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Weesensteiner Mittelalterfest fällt erneut aus

Die Dippoldiswalderin Paula Herold will künftig Dohna in das Geschehen einbinden – und startet einen Versuch.

Paula Herold als Elisabeth von Bünau beim Mittelalterfest 2019. An ihrer Seite Michael Jakob als Ritter de Fisch.
Paula Herold als Elisabeth von Bünau beim Mittelalterfest 2019. An ihrer Seite Michael Jakob als Ritter de Fisch. © Thomas Morgenroth

Es war wie ein Menetekel: Tod und Teufel gehörten zum Gefolge von Paula Herold, als diese am Pfingstsonnabend vor zwei Jahren durch die Alleen unterhalb des Schlosses Weesenstein zur Festwiese schritt. Als Elisabeth von Bünau, geborene Starrschädel, eröffnete die künstlerische Leiterin das 28. Mittelalterfest, nicht ahnend, dass es dieses in den nächsten zwei Jahren nicht geben wird. Dantes „Göttliche Komödie“, die Sachsens König Johann auf dem Weesenstein ins Deutsche übersetzte, war das Thema, es passte zu dem, was ein halbes Jahr später in China passierte und bis heute die ganze Welt in Atem hält.

„Wir sind nun im zweiten Jahr ohne künstlerische Aufträge“, sagt Paula Herold, die mit ihrer Bertholdin Produktion historische Spektakel und Feste ausrichtet. Dazu gehören neben dem Mittelalterfest Silvesterveranstaltungen oder auch der Lions-Ball in den Dippser Parksälen. Zudem wird die Dippoldiswalderin für die inhaltliche Gestaltung von Jubiläumsfeierlichkeiten gebucht, die freilich wegen der staatlichen Restriktionen reihenweise abgesagt wurden und noch immer werden.

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Darunter sind im Vorjahr die 500. und jetzt die 501. Auflage der Annaberger Kät, des größten Volksfestes des Erzgebirges, die 800-Jahr-Feier der Stadt Löbau Anfang Juni und auch bereits das Fest zum 100. Geburtstag der Stadt Freital, das Paula Herold Anfang Oktober im Stil der Zwanzigerjahre gestalten wollte. Vielleicht wird es einen kleinen Ersatz geben, mit Paula Herold und ihrer Tochter Freyja auf dem Platz des Handwerks oder im Hof des Schlosses Burgk. In der Spielbühne Freital sei ebenfalls ein Projekt geplant, sagt Paula Herold, angeregt durch den 17-jährigen Konrad Röhringer, einen ihrer Schüler, den sie im Fach Kunst in der 10. Klasse der Semper-Schulen in Dresden unterrichtet.

Vor vier Jahren ist die Dippserin nach 26 Jahren Selbstständigkeit in ihren alten Beruf zurückgekehrt, an zwei Tagen in der Woche. Ursprünglich nur, wie sie sagt, um ihre Doktorarbeit abzuschließen. Daraus ist mittlerweile wieder eine Leidenschaft geworden, die Paula Herold nach traumatischen Erfahrungen an der Freitaler Waldblickschule am Ende der DDR komplett verloren hatte. „Ich hätte nicht gedacht, dass ich so gerne Lehrer bin.“

Pilotprojekt Anfang Juli

Die Festanstellung hilft der 57-Jährigen nun, einen Teil des Lebensunterhalts für die Familie zu bestreiten. Ihr Mann Piers Ford und ihre Tochter Freyja indes, beide freischaffend als Musiker und Darstellerin, halten auf 450-Euro-Basis Nachtwachen in einem Impfzentrum. „Ich verstehe, dass große Veranstaltungen derzeit nicht stattfinden können“, sagt Paula Herold. „Das ist vernünftig.“ In ihrem Freundes- und Bekanntenkreis habe es einige Fälle von Erkrankungen mit Covid-19 gegeben und mittlerweile auch einen Todesfall.

Paula Herold hofft auf ein baldiges Ende der Pandemie und der damit verbundenen Einschränkungen. Sie hat ein Datum im Blick: Den 3. Juli, einen Sonnabend, an dem sie ein Pilotprojekt starten will, alternativ am 10. Oktober, sollte der erste Termin wegen der Einschränkungen nicht möglich sein. Beteiligt sind vor allem das Schloss Weesenstein, die Braukommune sowie das Heimatmuseum Dohna und der Verein Domus Donin, in dem auch die neue Museumsleiterin Kathrin Penndorf Mitglied ist. Paula Herolds Idee ist es, die Weesensteiner Veranstaltung „Lebendiges Schloss“ als Zeitreise aufzuwerten, mit Musik und Gaukeleien in Höfen und Sälen, und diese mit Angeboten in der Burgstadt zu einem gemeinsamen Fest zu verbinden.

Gelingt die Premiere, könnte das eine Perspektive für das Mittelalterfest sein, das unter Platzmangel leidet, auch wegen Einschränkungen zum Schutz des Schlossparkes. So dürfen zum Beispiel unter den Baumkronen keine Stände aufgebaut werden, um die Wurzeln zu schonen.

Ritterlager auf der Streuobstwiese

„Warum also dem Fest nicht einen größeren Rahmen geben?“, fragt Paula Herold. Ihre Vision: Auf dem Marktplatz in Dohna veranstalten Händler und Kunsthandwerker einen turbulenten Markt, und auf der gegenüberliegenden Streuobstwiese entfaltet sich ein Teil des beliebten Ritterlagers des Weesensteiner Parks. Weesenstein hingegen würde sich dann den Künsten und Kulturen der Bünaus widmen.

„Dazwischen liegt ein herrlicher erschlossener Wanderweg oder eine Zugreise oder eine Fahrradtour“, sagt Paula Herold. Parkplätze für Autos, seit jeher ein Problem beim Mittelalterfest, könnten dann auch an ganz anderen Orten möglich werden. Ein Pendeln mit einer gemeinsamen Eintrittskarte für Weesenstein und Dohna soll den Genuss eines Besuchs verlängern – und mehr Gäste als bisher anlocken.

„Es ist ein Schritt nach vorn“, sagt Paula Herold, die hofft, mit neuen Ideen die Tradition des Mittelalterfestes retten zu können. Vielleicht schreitet sie dann im nächsten Jahr nach zwei Jahren Zwangspause wieder als eine der Bünaus oder Donins durch den Weesensteiner Park. Aber bitte ohne Tod und Teufel. Noch so eine Krise wird die Kultur nicht überstehen.

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