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Künstlerdorf Markersbach

Keiner spricht über den kleinen Ort im Osterzgebirge. Völlig zu unrecht, wie ein weiterer Kalender eines ehemaligen Einwohners beweist.

Marco Schröder mit seinen inzwischen acht Kalendern. Was als einmalige Freude begann, schreibt nun Markersbacher Geschichte.
Marco Schröder mit seinen inzwischen acht Kalendern. Was als einmalige Freude begann, schreibt nun Markersbacher Geschichte. © privat

Marco Schröder wohnt seit mehr als zehn Jahren nicht mehr in Markersbach und ist doch immer mit den Gedanken und nicht nur denen in seinem Heimatort. Was 2013 aus Anlass der 650-Jahrfeier Markersbachs für Familie und Freunde gedacht war, erlebt nunmehr seine achte Auflage: der Markersbacher Kalender.

Er ist mehr als die Folge von Tagen und Monaten. Er ist zu einem Geschichtsbuch für den kleinen Ort geworden. Statt nur Freunde und Familie zu erfreuen, verschickt Schröder inzwischen über hundert Exemplare in Orte in ganz  Deutschland. Und Schröder ist zwar der Macher, doch mehr und mehr ist der Kalender ein Projekt des ganzen  Dorfes. "Im Zuge meiner Recherchen ist im Laufe der Jahre ein sehr umfangreiches digitales und analoges Archiv von Hunderten Schrift- und vor allem Bilddokumenten entstanden", sagt Schröder. Es hat sich herumgesprochen, dass da jemand ist, der Geschichte bewahrt, weiterführt und lebendig macht. "Ein Umstand, von dem ich nie zu träumen gewagt hätte." Jedes Jahr fällt ihm wieder ein Thema für den Kalender des nächsten Jahres ein. Immer öfter bringen ihn die ihm anvertrauten Dokumente auf ein Thema. 

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Bunter und künstlerischer als sonst: Wer hätte in Markersbach so viele Künstler vermutet?
Bunter und künstlerischer als sonst: Wer hätte in Markersbach so viele Künstler vermutet? © privat

Der Kalender für 2021 stellt eine Besonderheit dar. Er ist farbiger als sonst gestaltet.  Maßgeblich dafür ist der Blick auf die bildende Kunst und ihre Verbindung zu Markersbach, sagt Schröder. "Ich konnte etliche Raritäten ausfindig machen, die nun fast durchweg erstmals veröffentlicht werden." Markersbach als Künstlerort, wer hätte das gedacht.

Zum Beispiel der der Malerin Emma Hertz. Sie wurde 1889 in Kiel geboren und kam 1944 bei einem Bombenangriff auf Berlin ums Leben. Zuvor verbrachte sie einige Zeit in Markersbach im Haus ihrer Schwester Maria und deren Mann Georg Damme. Hier entstanden etliche Gemälde und Aquarelle, von denen drei im Kalender gezeigt werden. 

Auch aus dem Werk ihres Schwagers Georg Damme (1896-1960) findet sich im Kalender ein Aquarell. Er war Lehrer an der Markersbacher Schule, befasst sich mit der Ortsgeschichte und war ein talentierter Hobbymaler. Ein weiterer Markersbacher Maler ist der Studienassessors Eduard Schubert. Er wurde 1905 geboren und schuf in seiner Freizeit Landschaftsbilder und Porträts seines Umfeldes. Er war der einzige Sohn der Familie und fiel 1944 in Albanien.

Die Geschichten hinter den Bildern

Das Oktoberblatt im 2021er-Kalender ist eine Besonderheit im besonderen Kalender. Es zeigt eine Skizzenstudie von Schröders Urgroßonkel Oskar Schröder. Der 1877 in Markersbach unehelich Geborene hatte schon frühzeitig ein ausgeprägtes künstlerisches Talent entwickelt. Auf Anraten seines Vaters musste er jedoch das Schmiedehandwerk erlernen. 1898 verließ er das Dorf seiner Vorfahren und starb 1919 nur 44-jährig an Lungentuberkulose. So sind es eben immer wieder nicht nur die Bilder, sondern auch die Geschichten dahinter, die einen Teil des Reizes des jeweiligen Kalenders ausmachen. 

Weitere Kalenderblätter der 2021er-Ausgabe widmen sich beispielsweise zweier Markersbacher Bauernfamilien und ihrer Höfe, dem Musikleben, der Naherholung oder dem Blick in den Nachbarort Hellendorf. Ein Kindheitsbildnis eines 2017 verstorbenen Markersbachers, das im Hintergrund auch den Blick auf den Ort freigibt, ist ebenfalls beinhaltet. Insgesamt hat Schröder über 50 Bilddokumente, teilweise über einhundert Jahre alt, im Kalender vereinigt, der so zu einem spannenden Stück Geschichte wird. Ein Kalender, der bei den Markersbachern, egal wo sie inzwischen leben, Erinnerungen weckt und bei den anderen Markersbach in einem im wahrsten Sinne des Wortes anderen Bild erscheinen lässt. 

Und es wird nicht der letzte Kalender sein

Schröder, der inzwischen 40 ist und in Göppingen lebt, verbindet bei der Kalenderarbeit Beruf und Leidenschaft. Als Gymnasiallehrer für Deutsch und Geschichte ist der Kalender gewissermaßen praktische Projektarbeit. Vielleicht kann er ja seine Schüler zu ähnlichem anregen. Die Anregungen zu dem jeweils nächsten Kalender bekommt Schröder von den Kalenderkäufern. Und so wird der für 2021 gewiss nicht der letzte sein. Die Grobplanung für den 2022er-Kalender steht schon, sagt er. 

Der Kalender für 2021 kann noch bis zum 31. Oktober unter der Email [email protected] bestellt werden. Er kostet wie immer 15 Euro plus Versand. 

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