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Berggießhübels Unterwelt wird aufgeräumt

Der Bergbau war eine prägende Zeit für den späteren Kurort. Jetzt folgt ein weiteres Kapitel in der Geschichte.

Steiger Ingolf Bergmann von der Bergsicherung Freital am Mundloch, dem Eingang, des Zwiesler Tiefer Erbstolln. Bevor die Sanierung richtig beginnen kann, muss erst einmal das Rohr entfernt werden.
Steiger Ingolf Bergmann von der Bergsicherung Freital am Mundloch, dem Eingang, des Zwiesler Tiefer Erbstolln. Bevor die Sanierung richtig beginnen kann, muss erst einmal das Rohr entfernt werden. © Egbert Kamprath

Unterirdisch tut sich was. Das war schon vor 632 Jahren so und ist es nun wieder. Jetzt wurde in Berggießhübel mit der Sanierung des Zwiesler Tiefer Erbstollns begonnen. Und das hat auch für überirdisch Folgen.

Mit der Sanierung des Stollns soll nämlich der Wasserabfluss aus den angeschlossenen Gruben gesichert und so das Risiko für Einstürze reduziert werden. Das klingt einfacher als es tatsächlich ist. Etwa zehn Monate wird es dauern, bis die in drei Abschnitte aufgeteilten Arbeiten beendet sind. Bevor sich richtig begonnen konnten, stand die beauftragte Firma Bergsicherung Freital vor einer Überraschung: einem Rohr kurz hinter dem Eingang zum Stolln. Das muss nun zuerst entfernt werden. Dann folgen die Sanierung der Wasserrinne bis zur Einleitstelle in die Gottleuba, der Ausbau von Dämmen, das Beräumen der Sedimente, das Erneuern maroder Teile des Stollns, das Sichern zweier Schächte sowie das endgültige Sichern. Das alles kostet rund 1,5 Millionen Euro.

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Über 600 Jahre Geschichte

Das Berggießhübler Vorhaben ist eines im Sanierungsprojekt "Prävention von Risiken des Altbergbaus" des Oberbergamtes Freiberg, für das es europäische Fördermittel von über 52 Millionen Euro gibt. Dazu kommt sächsisches Geld. Es handelt sich vor allem um Objekte im Erzgebirge sowie in ehemaligen Steinkohlerevieren.

Am Mundloch, dem Eingang zum Zwiesler Stolln, verweisen die Jahreszahl 1825 und das sächsische Wappen auf einen prägenden Abschnitt der Berggießhübler Bergbau-Geschichte.
Am Mundloch, dem Eingang zum Zwiesler Stolln, verweisen die Jahreszahl 1825 und das sächsische Wappen auf einen prägenden Abschnitt der Berggießhübler Bergbau-Geschichte. © Egbert Kamprath

Für Berggießhübel ist die Sanierung Teil der bis vermutlich 1388 zurückgehenden Bergbaugeschichte. Im letzten Aufschwung des Eisenerzbergbaus wurde 1824 mit königlichem Dekret beschlossen, den Zwiesler Tiefer Erbstolln herzustellen. In der Sprache des Bergbaus sagt man aufzufahren. 1850 wurde der 1.012 Meter lange geradlinig verlaufende Stollen fertiggestellt. Er diente dazu, die Gruben von Wasser freizuhalten. Es schlossen sich weitere Abzweige an. Die letzte Schicht im Zwiesler Stollen wurde hundert Jahre nach dem Beginn des Stollnbaus am 15. August 1925 gefahren. 1931 wurde der Stollen schließlich verschlossen. Zur Wasserversorgung des Berggießhübler Raums wurden ab 1970 Dämme und Rohrleitungen umgebaut.

Verein ehrt die Bergleute

In Berggießhübel wurde seit 1870 Eisenerz gefördert. Über 90 Prozent der knapp 170.000 Tonnen stammten aus der Grube Mutter Gottes Vereinigt Feld, zu dem auch der Marie Louise Stolln gehörte, der seit 2006 das Besucherbergwerk beherbergt. Im Berggießhübler Bergbau waren in einzelnen Jahren bis zu 185 Bergleute beschäftigt. 1892 wurde der Bergbau in Berggießhübel im Wesentlichen eingestellt. Der Gebirgsverein bewahrt die Arbeit der Bergleute und die Geschichte einer für den späteren Kurort prägenden Zeit.

Zwiesler Tiefer Erbstolln in Berggießhübel Infotafel Bergbau.
Zwiesler Tiefer Erbstolln in Berggießhübel Infotafel Bergbau. © Egbert Kamprath

Die Sicherung dessen, was unterirdisch auch nach der Stilllegung noch arbeitet, ist wichtig für die Sicherheit dessen, was sich überirdisch befindet. Für das Oberbergamt heißt das, Risiken des Altbergbaus zu reduzieren. Für den Gebirgsverein bedeutet es, der Geschichte ein weiteres Kapitel hinzuzufügen.

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