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Kamelienblütenschau mit Fragezeichen

Im Landschloss Zuschendorf wird die größte Ausstellung des Jahres vorbereitet – ob sie einer sehen darf, ist ungewiss. Die Eröffnung ist bereits verschoben.

Das gab es in Zuschendorf noch nie: Lichterhäuser aus dem Erzgebirge werden mit Kamelienblüten geschmückt.
Das gab es in Zuschendorf noch nie: Lichterhäuser aus dem Erzgebirge werden mit Kamelienblüten geschmückt. © Matthias Riedel

Matthias Riedels Hoffnung hat sich leider nicht erfüllt: Die Schneekönigin, mit Pferdeschlitten im Eingangsbereich des Landschlosses Zuschendorf unterwegs, blieb wegen der staatlichen Verbote im Zuge der Corona-Pandemie nun doch ungesehen. Wie die ganze Weihnachtsausstellung, die von Ende November bis Mitte Dezember öffnen sollte. Aber die Öffentlichkeit blieb trotz Verlängerung bis Ende Januar ausgesperrt. Besonders bitter: Wegen des hohen Aufwandes findet die um Schaubilder ergänzte Präsentation von Volkskunst und Kunst nur alle zwei Jahre statt.

Riedel aber, Geschäftsführer des Fördervereins und technischer Leiter der Botanischen Sammlungen, gibt die Hoffnung nicht auf. „Im Landschloss läuft bereits die Vorbereitung der diesjährigen Deutschen Kamelienblütenschau“, sagt er. Es wäre die achtzehnte, wenn sie denn stattfinden darf. Am 6. März sollte sie eröffnet werden, aber dieser Termin ist bereits wieder hinfällig. Angesichts des verlängerten Verbotes der Bundesregierung zur Öffnung der Museen, zu denen Zuschendorf gehört, die nach aktuellem Stand zunächst bis einschließlich 7. März andauert, haben Förderverein und Botanische Sammlungen die Eröffnung auf den 9. März verschoben.

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150.000 Euro weniger Einnahmen

Ob es tatsächlich dazu kommt bleibt indes ungewiss. Über die mögliche Öffnung der musealen Anlagen zu diesem Zeitpunkt müssen Bundes- und Landesregierung erst noch entscheiden. Riedel hat beim Freistaat wenigstens die Öffnung des Freilandes einschließlich der „gut durchlüfteten“ Gewächshäuser mit ihren rund 1.500 Quadratmetern Schaufläche bereits ab 1. März beantragt. Das Wissenschaftsministerium in Dresden lehnte ab – es sehe dafür derzeit keinen Spielraum. Unterdessen blühen die ersten Kamelien, wie die aus Japan stammende „Tricolor“.

Im vergangenen Jahr musste die Kamelienblütenschau, die gewöhnlich um die 30.000 Besucher sehen, wegen der Corona-Verordnungen bereits kurz nach der Eröffnung wieder schließen. Die Einnahmeverluste beziffert Riedel auf 100.000 Euro. Weitere 50.000 Euro gingen dem Verein im Winter verloren, weil die Weihnachtsschau keiner besuchen durfte.

Trotz aller staatlichen Finanzhilfen bleibt der Verein nach Riedels Schätzung auf einem Minus von 25.000 Euro im Haushaltsjahr 2020 sitzen. Geld, das unter anderem für den wegen der zunehmenden Trockenheit dringend notwendigen Bau von Regenwasserzisternen fehlt.

Lichterhäuser mit Kamelien

Teile der Weihnachtsschau, insbesondere seltene Leihgaben von erzgebirgischen Lichterhäusern, werden nun in die neue Kamelienblütenschau integriert, die unter dem Motto „Kamelien – die Blume des Winters läutet den Frühling ein“ steht. Im Salon, wo im November und Dezember die Märklin-Eisenbahn von Georg Brückner in einer Weihnachtslandschaft verkehrte, weichen die Schienen, Loks und Waggons einem Arrangement aus Kamelienblüten. Alles andere aber bleibt stehen – bis hin zur Seiffener Kirche, die einen solchen Frühling wohl auch noch nicht erlebt hat.

Die Schneekönigin indes macht auf dem Kutschbock Platz für einen Unhold mit Rauschebart und Geweih, der als Sohn der Hexe Baba-Jaga durchgehen könnte. Er hat mit dem Pferdeschlitten einen spektakulären Auftritt im Festsaal. Bleibt zu hoffen, dass er nicht nur hinter verschlossenen Türen mit seiner Keule drohen darf.

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