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Schöna: Krimi vor einzigartiger Kulisse

Einwohner und zwei Profis präsentieren Landschaftstheater im besten Sinne des Wortes. Das Publikum bekommt in vier Stunden mehr als ein Stück zu sehen.

Der Zirkelstein als Kulisse fürs Landschaftstheater in Schöna: Szene mit Gundolf, Berta, Götter und Heldinnen und Sebastian Lachnitt als Supermann.
Der Zirkelstein als Kulisse fürs Landschaftstheater in Schöna: Szene mit Gundolf, Berta, Götter und Heldinnen und Sebastian Lachnitt als Supermann. © Marko Förster

Wechselnde Kulissen gehören zum Theater. Doch solche Kulissen wie beim Landschaftstheater in und um Schöna hat kein anderes Theater zu bieten. Vor dem Zschirnstein, dem Zirkelstein, rund um die Kaiserkrone und die Felsen, Wälder und Felder der Sächsischen Schweiz wird professionell Laientheater gespielt. Zum achten Mal seit 2013 wird die Landschaft zur einzigartigen Bühne, auf der rasant, geheimnis- und humorvoll gespielt wird.

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„Der Herr der Augenringe und die Brille der Macht“ ist ein Krimi mit Musik, viel Humor und einer Botschaft. An acht Stationen wird die Geschichte der Brille erzählt. Mit allen Zutaten, die es braucht. Die Guten und die Bösen, ein bisschen Liebe und Gier, Verrat und Verführung. Der Ausgang scheint klar, wer glaubt schon, dass die Brillen, mit der man Gedanken lesen kann, oder die rosarote siegen. Doch die Geschichte von Arnd Heuwinkel, der auch Regie führt, wird überraschend erzählt.

Am Schluss gibt es Sätze wie den vom Kleinen Prinzen, dem nach man nur mit dem Herzen gut sieht, und eine wilde italienisch anmutende Jagd im Kreis, bei der jeder jeden zu jagen scheint. Man spürt das Finale, bei dem alle zusammenkommen. Der böse Herr Sauermann und der gierige Kuno werden gut, die Unheil bringende Brille wird ins Feuer geworfen, der tote Herr König ist nicht wirklich tot und es wird, wie es sein muss, alles gut.

Goldzähne und Schlüpfer

Arnd Heuwinkel schrieb das Stück und führte auch Regie.
Arnd Heuwinkel schrieb das Stück und führte auch Regie. © Marko Förster

Die Laien werden von den zwei Profis Claas Würfel (Meister Sauermann) und Thomas B. Franz (Kommissar Schimpanski) unterstützt. Es gibt viele, die ihnen ebenbürtig sind. Die "Pozilei"-Mannschaft sowie Conny Jubelt als Berta König und Tom Jäger als Kuno stechen hervor. Aber so ein Stück lebt von der Spielfreude jedes Einzelnen. Die Liebe zum Detail bei den Requisiten und in den Gesten und Worten sowie die vielfältigen Talente begeistern das Publikum.

Kunos Suche nach seinen Goldzähnen beim Aufhängen der Schlüpfer, Bertas gesungene Liebeserklärung an den Anwalt der Familie und die Choreografien der Pozilei sind Höhepunkte eines Spiels, das insgesamt keine Flachstellen kennt. Jeder Mitwirkende sprüht vor Spielfreude.

Überraschender Fuhrpark

Nicht zu vergessen die Fahrzeuge: ein rasanter Pozilei-Wagen und der Robur-Bus der buckligen Verwandtschaft um Kuno. Immer wieder sind es kleine Einfälle, die die Zuschauer lachen lassen. Sei es der hölzerne Franz-Jäger-Berlin-Tresor, aus dem es qualmt, der Tote, der mit der Sackkarre abtransportiert wird, oder Sätze wie: „Das Leben ist so kurz, und dann ist es zu Ende.“ Man bekommt eine vage Vorstellung von der Probenarbeit und dem Prozess, bis alles so leicht daherkommt.

Reinhardtsdorf-Schöna ist mit dem Sandsteinspiele-Verein und dem Landschaftstheater eines der besonders kulturvollen Dörfer. Nicht, weil hier Kultur importiert wird, sondern weil sie selbst gemacht wird. Ganze Familien spielen mit. Und im Hintergrund sind noch einmal genau so viele dabei. Die Requisiten müssen an den jeweiligen Spielort gebracht und dann wieder weggeräumt werden, die Technik muss funktionieren vom Ton der Einspieler bis zu den Fahrzeugen.

Klappstühle und Stufen

Thomas B. Franz als Kommissar Schimpanski mit der Brille und die bucklige Verwandtschaft.
Thomas B. Franz als Kommissar Schimpanski mit der Brille und die bucklige Verwandtschaft. © Marko Förster

Gohrisch ist auch so ein Kultur-Dorf, wenngleich die Konstellation ein bisschen anders ist. Hier sind es beim Schostakowitsch-Festival die großen Namen, die auf der Bühne stehen, doch die Gohrischer tragen das Festival. Nicht nur, weil die Idee zu ihm von ihnen kam. Nachdem das Musikfestival voriges Jahr bis auf online-Varianten ausfiel und es dieses Jahr außerhalb stattfindet, ist es Gohrisch und den Gohrischern zu wünschen, dass es nächstes Jahr zurückkommt. Die Gohrischer sind es, die es so unverwechselbar machen. Genau wie die Reinhardtsdorfer und Schönaer das Landschaftstheater.

Das Schönaer Publikum wird am Anfang beim Start auf dem Dorfplatz mit Klappstühlen ausgestattet und bekommt eine kleine Einweisung. Die Idee mit den vier Reihen, die immer wechseln, so dass jeder mal vorn und mal hinten sitzt, ist super. Wird so doch ein Durcheinander vermieden, auch wenn sich die Ordnung zum Ende zu etwas auflöst. Die Wege zwischen den Spielorten sind nicht lang, jedoch geht es auch mal rund 60 Stufen hoch und wieder runter.

Hoffen auf Aufstocken des Kartenkontingents

Für die vier Stunden ist man gut beraten, Verpflegung mitzunehmen. Die Pause ist dazu angetan, das Picknick auszupacken. Und anders als im „richtigen“ Theater, verschwinden die Kulissen weder in der Pause noch am Ende. Nach dem folgt noch ein kleiner Querfeldeinweg zurück. Besucher sollten auf jeden Fall gut zu Fuß sein.

Weniger Leute als sonst dürfen auch dieses Jahr bisher dem Spektakel folgen. Deshalb sind alle Aufführungen bereits ausverkauft. Die Theatermacher hoffen zwar auf eine Aufstockung der nächsten Vorstellungen, doch auch die Karten dürften dann schnell weg sein. Bleiben die Hoffnung und die Neugier auf nächstes Jahr.

https://www.sandsteinspiele.de/

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