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Die Feste-Hauptstadt

So ein kleines Dorf und so viele Feste. Börnersdorf feiert alles. Einmal im Jahr auch den Konsum, der schon lange keiner mehr ist.

Stöbern in den Fotos und Geschichten des Konsumfestes: Regina Noether hat die Kiste mitgebracht, die nach dem Fest am Wochenende nicht mehr reicht.
Stöbern in den Fotos und Geschichten des Konsumfestes: Regina Noether hat die Kiste mitgebracht, die nach dem Fest am Wochenende nicht mehr reicht. © Karl-Ludwig Oberthuer

Wenn man einen Quotienten aus Einwohnern und Festen ermitteln würde, käme Börnersdorf auf einen sehr hohen. Die rund 300 Börnersdorfer feiern gefühlt jedes Wochenende. Oberdorffest und Kirchturmspitzenfest, Feuerwehrfest und Schützenfest, Glühweinfest und nun am Wochenende Konsumfest. 

Den Konsum gibt es schon seit etlichen Jahren nicht mehr. Wann genau er als Laden ganz schloss, wissen selbst die Alteingesessenen nicht mehr genau. Im Januar 1996 war er noch offen, darauf kann man sich einigen. Auch dass man zuletzt eben nur noch hin ging, wenn was fehlte oder man was vergessen hatte, einzukaufen. Nun geht man wieder zum Nachbarn, wenn Zucker, Mehl oder Eier fehlen. Dieter Noether erinnert sich, mal einen blauen Jogginganzug im Konsum gekauft zu haben, als der schon nicht mehr Konsum hieß. 

Die gesunde Drittelstunde
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So sah der alte Börnersdorfer Konsum aus: Die Ansichtskarte hat der neue Eigentümer im Internet ersteigert.
So sah der alte Börnersdorfer Konsum aus: Die Ansichtskarte hat der neue Eigentümer im Internet ersteigert. © privat

Gebaut wurde der Konsum 1974, 2008 folgte der Umbau. Seit November 2018 ist der Konsum das Zuhause von Silvio Voigt und seiner Familie. Der 32-Jährige stammt aus Heidenau und suchte etwas, was bezahlbar ist. Im Internet hat er eine Ansichtskarte des alten Konsums ersteigert. Und natürlich dürfen die Voigts beim Konsumfest mitfeiern. Die Runde ist fest auf den Bereich rund um den Konsum festgelegt. Wer wegzieht, ist raus, wer herzieht, wird eingeladen. Ob er kommt, ist seine Entscheidung. Die Regeln sind einfach und klar. 

Der Konsum an sich wird beim Konsumfest gar nicht gefeiert. Es ist auch kein Fest zum Hochleben der DDR. Vor sieben Jahren, als man wieder mal zusammen saß, wurde geklagt, dass irgendwie alles auseinander läuft und fällt. Die neuen Nachbarn kennt man nicht mehr, und die haben keine Gelegenheit, die alten kennenzulernen. Inzwischen sind viele wieder nach Börnersdorf gezogen. Nicht nur Silvio Voigt. 

Heute ist der ehemalige Konsum das Zuhause der Familie Voigt, die natürlich auch zum Konsumfest eingeladen ist.
Heute ist der ehemalige Konsum das Zuhause der Familie Voigt, die natürlich auch zum Konsumfest eingeladen ist. © Karl-Ludwig Oberthuer

"Das Dörfliche hat wieder mehr Zukunft", sagt Maik Hippel. Und so feierte man vor sechs Jahren das erste Mal das neue Fest. Und weil das im Konsum, damals noch leer, stattfand, wurde es eben zum Konsumfest. Inzwischen wird reihum bei den Leuten gefeiert. Ronny Gössel ist der Manager. Er hat den Plan. Inzwischen weiß jeder, was er zu tun hat. Zum Stamm der Organisatoren gehören ein paar, der jeweilige Gastgeber kommt immer dazu. Dieses Jahr sind das Regina und Dieter Noether. 

Geschichten beim Holunderschnaps

Knabberzeug und Beleuchtung, Obstsalat und Tzaziki. Besteck wird von der Feuerwehr geliehen, Zelt ist auch organisiert. Würste und Steaks, Getränke. Den Eiersalat macht wieder die Hermine. Helmut Friebel freut sich auf  "die schöne Kräuterbutter". Die Noethers steuern Aronia-Marmelade bei und haben auch noch Schnaps. Die Runde ist schnell durch mit den Absprachen. Darauf einen Hippelschen Holunderschnaps.

Bei dem werden dann die Geschichten erzählt, die ein Dorf ausmachen. Zum Beispiel die vom alten Schulleiter, der mit dem Leiterwagen in den Bach fiel. Auch die Fotos der vergangenen Feste erzählen Geschichten. Regina Noether hat die Kiste mit den Fotos mitgebracht. Es sind Fotos, wie sie bei solchen Festen entstehen. Fotos, bei denen man sich in ein paar Jahren die Geschichten von heute erzählt. Nach dem Fest am Sonnabend wird die Kiste nicht mehr reichen. 

Nach dem Fest ist vor dem Fest

Die Autobahn hat Börnersdorf und die Börnersdorfer verändert. Sie hat sie näher an die größeren Städte gebracht. Sie bringt aber auch Lärm. Wenn der Wind ungünstig steht, ist die dörfliche Idylle gestört. Manche hören ihn aber auch schon gar nicht mehr. "Wir haben den Vorteil der Autobahn, also  müssen wir auch den Nachteil in Kauf nehmen", sagt Maik Hippel. Er zog in den 1990er-Jahren nach Börnersdorf und ist damit die mittlere Generation. Helmut Friebel ist einer von den hier Geborenen und immer hier Gebliebenen. Seine ganzen 71 Jahre. Wegziehen war nie ein Thema. "Warum auch?"

Nach dem Konsumfest ist vor dem Glühweinfest. Dazu kommt die Konsumfestrunde dann wieder bei Hippels zusammen. "Wir sehen uns ja sonst nicht", sagt Maik Hippel. 

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