mikrofone. Das Ergebnis ist am Sonnabend via Stream im Internet zu sehen.

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Eintrittskarten für virtuellen Auftritt

Wer will, darf am Bildschirm dabei sein, sollte vorher aber eine Eintrittskarte kaufen oder per Paypal eine beliebige Summe spenden. Ganz ohne Geld funktioniert die Kunst nicht. Ein bisschen gibt es bereits: Nisini beteiligte sich mit „Texturen – Musik und Kunst aus der Kaserne Pirna“ am Wettbewerb „Denkzeit Event“ des sächsischen Kulturministeriums. 157 Veranstalter wurden von Staatsministerin Barbara Klepsch ausgezeichnet, Nisini bekam ein Preisgeld von 5.000 Euro. Dafür will der 49-Jährige, der aus Rom stammt und vor zwei Jahren nach Pirna kam, vier Konzerte erarbeiten – für jede Jahreszeit eines.

Der erste Teil, der am Sonnabend seine Premiere erleben soll, ist dem 400. Todestag und 450. Geburtstag des in der Übergangszeit zwischen Renaissance und Barock wirkenden Komponisten und Hofkapellmeisters Michael Praetorius gewidmet. Im Mittelpunkt steht dessen „Terpsichore“, die 312 größtenteils französische Tänze des 16. und 17. Jahrhunderts enthält.

Getanzt wird freilich nicht, wenn das auf alte Musik spezialisierte Ensemble Instrumenta Musica Werke von Tilmann Susato, Samuel Scheidt, Giorgio Maineri oder Praetorius spielen wird. Auf Nachbauten historischer Instrumente wie Viola da gamba, Zink oder Hackbrett. Auch die Barockposaune von Ercole Nisini ist anders als heute übliche Posaunen. Sie ist deutlich kleiner und leiser. Die Musiker kommen aus ganz Deutschland, was sie verbindet, ist das Studium an der Musikhochschule Trossingen in Baden-Württemberg.

Kunstinstallation im Raum

Für den roten Faden des Auftritts, oder vielmehr für viele rote Fäden, Tücher und Bilder, sorgt die Künstlerin Karin Kopka-Musch, die im Erdgeschoss der Kaserne ihr Atelier hat. Sie lernte Nisini kennen, als er in einem leeren Raum Posaune spielte. Nun ist das Konzert thematisch rot. Musik und Rauminstallation sollen sich zu einem Gesamtkunstwerk fügen.

Zwei weitere Konzerte sind konzeptionell fertig, das vierte für den Winter plant Ercole Nisini noch. Das Thema im Juni heißt „Wiegenlied des Todes“ mit der Farbe Gelb, im Oktober wird es blau mit „L’homme armée“, der bewaffnete Mann. Beides passt in die Kaserne, in der Musik oft Ereignisse begleitete, die nichts Gutes verhießen – wie ein Marschbefehl an die Front.

Der Musiker und sein Projekt

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