SZ + Pirna
Merken

Corona: "Wie ein Musiker, der keinen Applaus bekommt"

Künstler sind von der Pandemie und den Einschränkungen hart betroffen. Sächsische.de sprach darüber mit der Malerin Brigitta Maria Arnold aus Dohna.

Von Mareike Huisinga
 4 Min.
Teilen
Folgen
Brigitta Maria Arnold präsentiert Bilder in der Galerie Vielfalt in Pirna.
Brigitta Maria Arnold präsentiert Bilder in der Galerie Vielfalt in Pirna. © Daniel Schäfer

Vierte Welle und das Coronajahr zwei. Es gelten zahlreiche Einschränkungen. Diese betreffen nicht nur Gastronomen und Unternehmer, sondern auch Künstler. Brigitta Maria Arnold ist Vorsitzende des Kunstvereins Sächsische Schweiz. Der Verein zählt derzeit 34 Mitglieder, die in unterschiedlichen Kunstbranchen tätig sind. Die Dohnaerin selber hat sich auf Malerei spezialisiert. Zusammen mit Sächsische.de blickt sie auf das zurückliegende Jahr.

Frau Arnold, wie lief das vergangene Jahr unter Corona für Sie als Künstlerin?

Für mich speziell war es, Gott sei Dank, gar nicht so dramatisch. Glücklicherweise. Auf jeden Fall verlief das Jahr ruhiger, weil zahlreiche Malkurse, die ich anbiete, ausfallen mussten. Das betrifft Kurse, die ich privat in meinem Atelier in Dohna gebe, aber auch Malkurse an der Volkshochschule. Allerdings hatte ich dadurch auch mehr Zeit und bin selber mehr zum Malen gekommen. Außerdem stelle ich fest, dass viele Menschen im Lockdown zu Hause auf ihre leeren Wände, im Wohnzimmer starren und ganz offensichtlich wohl finden, da fehle ein Bild. So kamen zahlreiche Kunden zu mir, entweder um ein Bild in Auftrag zu geben oder um sich ein Gemälde aus meinem Fundus auszusuchen und zu kaufen. Außerdem habe ich ein weiteres finanzielles Standbein. Ich bemale im Auftrag der Sachsen Energie AG Zweckgebäude wie Umspannstationen oder Wärmepumpenhäuser. Dieser Auftraggeber unterstützt seinen Künstlerstamm sehr in diesen schwierigen Zeiten.

Und bei den Kollegen und Künstlerfreunden?

Einige hat es hart getroffen. Ich möchte etwas ausholen. Im Jahr 2020 habe ich, gemeinsam mit weiteren Künstlern, die Galerie Vielfalt in der Pirnaer Innenstadt eröffnet. Dadurch stehe ich mit den Kollegen noch intensiver in Kontakt. Die Künstler sind unterschiedlich von der Corona-Krise betroffen. Besonders schwierig ist die Lage für die Schaffenden im Kunstgewerbe. Ihnen sind die Märkte, unter anderem Kunsthandwerkermärkte, weggebrochen. Zwar kommen vereinzelt Kunden in die Werkstätten, das ist aber nicht mit dem Umsatz auf einem größeren öffentlichen Markt vergleichbar. Deshalb sind wir froh, dass wir die Galerie Vielfalt eröffnet haben, was einige der Umsatzeinbrüche abfedert. Aktuell ist die Galerie geöffnet, es gilt die 2G-Regel.Ich möchte betonen, dass wir uns sehr über unsere treuen Kunden freuen.

Ich hatte jetzt die finanzielle Seite angesprochen, aber es gibt einen weiteren Aspekt. Was macht eine Isolation mit einem Künstler?

Richtig. Denn es fehlt der Austausch untereinander. Wir können uns nicht mehr so oft und häufig treffen wie vor der Corona-Zeit. So fehlen gegenseitige Anregungen und Hinweise, die für Künstler sehr wichtig sind. Das wird zwar kompensiert durch Kontakte über die sozialen Medien, ersetzt aber nicht ein Treffen in größerer Runde. Ich selber reise gerne und bekomme somit Inspirationen, die ich gerne künstlerisch umsetzte. In diesen Zeiten kann ich kaum noch verreisen. Und außerdem fehlt auch der Austausch zwischen Künstler und Publikum, der ebenfalls sehr anregend sein kann.

Was meinen Sie konkret?

Seit Oktober 2021 hängt im Klinikum Pirna auf dem Sonnenstein eine Ausstellung mit über 200 Bildern, die wir vom Kunstverein organisiert haben. Diese Bilder werden lediglich von den Patienten und dem Personal angeschaut. Was das mit einem Künstler macht? Stellen Sie sich einen Musiker vor, der keinen Applaus erhält. Das trifft und es entsteht eine Leere. Die Künstler wollen den Austausch untereinander aber auch mit dem Publikum. Corona zum Trotz konnten wir im Sommer 2021 den Tag der Kunst in Pirna organisieren. Die Einladungen hatten wir im Frühjahr verschickt und die Resonanz darauf war enorm, wir hatten in kurzer Zeit über 100 Anmeldungen. Die Künstler wollen ihre Werke präsentieren und darüber ins Gespräch kommen.

Reichen die finanziellen Kompensationen für freischaffende Künstler aus?

Das kann ich nicht sagen, ich selber habe keine beantragt. Einige Kollegen schon. Ich kenne aber auch Künstlerfreunde, die sich einen weiteren Nebenjob gesucht haben, um die Miete zahlen zu können.

Das war der Rückblick und jetzt der Blick nach vorne. Welche Pläne hat der Kunstverein Sächsische Schweiz für das Jahr 2022?

Auf jeden Fall wollen wir wieder den Tag der Kunst in Pirna gestalten. Einmal mehr, da 2022 das Canaletto-Jahr ist, der vor 300 Jahren geboren wurde. Dazu sind wir bereits im Gespräch mit der Kultur- und Tourismusgesellschaft Pirna. Ich hoffe auch, dass wir wieder ein Plein-Air, also ein Malen im Freien in der Sächsischen Schweiz durchführen können.

Und Ihre persönlichen Pläne?

Ich persönlich habe mir abgewöhnt, Pläne zu schmieden. Grundsätzlich bin ich froh, dass ich ein festes Fundament habe und das ist mein Glaube an Gott. So gehe ich mit Zuversicht in die Zukunft.