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Was meine Eltern über Corona denken

Sie sind 80 und 82 Jahre und gehören damit zu den am meisten Gefährdeten. Sie halten sich an die Regeln und haben doch ihre Sorgen und Hoffnungen.

Erika und Peter Lemme: Aufgrund ihres Alters gefährdet. Wie gehen sie damit um?
Erika und Peter Lemme: Aufgrund ihres Alters gefährdet. Wie gehen sie damit um? © Heike Sabel

Um es vorwegzunehmen, ich bin sehr stolz auf meine Eltern Erika und Peter Lemme aus Heidenau. Wie sie das alles meistern, durchstehen - und dass sie nicht nur mit mir über das alles reden, sondern sich auch für Sächsische.de öffnen. Mit ihren 80 bzw. 82 gehören sie zu den am meisten gefährdeten Altersgruppen. Was macht das mit ihnen, wie gehen sie damit und mit den Einschränkungen um?

Wie fühlt ihr Euch gesundheitlich?

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Ich und mein Haus im Alter
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Wer Wohneigentum besitzt, kann mit klugen Entscheidungen seinen Lebensabend entspannter gestalten. Hier geben Immobilien-Experten Auskunft:

Beide: Trotz unseres Alters und der damit verbundenen Wehwehchen sind wir soweit gesund und es geht uns gut. Du weißt ja, wir jammern nicht.

Was ist diesmal für Euch anders als beim Frühjahrs-Lockdown?

Mutter: Im Frühjahr waren die Einschränkungen größer. Da haben wir unser Haus und Grundstück fast nicht verlassen. Wir haben noch mehr überlegt, was unbedingt sein muss. Eingekauft hat für uns unsere andere Tochter. Jetzt machen wir unsere Besorgungen, aber eben auch wieder nur das Notwendigste. Und es kommt jetzt dazu, dass man sich nicht mehr in den Garten setzen kann.

Vater: Obwohl jetzt viel mehr krank sind, die Zahlen viel schlimmer sind, brauchen wir nicht viel Überwindung, unsere Wege zu erledigen. Die Leute und wir tragen die Maske, halten Abstand. Ich habe eigentlich nicht die Sorge, dass wir uns anstecken.

Wovor habt ihr Angst?

Mutter: Schon ein bisschen, dass wir uns trotz der ganzen Hygiene, anstecken. Das kann ja jedem überall passieren. Man braucht nur eine Türklinke anzufassen und sich nicht gleich waschen. Wir haben im Auto und auch gleich an der Haustür Desinfektionsmittel stehen. Trotzdem, das Risiko bleibt.

Vater: Mir bereiten noch mehr solche Auftritte wie in Leipzig Sorgen. Nicht, dass ich Meinungen von anderen Leute verurteile, damit habe ich mich mein ganzes Leben auseinandersetzen müssen. Aber solche Demos machen mir Angst. So viele Leute ohne Schutz so nah beieinander - und die Aggressivität gegenüber der Polizei. Wie groß wäre das Geschrei gewesen, wenn die Polizei da eingegriffen hätte? Wenn man die Nachrichten aus Belarus sieht, da weiß man, was Polizeigewalt ist.

Ihr habt es gesagt, ein Risiko bleibt. Nun werden die Kapazitäten in den Krankenhäusern knapp. Was macht die Vorstellung, irgendwann müssen Ärzte entscheiden, wen sie noch retten und behandeln und wen nicht, mit Euch?

Vater: Ich hoffe und glaube, dass die Ärzte bei jeder Krankheit immer werden helfen können und niemand damit konfrontiert werden muss. Es ist wohl immer so, dass es Fälle gibt, wo auch die Ärzte nicht mehr helfen können.

Mutter: Ja, ich hoffe und wünsche auch, dass das Gesundheitswesen so gut organisiert ist, dass möglichst allen geholfen werden kann.

Vater: Jetzt fehlen ja Ärzte, Schwestern und Pfleger, weil sie selbst krank oder in Quarantäne sind. Das macht mir schon Sorgen und das muss man ernst nehmen. Was wird dann, wenn ich mit einer anderen Krankheit Hilfe brauche?

Viele gehen ja jetzt nicht zum Arzt, obwohl sie wichtige Termine haben, weil sie Angst haben...

Mutter: Nein, wir nehmen die Arzttermine wahr, die notwendig sind.

Vater: Und wir gehen auch zum Arzt, wenn etwas ist. Das zu vernachlässigen, wäre gefährlich.

Ihr nehmt Eure Arzttermine wahr, geht einkaufen, erledigt die notwendigsten Wege. Ihr seid sonst auch noch recht aktiv. Was vermisst Ihr am meisten?

Mutter: Mal einfach so durch die Geschäfte bummeln und die Treffen in der Kirchgemeinde. In die Kirche kann man gehen, mit Maske, ohne Singen. Da bin ich nur einmal gewesen.

Vater: Wir haben sonst monatlich ein bis zwei Kulturveranstaltungen, treffen uns mit Freunden. Ich gehe Skat spielen und zum Fußball. Das alles fehlt. Ich bin nur froh, dass ich meine Aufgabe als Bauleiter weiter haben darf.

Was fällt Euch jetzt am schwersten?

Mutter: Wir haben trotz aller Einschränkungen nichts auszustehen und keinen Grund zum Klagen. Die Familie ist - mit Abstand - in der Nähe. Das ist wichtig für uns.

Vater: Und genug Toilettenpapier haben wir auch.... (lacht)

Wann wird Corona vorbei sein?

Mutter: So schnell sicher nicht. Vielleicht wird es für uns immer begleiten. Im Sommer hatten wir es ja fast vergessen. Alle sagten, es kommt wieder. Mit solch einer Wucht, das hätten wir nicht gedacht.

Vater: Wenn alle, die es wollen, sich impfen lassen können. Ich denke, das wird nicht vor Mitte nächsten Jahres sein. Und auch dann wird es nicht einfach so schnell vorbei sein.

Werdet Ihr Euch impfen lassen?

Beide: Ja! So wie auch schon all die Jahre gegen Grippe.

Was denkt ihr, wie Weihnachten wird?

Mutter: Nicht so wie im vergangenen Jahr, aber für genaue Vorstellungen ist es wohl noch zu zeitig. Sicher ist, dass wir nicht wie sonst alle in die Kirche gehen und dort zu neunt auf einer Reihe sitzen können.

Vater: Und was unserer Tradition des Mittagessens am ersten Feiertag in der Gaststätte wird, wissen wir auch noch nicht. Da sind wir ja weit über zehn Personen.

Wen werdet ihr ausladen, wenn nur weniger Personen zusammen sein dürfen?

Vater: Das weiß ich nicht, das würde uns sehr schwer fallen.

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