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Ärger unterm Riesenrad

Der Lugturm wird immer mehr zum Ausflugsziel. Weil sich nicht alle Gäste an die Regeln halten und es den Anwohnern zu viel wird, fordern sie Veränderungen.

Das Riesenrad am Lugturm ist weithin sichtbar und lädt viele Besucher ein. Den Anwohnern sind es zu viele.
Das Riesenrad am Lugturm ist weithin sichtbar und lädt viele Besucher ein. Den Anwohnern sind es zu viele. © Daniel Schäfer

Der Lugturm ist eine Idylle. Das sagen auch die Anwohner. Die, die schon lange hier wohnen und die, die in den vergangenen Jahren hierher zogen. Die Idylle war lange Jahre verschüttet, zugewachsen. Keiner kam auf den Lugturm. Die Anwohner hatten ihre Ruhe. Als Jens Genschmar vor drei Jahren begann, das Areal freizulegen, freuten sich die meisten. Das hat sich jetzt geändert. Und damit ist es mit der Ruhe und Idylle für die Anwohner vorbei. Deshalb haben sie sich jetzt mit Genschmar und Bürgermeister Jürgen Opitz (CDU) vor Ort getroffen. 

Die Autos

Die Autos sind das Hauptproblem. Zu viele, zu schnell, zu chaotisch parkend. Ein  Anwohner hat an einem Sonntag über 2.000 Autos auf der Lugturmstraße gezählt. Die parken an allen mehr unmöglichen als möglichen Stellen, auch auf privaten Flächen und das bis nach Bosewitz. Obstbauern kommen mit ihren Fahrzeugen kaum durch, auch für Rettungsfahrzeuge würde es im Notfall eng. Das städtische Ordnungsamt käme nicht kontrollieren, die Polizei schreite nicht ein. Das kritisiert auch Genschmar. Er hat zwar Schilder aufgestellt, die auf den Parkplatz neben dem Riesenrad und die Regeln hinweisen, doch die werden offenbar kaum beachtet. 

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Ein Schild ohne Wirkung: Viele Lugturm-Besucher beachten diesen Hinweis nicht.
Ein Schild ohne Wirkung: Viele Lugturm-Besucher beachten diesen Hinweis nicht. © Daniel Schäfer

Außerdem verweist er immer wieder darauf, dass Gäste zu Fuß oder mit dem Fahrrad kommen sollen. Die Krux: "Wer ist zuständig dafür, wenn sich Leute nicht an Regeln halten", sagt Opitz. Auf privaten Flächen könne die Stadt keine Knöllchen verteilen. Stadt und Genschmar wollen sich über die bessere Ausschilderung der Parkmöglichkeiten und -verbote sowie Alternativen verständigen. 

Die Veranstaltungen

Aus Bier und Bockwurst für die Wanderer ist fast jedes Wochenende ein  Volksfest geworden, sagen die Anwohner. Mit unschönen Folgen, wie zum Beispiel dem Urinieren auf ihre Grundstücke. Die Anwohner fordern Genschmar deshalb auf, die Veranstaltungen zu reduzieren und weniger dafür zu werben, damit weniger Leute kommen. Gleichzeitig sehen sie ein: "Ihr Geschäft ist unser Problem", wie es ein Anwohner sagt. Genschmar hat eine Gaststättenerlaubnis für sieben Tage die Woche. 

Für das Riesenrad braucht es keine Genehmigung, sagt die Stadtverwaltung. Es soll sich laut Genschmar am 1. November zum letzten Mal drehen. Eine Veranstaltung mit dem Ausmaß des Riesenrades werde es in den nächsten zehn, 15 Jahren nicht mehr geben, sagt Genschmar. Anfragen für weitere Großveranstaltungen auf dem Lugturm habe er bereits abgelehnt. 

Dass der Lugturm zum Teil überrannt werde, überrasche auch Genschmar und seine Familie. Einen Grund sieht er in den vielen abgesagten Festen und Veranstaltungen. Umso mehr werden die, die stattfinden, wahrgenommen. Die Lugturm-Anwohner wollen das "wöchentliche Stadtfest" lieber in der Stadt als vor ihrer Haustür. 

Weniger Besucher werden schwer machbar sein. Weder kann man verbieten, dass sich der Lugturm als lohnendes Ziel herumspricht, noch kann man irgendwo Besucher zählen und dann schließen. Es könne nur immer wieder an die Vernunft der Leute appelliert werden, sagt Opitz.  Eine Vorschrift, wie viele Veranstaltungen auf dem Lugturm stattfinden, könne man nicht machen. Dafür gebe es keine rechtliche Grundlage. 

Die Feuer

Ein kleines Feuer in einer kleinen Feuerschale macht jeder. Doch das auf dem Lugturm ist den Anwohnern zu groß. Es sei gefährlich für die Bäume, der Rauch steige weit auf und beeinträchtige massiv. Jedes einzelne Feuer, das auf dem Lugturm entfacht wird, muss Genschmar bei der Stadt beantragen. Bisher wurde jedes Feuer beantragt und jeder Antrag genehmigt, sagt Opitz. Auch dazu verspricht er, sich mit Genschmar abzustimmen. Der akzeptiert die Kritik. Bisher sei jedoch niemand zu ihm gekommen oder habe ihn angerufen, wenn er ein Problem hat. Seine Telefonnummer stehe für jeden erkennbar am Lugturm. Die Stadt werde selbstverständlich einschreiten, wenn es  Gefahren oder Beeinträchtigungen gibt.

Die Anwohner wollen nun Reaktionen von Genschmar und der Stadt auf ihre Forderungen sehen. Ein Anwohner drohte: "Sonst fahre ich andere Geschütze auf."

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