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Corona: Letzter Vorhang für Theatermacher

Es war ein mutiges Vorhaben, das über Pirna hinaus viele Lorbeeren einheimste und Kindern und Jugendlichen mehr als Bühne bot. Nun ist Schluss.

Immer mittendrin: Initiatorin Barbara Hirsch und Theaterpädagoge Christian Schmidt mit einigen der Theatermacher nach einer Premiere im Jugendzentrum Hanno.
Immer mittendrin: Initiatorin Barbara Hirsch und Theaterpädagoge Christian Schmidt mit einigen der Theatermacher nach einer Premiere im Jugendzentrum Hanno. © Archiv: Arvid Müller

Sie lebten für die und auf der Bühne und hatten ganz große Auftritte: Jetzt treten sie ab, die Pirnaer Theatermacher. Zehn Jahre hat der Verein sich vor allem um Kinder und Jugendliche gekümmert, sie aufgefangen und ihnen damit eine Chance auf eine Zukunft gegeben. Die haben viele genutzt, nur der Verein selbst hat nun keine mehr.

Das Aus für das Ensemble hat mehrere Gründe. Corona hatte schon im Frühjahr Probleme bereitet. Die Einschränkungen betrafen auch die Treffen der Theatermacher.

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Doch es war nicht nur Corona. Es blieb schon vorher etwas der Nachwuchs aus. Jedenfalls der fürs Theaterspielen. Was bis zuletzt gefragt war, war das Tanzen. "Doch einfach so zu tanzen, passt nicht zum theaterpädagogischen Anspruch der Theatermacher", sagt Jana Böhmer, die die letzte Büroleiterin des Vereins war.

Prominente Gründer im Pirnaer Theater-Verein

Bei den Theatermachern wurden keine fertigen Stücke und keine Märchen gespielt, hier erarbeiteten sich die Akteure aus ihren eigenen Geschichten heraus ihre Stücke. Das war der Ansatz damals, 2010, als der Verein aus einem Projekt der Soroptimisten entstand. Zu den Gründungsmitgliedern gehörten neben dem vorherigen Pirnaer Oberbürgermeister und damaligen sächsischen Innenminister Markus Ulbig auch die Direktorin des Hygienemuseums Dresden. Ulbig war zudem Schirmherr.

Der Verein sollte zu einer festen kulturellen Komponente in Pirna werden und zu einem Ort, an dem sich Kinder frei entfalten können. Der Beifall war ihnen überall gewiss. Wohl der Höhepunkt war der Auftritt mit etwa 80 Kindern in der Otto Dix-Ausstellung im Dresdner Albertinum, einer ganz ungewöhnlichen Bühne, auf der sich die jungen Leute auf eine ebenso ungewöhnliche Art und Weise mit dem Thema Krieg auseinandersetzten.

Ihr Sommernachtstraum war ein Modellprojekt für Theaterarbeit. Jetzt ist der Traum der Theatermacher ausgeträumt.
Ihr Sommernachtstraum war ein Modellprojekt für Theaterarbeit. Jetzt ist der Traum der Theatermacher ausgeträumt. © Archiv: Marko Förster

Viele Jahre ging die Karriere der Theatermacher steil nach oben. Der Verein eröffnete eine Gruppe nach der anderen, hatte viele Auftritte, ging mit Projekten über Pirna hinaus an Schulen in Heidenau und Königstein und heimste Preise ein. Beim Verein des Jahres, beim Deutschen Engagementpreis oder eben bei einer Ausschreibung von Verbundnetz der Wärme - überall gehörten sie den Preisträgern. Theatergründerin Barbara Hirsch hatte 2015 auch den Katharina-von-Bora-Preis erhalten. Der war immerhin mit 3.000 Euro verbunden, die natürlich auch in den Verein flossen. Barbara Hirsch war die Initiatorin, lange Zeit die Chefin und auch als sie das nicht mehr war, immer noch diejenige, die man in der Öffentlichkeit mit den Theatermachern in Verbindung brachte - und wird. Sie und die regen Vereinsmitglieder organisierten immer wieder Geld für die Arbeit heran.

Erst Geld aus der Schweiz, dann Rückzug

Doch auch das änderte sich. Theaterpädagogik steht aktuell bei den Förderungen nicht gerade weit oben, sagt Jana Böhmer. Die Theatermacher hatten lange viel Glück mit großzügigen finanziellen Unterstützungen. Die Schweizer Drosos-Förderung endete vor einem Jahr und wurde noch einmal drei Monate verlängert. Eine neue Stiftung hätte zwar drei Jahre gezahlt. Doch der Start wäre im unsicheren Corona-April 2020 gewesen, sagt Jana Böhmer. Statt des Geldes gab es einen Rückzug. Die Aktion Mensch hingegen drängte die Theatermacher, weiterzumachen. "Auch deshalb haben wir uns mit unserer Entscheidung schwer getan", sagt Jana Böhmer.

Der Kunst gehen die Künstler verloren

Die letzte Hoffnung war, dass die Pädagogen, die die Gruppen leiteten, in die Bresche springen. Doch auch die sprangen nach und nach ab. Nicht, weil sie die Theatermacher nicht mehr unterstützen konnten, sondern weil sie als Künstler nicht mehr überleben konnten. Die fehlenden Auftritte und Betätigungsmöglichkeiten trieben sie in andere Berufe und Tätigkeiten, so dass sie nicht nur der Kunst, sondern auch den Theatermachern verloren gingen.

So kamen mehrere Entwicklungen zusammen, die schließlich dazu führten, dass der Verein seine Auflösung beschloss. Die Unsicherheit, wann wieder Normalität und Planbarkeit eintritt, gab schließlich den Ausschlag zum finalen Schritt. "Wir konnten viele wunderbare Dinge bewegen, vielen Kindern und Jugendlichen Halt und kulturellen Teilhabe geben", sagt Barbara Hirsch. "Vielleicht entsteht unter günstigeren Bedingungen wieder etwas Neues."

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