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Heidenaus Biber schläft sich erstmal aus

Das etwa zweijährige Tier hatte bei der Suche nach einem Revier Stress und sich auf die Straße verlaufen. Nun kann es sich in Pirna erholen.

Heidenaus Biber fühlt sich bei Uwe-Jens Bartling wohl.
Heidenaus Biber fühlt sich bei Uwe-Jens Bartling wohl. © Daniel Schäfer

Der Biber macht einen auf Langschläfer. Seit er am Donnerstag zu Uwe-Jens Bartling kam, schläft er. Ab und zu bewegt er sich mal, hebt den Kopf und guckt und dann schläft er weiter. Die frischen Weidenäste hat er zwar noch nicht angerührt, aber alles normal und nicht weiter besorgniserregend, sagt Bartling. Zu ihm werden solche Tiere immer wieder gebracht. Von der Polizei, der Feuerwehr, dem Landratsamt oder auch Leuten. Die Polizei hatte den Biber eingefangen, nachdem er den zweiten Tag auf der August-Bebel-Straße in Heidenau spazierte.

Der tödliche Biss des Kuscheltieres

Er wird auf der Suche nach einem Revier Stress mit den anderen Bibern bekommen haben, vermuten Christian Wosch vom Landratsamt und Uwe-Jens Bartling. Denn erstens sind alle Reviere an der Elbe und den Flüssen besetzt, zweitens sind Biber bei der Verteidigung ihrer Reviere nicht gerade fein. Deshalb sind es auch Wildtiere, weshalb das Tierheim zur Aufnahme nicht infrage kam.

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Wer denkt, der Biber ist ein Kuscheltier und so nett wie der aus der Zahnpasta-Werbung, der kann schnell eine Hand verlieren, sagt Jens Posthoff vom Nationalpark Sächsische Schweiz. "Die Leute gehen völlig unbedarft auf die Tiere zu, die sich dann bedroht fühlen", sagt er. Ein Biss in die Oberschenkel-Aorta ist in der Regel tödlich. Einen entsprechenden Mindestabstand von mindestens einem reichlichen Meter sollte man deshalb einhalten. Von Haus aus aber sind die Biber friedlich und leben gut mit uns Menschen, sagt Posthoff. Der Biber unterliegt in Deutschland dem Naturschutzrecht und zählt in Europa zu den streng geschützten Arten. Dass er immer öfter auch in Städten anzutreffen ist, hat unter anderem mit der Zerstörung seines eigentlichen Wohnraumes zu tun.

Gnadenbrot für einen Turmfalken

Bei Bartling kann sich der etwa zwei Jahre alte Biber jetzt erst einmal ausschlafen so lange er will. Verletzt ist er offensichtlich nicht. Er wirkte vielmehr desorientiert, als der zu ihm gebracht wurde. Kein Wunder nach seinem Ausflug auf die vielbefahrene Straße in Heidenau und dem Stress bei der Suche nach einem Revier und den Auseinandersetzungen mit den Artgenossen.

Bartling ist der Tierretter in der Region. Um die 300 Tiere nimmt er jährlich auf. Die meisten sind Vögel. Derzeit zum Beispiel sind eine junge Rabenkrähe bei ihm, ein Waldkauz, eine Taube und ein Turmfalke. Der Falke hat ein Handicap und bekommt schon seit drei Jahren bei Bartling sein Gnadenbrot. Überwintert haben dieses Jahr bei Bartling 16 Igel, die meisten schlafend, und ein Siebenschläfer. Manche Tiere bleiben nur ein paar Tage, andere Monate. Die drei Jahre des Turmfalken sind eine Ausnahme. Biber auch. Etwa fünf hat er in den letzten Jahren zeitweise betreut.

Biber muss sich durchbeißen

Manchmal kommt Bartling schon an seine Kapazitätsgrenzen. Platzmäßig, kräftemäßig und auch was die Zeit betrifft. "Aber es ist gut so, dass den Menschen die Tiere nicht egal sind, und auch wenn ich nicht alle retten kann, aber viele", sagt Bartling. Er ist sozusagen die Pflegefamilie für Tiere. So lange wie nötig, so kurz wie möglich. Die Tiere gehören in ihr Umfeld. Bartling ist weder ein Zoo noch ein Zirkus.

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Der Heidenauer Biber wird noch ein paar Tage Bartlings Gast sein. Wenn der Biber ausgeschlafen und gefressen hat und wieder zu Kräften gekommen ist, wird er ausgesetzt. Dann muss er wieder kämpfen und sich auf der Suche nach einem Revier durchsetzen. So ist der Kreislauf der Natur. Nur in seltenen Fällen, wenn das Tier keine Überlebenschance hat, wird es eingeschläfert. "Das ist dann eine schwere Entscheidung." Aber der Biber wird sich durchbeißen, im doppelten Sinne des Wortes.

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