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Von der Bürgermeisterin zur Vollzeit-Oma

Brigitte Kolba war 21 Jahre Gemeindechefin. Wie sie ihren Nachfolger fand, was sie vom Nachbarn hält und warum sie ein Rad zum Abschied bekam.

Eine der letzten öffentlichen Amtshandlungen von Brigitte Kolba (2.v.l.) im vergangenen Sommer: Der Kindergarten Spatzennest Ottendorf hat die Zusage für einen neuen Ausflugswagen bekommen.
Eine der letzten öffentlichen Amtshandlungen von Brigitte Kolba (2.v.l.) im vergangenen Sommer: Der Kindergarten Spatzennest Ottendorf hat die Zusage für einen neuen Ausflugswagen bekommen. © Egbert Kamprath

Sie war eine der dienstältesten Bürgermeister im Landkreis: Brigitte Kolba. Seit 2000 leitete sie die Geschicke der Gemeinde Bahretal. Zur Wahl dieses Jahr trat die Ende April 66 Gewordene nicht mehr an. Ihre Nachfolge hat sie gut vorbereitet. Jetzt widmet sie sich anderen Aufgaben und bleibt ihrer Gemeinde mit Abstand verbunden.

Sie sind nach 21 Jahren so ganz sang- und klanglos aus dem Bürgermeisteramt ausgeschieden und in Rente gegangen. Hätten Sie sich das ein bisschen anders gewünscht, Frau Kolba?

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Unsere Bürgermeisterwahlen und der Wechsel sind natürlich gegenüber denen in Bad Gottleuba-Berggießhübel in der Öffentlichkeit etwas untergegangen. Aber der Gemeinderat hat mich ganz nett verabschiedet. Sie wussten, dass wir uns E-Bikes kaufen wollen, schmückten ein altes Rennrad mit Blumen und sammelten für die neuen Räder. Wir haben dann mit Abstand noch ein Glas Sekt getrunken. Eigentlich wollen Ronny Schietzold und ich noch gemeinsamen einen Ein- und Ausstand zusammen geben. Im Moment ist das zwar noch nicht möglich, aber es läuft uns ja auch nicht weg.

Wie sieht Ihr Alltag jetzt aus?

Die erste Woche war komisch, weil es auch noch kalt draußen war. Da habe ich zu Hause gesessen und mich gefragt, was soll das jetzt. Aber wir haben Garten und Grundstück, da ist immer was zu tun. Und mit den Enkeln mache ich viel Homeschooling.

Stichwort Schule: Sie haben immer gekämpft, wieder eine Schule zu bekommen. Vergeblich.

Ja, das ist der größte Wermutstropfen meiner Amtszeit. Eine Mittelschule wieder, das ist unrealistisch. Aber eine Grundschule, die Kinder hätten wir dafür. Deshalb war die Hoffnung auch groß, wenigstens eine Zweigstelle der Liebstädter Grundschule zu bekommen. Ganz haben wir als Gemeinde die Schule noch nicht aufgegeben, auch wenn inzwischen am Gebäude einiges zu machen ist. Die beiden oberen Etagen sind nach wie vor für eine Schule frei, während sich im Erdgeschoss die Gesundheitsstation befindet.

Die Schule als größter Wermutstropfen und was als größter Erfolg?

Am meisten habe ich mich über das Gerätehaus in Nentmannsdorf gefreut. Das war in einem erbärmlichen Zustand, es gab nicht mal fließendes Wasser. Es war für die Kameraden allerhöchste Zeit, etwas zu machen. Wir haben viel Geld investiert und konnten das Gebäude erhalten. Das war wie von Null auf Hundert.

Dass Sie nicht noch einmal antreten, war lange bekannt. Dann haben Sie einen Nachfolger gesucht ihn im Gemeinderat Ronny Schietzold gefunden. Inzwischen ist er gewählt und im Amt. Sind Sie zufrieden mit ihm?

Er macht das ganz prima, ist sehr engagiert und ehrgeizig, jeden Tag im Gemeindeamt, manchmal auch öfter. Ich bin froh über diese Wahl. Wir haben nie so widrige Diskussionen geführt, bei denen die Sache auf der Strecke blieb. In den kleinen Dörfern geht es um Inhalte, so kommt man vorwärts. Und so wird er es auch weiter machen.

Hat er Sie schon mal um Hilfe gefragt?

Ein einziges Mal hat er eine WhatsApp geschrieben. Das hatte aber mehr damit zu tun, dass im Bad Gottleubaer Rathaus ein Ansprechpartner für Finanzfragen fehlt.

Nun ist ja auch in Bad Gottleuba-Berggießhübel der Wechsel vollzogen. Es gab einige harte Auseinandersetzungen mit der Nachbarkommune in den vergangenen Monaten. Im Bürgermeisterwahlkampf haben Sie den späteren Sieger Thomas Peters unterstützt. Warum?

Ich war da schon nicht mehr im Amt, sonst hätte ich das nicht tun können. Ich vertraue ihm und seinen fachlichen Kompetenzen. Für uns als kleine Gemeinde ist die wichtigste Frage in der Verwaltungsgemeinschaft das Personal im Gottleubaer Rathaus. Wenn dort kein Personal da ist, ist das schädlich für uns. Wir sind angewiesen auf gutes Personal. Und ich hoffe nun auch wieder auf eine zukunftsfähige Personalpolitik.

Wie lange kann sich Bahretal noch als selbstständige Gemeinde halten?

Die große Politik denkt, die Frage erledigt sich von selbst, weil sich keine ehrenamtlichen Bürgermeister mehr finden. Die haben es immer schwerer, müssen den Kopf genauso hinhalten wie die hauptamtlichen und haben genau die gleiche Verantwortung. Die andere Seite ist die finanzielle. So lange wir die so meistern, warum sollten wir dann die Selbstständigkeit aufgeben?

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