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Robert-Sterl-Haus startet in die Saison

Das Museum in Naundorf öffnet ab Donnerstag – und hat mit Juliane Gatomski seit 1. Juni eine neue Leiterin.

Juliane Gatomski steht im Atelier des Sterl-Hauses vor dem Gemälde „Minenarbeiter“ von Constantin Meunier (links) und einem unvollendeten Selbstbildnis Robert Sterls.
Juliane Gatomski steht im Atelier des Sterl-Hauses vor dem Gemälde „Minenarbeiter“ von Constantin Meunier (links) und einem unvollendeten Selbstbildnis Robert Sterls. © Thomas Morgenroth

Der ältere Herr mit dem überlangen Schnauzbart, der an prominenter Stelle im Gang hängt, hat es ihr besonders angetan, ein gewisser Dr. Otto Posse. Der Archivar liegt gleichauf mit der Steinklopferin im Atelier. Juliane Gatomski, seit 1. Juni als Nachfolgerin von Inga Remmers Leiterin des Robert-Sterl-Hauses in Naundorf, hat ihre Favoriten unter den Bildern schnell ausgemacht. Die Gemälde, 1917 und 1907 entstanden, gehören zu den Höhepunkten des Museums – das Porträt bleibt in seiner Differenzierung und menschlichen Nähe von Sterl selbst unerreicht, und Frauen im Steinbruch malte er nie wieder.

Die Bilder kannte Juliane Gatomski schon von einem früheren Besuch in Naundorf. Damals war sie noch Studentin und machte ihren Master in Geschichte und Kunstgeschichte an der Technischen Universität in Dresden. Zuvor hatte sie an der Universität in Greifswald studiert und dort mit einem Bachelor abgeschlossen. In der Nähe der Hansestadt, in Altentreptow, ist sie aufgewachsen. Nach Dresden ist sie 2010 gekommen, als Praktikantin in der Galerie der Alten Meister der Staatlichen Kunstsammlungen. Weil sie die Stadt und ihre Kunstschätze mag, blieb sie in Sachsen und beendete hier ihr Studium.

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Juliane Gatomski war studentische Hilfskraft und wissenschaftliche Mitarbeiterin bei Forschungsprojekten und im Lehrbetrieb der TU Dresden. Zuletzt war sie freiberuflich tätig, unter anderem für die Alten Meister. Derzeit bereitet sie noch eine Sonderausstellung auf Schloss Rochsburg vor, dessen Direktor Andreas Quermann ist, der das Sterl-Haus von 2011 bis 2018 leitete – als Juliane Gatomski das erste Mal das Museum besuchte.

Erstmals Sterl und Meunier in einer Ausstellung

„Damals habe ich natürlich mit keiner Silbe daran gedacht, hier mal zu arbeiten“, sagt die 36-Jährige. Auch Quermann hat sie nicht getroffen. Nun aber schließen sich die Kreise. Juliane Gatomski ist von ihrer neuen Wirkungsstätte, einem der wenigen original erhaltenen Künstlerhäuser Deutschlands, begeistert. „Hier hat man das Gefühl, als würde der Künstler jeden Moment nach Hause kommen“, sagt sie.

Die Kunsthistorikerin sieht im Sterl-Haus, das vor 40 Jahren als Museum eröffnet wurde, ein großes Potenzial. Als Begegnungsstätte, als Partner für Schulen. „Und es ist auch ein Forschungsinstitut. Es gibt sehr viel Material, das darauf wartet, bearbeitet zu werden“, sagt sie und führt als Beispiel den großen Nachlass von Briefen an. Eines ihrer Ziele seien zudem mehr digitale Angebote, wie virtuelle Rundgänge.

Ab Donnerstag, einen Tag nach Sterls 154. Geburtstag, ist das Haus auch wieder direkt zu erleben. Mit fast zweimonatiger Verspätung beginnt endlich die Saison. Mit einem Paukenschlag: Erstmals werden Werke von Robert Sterl und des belgischen Bildhauers Constantin Meunier gemeinsam in einer Ausstellung gezeigt. Beide Künstler, die sich 1902 in Brüssel getroffen haben, hatten „Die Arbeiter im Blick“, wie die Schau heißt. Zu sehen sind bis Ende August Grafiken und Gemälde sowie Bronzen als Leihgaben aus Bochum und Dresden.

Weitere Veranstaltungen wurden zunächst abgesagt oder verschoben. Das traditionelle Gartenfest soll nun vielleicht im Juli stattfinden, sagt Juliane Gatomski. Im September ist für vier Tage in einer Ausstellung ein Zusammentreffen des Musikers Ernst von Schuch mit seinem Porträtisten Robert Sterl geplant. Das wird auch Herrn Posse freuen, der beide kannte.

Ab 24. Juni, Do. – So. 9.30 – 17 Uhr.

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