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Tag der Kunst mit Rekordbeteiligung

Mehr als 100 Künstler zeigen am Wochenende in der Pirnaer Altstadt ihre Arbeiten. Im Pesthaus wird es international.

Hernando León (rechts), Christoph Hampel und Doris Schubert stehen im Pesthaus in Pirna, in dem am Wochenende im Rahmen des Tages der Kunst die internationale Ausstellung „Lebensräume“ zu sehen sein wird.
Hernando León (rechts), Christoph Hampel und Doris Schubert stehen im Pesthaus in Pirna, in dem am Wochenende im Rahmen des Tages der Kunst die internationale Ausstellung „Lebensräume“ zu sehen sein wird. © Thomas Morgenroth

Bitte gut festhalten: Der nackte rote Mann und die nackte grüne Frau reisen in der offenen Kabine eines Hubsteigers in der Schmiedestraße Pirna nach oben. In gut fünf Metern Höhe hängen Udo Hartmann und Johannes Mitteldorf von den Stadtwerken das lustige Paar an ein zwischen den Häusern gespanntes Stahlseil und schrauben es fest. Nun baumeln Adam und Eva im Wind – Sonne und Regen und Kälte ungeschützt ausgesetzt. Aber sie können miteinander kuscheln und keiner sieht es: Ein großes Badetuch sorgt dafür, dass die Szene jugendfrei bleibt.

„Nah und etwas ferner“ nennt Bernd Fenk sein Gemälde, das seit Dienstag Teil der Straßengalerie in Pirna ist. Unter dem Eindruck der Restriktionen im Zuge der Corona-Pandemie hatte die Organisatoren um Volker Lenkeit aus Wünschendorf das Thema „Nähe“ ausgerufen. 26 Künstler aus der Region folgten dem Aufruf. Bernd Fenk aus Dorf Wehlen, der im Juli 80 wird, beteiligt sich seit vielen Jahren an dem außergewöhnlichen Projekt, dessen Hängung alljährlich den Tag der Kunst in der Altstadt am Wochenende darauf einläutet.

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Einige neue Namen sind dabei, wie Antje Menzel aus Freital oder Cornelia Konheißer aus Radebeul. Viele aber machen immer wieder mit, wie Lenkeit selbst, Gregor Kunz aus Dresden oder Dirk Großer und Christopher H. Simpson aus Stadt Wehlen. Und natürlich Brigitta M. Arnold aus Dohna, die Vorsitzende des Kunstvereins Sächsische Schweiz, der Träger des Tages der Kunst und auch der Straßengalerie ist, gefördert von der Kulturstiftung Sachsen.

Hernando León mit neuem Projekt

Ja, und dann ist da noch Hernando León, der Erfinder dieser Aktionen. Zwanzig Jahre ist das her, als er noch in Pirna ein Atelierhaus hatte. Der chilenische Künstler, der in Dresden und Spanien lebt, schrieb „Wir werden uns wieder umarmen“ auf sein Bild in der Straßengalerie. Das wird er sicher mit vielen seiner Freunde tun, wenn sie dem überaus vitalen 87-Jährigen am Wochenende in Pirna begegnen.

Die meiste Zeit wird sich León wohl im und am Pesthaus aufhalten, dem Ort, an dem er die von ihm angeregte und kuratierte Ausstellung „Lebensräume“ zeigt. Sie ist ein Ergebnis der Corona-Krise. Im Januar 2020 initiierte León mit spanischen Kreativen ein Projekt über den traditionellen Karneval in Cádiz. Wegen der aufkommenden Pandemie flog er am 8. März zurück nach Dresden. Dort harrt er bis heute aus, „in schöpferischer Quarantäne“, wie er sagt.

Udo Hartmann (rechts) und Johannes Mitteldorf von den Stadtwerken Pirna hängen in der Schmiedestraße das Gemälde „Nah und etwas ferner“ von Bernd Fenk auf. Es gehört zur Straßengalerie mit insgesamt 26 Bildern.
Udo Hartmann (rechts) und Johannes Mitteldorf von den Stadtwerken Pirna hängen in der Schmiedestraße das Gemälde „Nah und etwas ferner“ von Bernd Fenk auf. Es gehört zur Straßengalerie mit insgesamt 26 Bildern. © Thomas Morgenroth

Künstler aus Lateinamerika

„Das Projekt Karneval hat sich hier um das Thema Umwelt, Wasser und Nachhaltigkeit erweitert“, sagt León. Und Corona. Im Laufe der Monate entstanden Arbeiten von Malern, Grafikern, Autoren und Poeten aus Chile, Mexiko, Peru, Spanien und Dresden, wie Angela Hampel und Leonore Adler. „Es ging um Stimmungen und Befindlichkeiten mit dem Ziel, sich gegenseitig zu ergänzen“, sagt León. Das Ergebnis wird nun im Pesthaus gezeigt, einem Ort, der mit seiner Geschichte den Bogen vom Mittelalter bis in die Gegenwart schlägt.

Der Pirnaer Maler Christoph Hampel ist einer der Organisatoren des Projekts und der Ausstellung, die nur zwei Tage lang in Pirna zu sehen ist. Wie auch alle anderen Ausstellungen, an der mehr als 100 Künstler beteiligt sind. „So viele wie noch nie“, freut sich Brigitta M. Arnold. Die Veranstalter hoffen auf schönes Wetter, damit viele Besucher kommen – und das nackte Paar in der Schmiedestraße nicht friert.

Tag der Kunst: Mehr als 100 Künstler zeigen am 3. und 4. Juli in der Altstadt ihre Arbeiten, auch das Stadtmuseum und der Skulpturensommer sind dabei, Sa. 11 – 19 und So. 11 – 18 Uhr; im Uniwerk gibt es am 3. Juli 17 Uhr eine Tanzperformance und 19.30 Uhr ein Jazzkonzert.

Sommertheater: Zum ersten Mal findet vom 1. bis 4. Juli im Zollhof ein Sommertheater statt.

Straßenkultur: Während des verkaufsoffenen Nachmittags treten am Sonnabend zwischen 14 und 18 Uhr verschiedene Künstler auf.

http://tag-der-kunst-pirna.de/

https://www.pirna.de/pirna-erleben/

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