merken
Pirna

Warum die Gemeinde Graupa an Margot Honecker schrieb

Der Ort blickt auf eine 200 Jahre alte und bewegte Schulgeschichte zurück. Darüber gibt es jetzt eine Ausstellung.

In Graupa eröffnet am 18. September eine Schulausstellung.
In Graupa eröffnet am 18. September eine Schulausstellung. © privat

Wer Graupa sagt, sagt Richard Wagner. Schließlich hat der Komponist hier seinen Lohengrin geschrieben. Aber das Dorf bietet noch mehr. Interessant ist auch die Schulgeschichte, die vor 200 Jahren begann.

Am 16.September 1821 wurde das erste Schulzimmer in der Ortschaft Graupa eingeweiht. Nach dem vorher die Lehrer die Kinder zu Hause in verschiedenen Bauernhöfen unterrichteten, bekamen die Kinder aus Groß-, Klein- und Neugraupa nun im Haus Nr. 26 in Großgraupa ein gemeinsames Klassenzimmer. "Es befand sich in einem Bauerngut. Der Eigentümer erhielt von der Gemeinde für die Bereitstellung eine Miete", sagt Graupas Ortsvorsteher Gernot Heerde. Das Gebäude stand an der heutigen Buswendestelle Tschaikowskiplatz, wurde jedoch 1933 abgerissen.

Jubel
Zwei echt starke Jubiläen
Zwei echt starke Jubiläen

Die gedruckte Sächsische Zeitung wird 75 Jahre alt. Digital gibt es uns seit 25 Jahren. Beide Jubiläen wollen wir feiern - und Sie können dabei gewinnen.

Kinder aus Vorderjessen werden in Graupa unterrichtet

Das Dorf wuchs und schnell wurde das Klassenzimmer zu klein. 1859 errichteten Fachleute eine neue Schule in Graupa auf dem Grundstück Lohengrinstraße 1. "Es war die erste richtige Schule in Graupa", so Heerde. Infolgedessen lernten hier nicht nur die Graupaer Kinder Lesen und Schreiben, sondern auch die Mädchen und Jungen aus Vorderjessen. Wieder wurde die Schule zu klein.

Bomben beschädigen Schulhaus

So baute man 1894 auf dem Nachbargrundstück, der Lohengrinstraße 2, ein neues Gebäude mit vier Klassenzimmern und zwei Lehrerwohnungen in der oberen Etage. Am 2. März 1945 fiel eine Bombe auf die Schule. Damals befanden sich Flüchtlinge aus Dresden in dem Haus. Zwei Tote waren zu beklagen. Das Haus selber wurde stark beschädigt.

Nach Kriegsende musste man improvisieren. Die Graupaer Kinder wurden in einer Baracke und in verschiedenen Gasthöfen sowie im Jagdschloss unterrichtet. Keine Dauerlösung. "Dann begann der Kampf um eine Schule in Graupa", blickt der Ortschef zurück. Mit Erfolg! 1949 wurde die vierte Graupaer Schule an der Badstraße gebaut. "Es war die erste Schule in Sachsen, die die DDR nach Kriegsende errichtet hatte", sagt Heerde. Allerdings war das Unternehmen nicht so richtig vom Erfolg gekrönt. Denn das Gebäude wies starke Baumängel auf, sodass die geplante 2. Hälfte nicht realisiert wurde. Stattdessen setzte man das zerbombte Haus an der Lohengrinstraße wieder instand. Doch auch diese Räumlichkeiten erwiesen sich bald als zu klein. Was machte die Gemeinde? Sie schrieb einen Brief an Margot Honecker, um auf die Misere hinzuweisen.

Die Ministerin für Volksbildung der DDR hatte ein Einsehen: 1971 entstand die heutige Schule an der Badstraße. Acht Jahre später wurde im hinteren Areal die Schulsternwarte errichtet, woran sich zahlreiche Eltern und Graupaer Unternehmen beteiligten. 2003 kam die moderne Turnhalle dazu und 2010 der Sportplatz. Heute ist die Grundschule Graupa zweizügig.

  • Anlässlich 200 Jahre Schulgeschichte Graupa findet am Donnerstag, dem 16. September, im Saal des Jagdschlosses Graupa um 18 Uhr ein Diavortrag mit Heimatforscher Gerd Reinhard statt. Neben zahlreichen Ehrengästen sind alle Interessenten herzlich eingeladen.
  • Gleichzeitig gibt der Verein ProGraupa eine 130 Seiten starke Broschüre über die 200 Jahre Schulgeschichte Graupas heraus. Hier findet man neben den kommunalen Schulen auch Berichte über die frühere Landeshaushaltungsschule Graupa und die Heilpädagogische Schule Bonnewitz.
  • Darüber hinaus öffnet am 18. September eine kleine historische Schulausstellung in einem ehemaligen Klassenzimmer im alten Kindergarten, Lohengrinstraße 2.
  • Die Vernissage findet am Sonnabend, dem 18. September, um 13 Uhr statt. Geöffnet hat die Ausstellung immer sonnabends von 13 bis 17 Uhr und sonntags 10 bis 14 Uhr bis vorerst zum 5. Dezember.
  • Der Besuch der Ausstellung ist kostenlos. Klassen und andere Gruppen können Termine außerhalb der Öffnungszeiten vereinbaren.

Mehr zum Thema Pirna