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Zwei Charaktere mit Jazz, Blues und Soul

Sängerin Constanze Friend vor ihrem Pirnaer Auftritt über die Corona-Zeit und warum es im neuen Album mit Thomas Fellow auch um Menschenkenntnis geht.

Constanze Friend (Gesang) und Thomas Fellow (Gitarre) bieten eine Mischung aus Jazz, Blues und Soul. Am 13. September im Pirnaer Tom-Pauls-Theater.
Constanze Friend (Gesang) und Thomas Fellow (Gitarre) bieten eine Mischung aus Jazz, Blues und Soul. Am 13. September im Pirnaer Tom-Pauls-Theater. © Ulrike Mönnig

Friend n Fellow aus Weimar wollten dieses Jahr viele Konzerte geben, um ihr neues Album ‚Characters‘ gemeinsam mit den Fans zu feiern. Doch die Corona-Pandemie machte einen Strich daraus und schickte das Liedermacher-Duo aus Weimar über Monate zurück ins Home-Office.

Da jetzt aber auch im Kulturbetrieb langsam wieder etwas Leben einkehrt, lassen sich Constanze Friend und Thomas Fellow nicht lange bitten, um zurück auf die Bühne zu kommen. Ihr mittlerweile 12. Studioalbum ist ein anspruchsvolles Konzeptwerk im Spannungsfeld von Jazz, Soul und Blues, das die Höhen und Tiefen des menschlichen Charakters durchleuchtet. Darauf dürfen sich jetzt auch die Fans in Pirna freuen, wenn Friend n Fellow am Sonntag, 13. September, ab 18 Uhr in Tom-Pauls-Theater gastieren. Zuvor gab Sängerin Constanze Friend der SZ ein Interview.

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Frau Friend, wo waren Sie, als die Corona-Pandemie ihren Lauf nahm?
Ich war in ständigem Telefonkontakt mit Veranstaltern, um zu erfahren, ob die Konzerte noch stattfinden. Für das letzte noch verbliebene Konzert hatte ich schon meinen Koffer gepackt und der Techniker war auf dem Weg, um mich abzuholen, als auch dieses Konzert abgesagt wurde.

Wie bewerten Sie die finanziellen Hilfen vom Staat für Kulturschaffende?
Grundsätzlich ist es sehr gut, dass es diese Hilfen gibt und gerade die Freiberufler dadurch unterstützt werden. Allerdings wird der Verwendungszweck der Hilfen in den Bundesländern unterschiedlich gehandhabt. Wenn diese Hilfe nur für Betriebsausgaben verwendet werden darf, dann ist das natürlich unrealistisch. Den meisten selbstständigen Musikern sind die Konzertauftritte weggefallen, sie müssen aber weiterhin ihre Mieten, ihr Essen etc. bezahlen. Die Hilfe sollte ein Ersatz für die ausgefallenen Konzerte sein, damit man seinen Lebensunterhalt weiterhin decken kann.

Wie haben Sie sich auf die veränderte Situation eingestellt?
Ich schwanke zwischen Hoffnung und Unruhe, aber auch einer gewissen Gelassenheit. Wir haben vor der Corona-Pause auf der Bühne gestanden und dem Publikum von den Charakteren in unseren Songs erzählt, dass die Menschen unterschiedlicher nicht sein könnten, sie aber alle trotzdem miteinander verbunden sind und jeder zum Anderen gehört. Jetzt bin ich ein wenig überrascht und auch froh, wie sich das in der jetzigen Zeit bewahrheitet.

Apropos ‚Characters‘: Welche Geschichte steckt hinter dem Titel Ihres neuen Albums?
Als uns bewusst wurde, dass es sich auf unserem neuen Album um zwölf Figuren handelt, haben wir nach einem passenden Songtitel gesucht. Da die Figuren charakterlich nicht unterschiedlicher sein könnten, fanden wir ‚Characters‘ sehr passend.

Ist ‚Characters‘ also ein Konzeptalbum?
‚Characters‘ ist letztendlich zu einem Konzeptalbum geworden, war aber vorab nie so geplant. Als ersten Song für dieses Album habe ich ‚Sister‘ geschrieben. Darauf folgte dann der Song ‚Child‘, in dem es um Kindheitserinnerungen und das Erwachsenwerden geht. Das Kind sieht da in den Spiegel und erblickt eine Frau. Erst in diesem Moment kam mir die Idee, dass diese Frau auch die Schwester aus dem Song ‚Sister‘ sein könnte.

Und wie ging es dann weiter?
Aus den beiden ersten Songs hat sich der Gedanke entwickelt, mit diesem Experiment fortzufahren, etwas Gemeinsames zwischen den Songs zu kreieren und alle folgenden Charaktere miteinander zu verbinden, indem jeder Charakter in einem der elf anderen Songs wieder auftaucht und dadurch auch Teil von dessen Geschichte wird.

Welche Erfahrung haben Sie in der künstlerischen Auseinandersetzung mit so einem komplexen Thema wie dem menschlichen Charakater gemacht?
Ich glaube nicht, dass man den menschlichen Charakter genau durchleuchten kann bzw. je erkennt. Das meinen wir zwar oft, aber im Grunde bleibt doch vieles im Verborgenen oder ein Geheimnis. Wir beurteilen Menschen rein äußerlich, obwohl wir kein einziges Wort mit ihnen gewechselt haben. Um so verblüffender ist es manchmal, dass man seine festgefahrene Meinung über jemanden revidieren muss oder völlig überrascht bemerkt, dass man doch viel mehr verbindende Ansichten hat, als vorher gedacht.

Hätten Sie je gedacht, dass ihre musikalische Partnerschaft so lange halten würde?
Ich glaube nicht, dass wir uns 1991 überhaupt Gedanken darüber gemacht haben. Wir hatten uns glücklicherweise in Weimar gefunden und bemerkt, dass wir eine ähnliche seelisch-musikalische Schwingung spüren. Das haben wir all die Jahre bewahren können und natürlich sehr schätzen gelernt, denn das ist keine Selbstverständlichkeit und nicht jedem gegeben. Insofern ist das im Rückblick wirklich ein Geschenk, das man so lange wie möglich bewahren sollte.Jetzt sind Sie mit dem neuen Album endlich wieder unterwegs. 

Was darf man von Ihnen auf der Bühne erwarten?
Wir werden einen großen Teil unserer Songs vom ‚Characters‘-Album spielen sowie auch den ein oder anderen neuen Cover-Song. Wir werden viel improvisieren, Geschichten erzählen und uns freuen, wenn das Publikum uns zuhört und nach dem Konzert beseelt nach Hause geht.

Das Gespräch führte Thorsten Hengst

Hier gibt es Karten für Friend n Fellow

Es ist ein Garant für Kultur und Unterhaltung in der Stadt und sorgt regelmäßig für lange Schlangen in Pirnas Innenstadt. Das Tom-Pauls-Theater ist eine feste Institution in der Kulturlandschaft der Sächsischen Schweiz. 

Auch in einem für die Kulturschaffenden schweren Jahr bietet es in den Monaten November und Dezember jede Menge Veranstaltungen. Karten für den „Sächsischen Klassiker“ oder das „Zwinger Trio“ können auch in den SZ-Treffpunkten gekauft werden - ebenso wie für zahlreiche andere Veranstaltungen im Tom-Pauls-Theater wie den Auftritt des Weimarer Duos Friend n Fellow am Sonntag, 13. September. (SZ)

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