merken
PLUS Pirna

Ländliches Flair im Schloss Struppen

Elisabeth Richter aus Seifersdorf zeigt neue Zeichnungen, die oft in ihrem Garten entstehen. Sie bevorzugt stille Motive, was alles andere als langweilig ist.

Elisabeth Richter in ihrer Ausstellung im Schloss Struppen mit der Zeichnung „Ferkel“, Graphit auf Leinwand, 2019.
Elisabeth Richter in ihrer Ausstellung im Schloss Struppen mit der Zeichnung „Ferkel“, Graphit auf Leinwand, 2019. © Thomas Morgenroth

Dem Ferkel geht es sauwohl. Dick und rund räkelt sich das halbwüchsige Schwein im Dreck und schaut entspannt zu Elisabeth Richter. Das Tier liegt der Künstlerin aus Seifersdorf bei Dippoldiswalde zu Füßen, es ist ihr Modell. Schlicht „Ferkel“ heißt die Zeichnung, die 2019 mit Graphit auf Leinwand entstand und in diesen Tagen ein bisschen bäuerliches Flair in den Festsaal des Schlosses Struppen bringt.

Elisabeth Richter zeigt dort auf Einladung des Schlossvereins unter dem Titel „Gartenblätter“ 35 Zeichnungen jüngeren Datums, keine Arbeit ist älter als vier Jahre. Das jüngste Blatt hat sie erst einen Tag vor der Eröffnung fertiggestellt. Es heißt „Kürbispflanze im Waldgarten“ und fand bereits einen Liebhaber. Es ist ein stilles Bild, mit einem Motiv, das kaum andere Künstler zum Stift oder Pinsel greifen ließe. Gerade da aber funkt es bei Elisabeth Richter.

Anzeige
Energisch zum Traumberuf
Energisch zum Traumberuf

Junge Menschen aufgepasst: Der ENSO-Ausbildungstag am 10. Oktober startet den eigenen Karrieremotor - jetzt auch digital!

Sie zeichnet Landschaften, oft enge Ausschnitte, die sie in ihrem eigenen Garten findet, im Osterzgebirge oder bei Arbeitsaufenthalten in Laubbach bei Ravensburg. Es sind unspektakuläre Ansichten mit einer geheimnisvollen Aura. Menschen kommen in den Zeichnungen kaum vor, höchstens als Staffage oder indirekt durch ihr Tun und ihre Habseligkeiten. So zeigt eine quer über die Wiese gespannte und volle Wäscheleine in Richters Garten eine Szene aus dem Alltag der fünfköpfigen Familie, ohne dass diese in persona auftritt. Die Banalität vertreibt die Künstlerin mit ihrem lebendigen Strich.

Die 49-Jährige, die in Seifersdorf aufgewachsen ist, erlernte zunächst den Beruf einer Melkerin, bevor sie sich an der Hochschule für bildende Künste in Dresden zum Studium der Malerei und Grafik einschrieb. Sie fand den Weg dahin über den Osterzgebirgischen Kunstverein in Dippoldiswalde, den sie als freischaffende Künstlerin seit 2013 nun selbst leitet. Bis 2005 war sie Meisterschülerin bei Max Uhlig und Elke Hopfe, zwei begnadeten Zeichnern.

Dabei malte sie anfangs auch mit Farbe. Nach einer längeren Krankheit aber, sagt sie, habe sie „kein Bild mehr zustande bekommen.“ Als sie 1998 mit der Klasse von Max Uhlig im Forstbotanischen Garten in Tharandt war und dort zur Übung zeichnete, kam das einer Initialzündung gleich. Ihr Diplom bestand dann auch aus Zeichnungen und Lithographien.

Elisabeth Richter hatte ihre bevorzugte Technik gefunden. Und ihr Sujet, die stillen Motive im Garten, in ihrem Haus oder anderswo. Sie zeichnet mit Bleistift, Kreide oder mit Wasser vermalbarem Graphitstift Kirschbäume, Haselsträucher und Topfpflanzen, aber auch einen Lagerfeuerplatz, einen Gartentisch oder Plastekrokodile in einem Planschbecken. „Die Motive müssen mich irgendwie berühren“, sagt sie. Das kann eine unscheinbare Gartenlaube an der Malter sein, die Ziegen des Nachbarn oder der weite Himmel im Allgäu.

Ihre künstlerische Handschrift findet sich zudem auf Adventskalendern, die erst am 6. Januar enden. Außerdem entsteht in der Werkstatt der Töpferin Grit Bormann in Reichstädt alltagstaugliche aber nicht alltägliche Keramik wie Teller und Tassen und neuerdings sogar Waschbecken. Diese könnte Elisabeth Richter auch mit ihrem treuherzigen Ferkel verzieren. Dann ist es vorbei mit dem Dreckschwein. Aber das ist es wohl ohnehin schon.

Bis 20.9. im Schloss Struppen, So.-Do. 12-17 Uhr.

Mehr Nachrichten aus Pirna lesen Sie hier.

Den täglichen kostenlosen Newsletter können Sie hier bestellen. 

Mehr zum Thema Pirna