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Klinik Gottleuba: Neue Fahnen, alte Sorgen

Ralf Opitz ist neuer Median-Verwaltungschef. Nach über vier Stunden Rundgang wusste er, was fehlt. Ein Problem bleibt aber.

Ganz schön groß und ganz schön neu: Eine der beiden Fahnen, die Ralf Opitz als neuer Verwaltungschef der Kliniken von Bad Gottleuba und Berggießhübel als Einstand spendete.
Ganz schön groß und ganz schön neu: Eine der beiden Fahnen, die Ralf Opitz als neuer Verwaltungschef der Kliniken von Bad Gottleuba und Berggießhübel als Einstand spendete. © Karl-Ludwig Oberthür

Es war der Buß- und Bettag vergangenen Jahres. Da zeigten die beiden Frauen, die das Gottleubaer Klinikgelände so gut wie niemand kennen dem neuen Verwaltungsleiter vorab das Areal. Viereinhalb Stunden erzählten Ute Wunderwald und Sabine Brauweiler alles, was Ralf Opitz über seinen neuen Arbeitsplatz wissen muss. Nicht alles konnte er sich merken, sagt er. Doch etwas ist ihm auf dieser Tour aufgefallen: Die zerfledderten Klinik-Fahnen auf dem Kurmittelhaus und vor dem Verwaltungsgebäude. Das macht keinen guten Eindruck, sagte er sich und hat der Klinik nun als Einstand privat zwei neue Fahnen geschenkt. "Wetterbeständige", sagt Ralf Opitz.

Kritik am Landratsamt wegen Corona-Sperre

Das Problem mit den Fahnen war also schnell gelöst. Das nächste erwischte die Klinik Ende Februar. Die britische Corona-Mutation legte die Gottleubaer Klinik für vier Tage komplett lahm. Das Kreis-Gesundheitsamt verhängte einen Aufnahme- und Entlassungsstopp für Patienten. Ärzte wurden in Quarantäne geschickt. Opitz bezeichnet die Pirnaer Entscheidungen als so vorsichtig, dass sie teilweise übertrieben waren.

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In der Klinik werden seit vorigem Jahr alle Ankommenden getestet und bleiben bis zum Vorliegen des Ergebnisses allein in ihren Zimmern. Die drei Patienten, bei denen die britische Mutante festgestellt wurden war, wurden sofort wieder nach Hause geschickt. Die Infektionskette, die das Landratsamt in den Griff bekommen wollte, sei damit bereits unterbrochen gewesen, sagt Opitz. Nach vier Tagen wurde der Stopp aufgehoben.

Dennoch bleibt es weiter dabei, dass Einrichtungen wie die Kliniken und auch Heime immer in der Ungewissheit leben, wer schleppt wann was ein. Das kann bei aller Vorsicht nicht ausgeschlossen werden. "Wir sind zwar eine hochqualifizierte Fachklinik, aber eben keine geschlossene Anstalt, Mitarbeiter kommen auf Arbeit, gehen nach Hause, einkaufen, haben ihr Umfeld."

Auslastung in Bad Gottlauba steigt wieder

Der Stopp hatte Folgen. Im Schnitt werden täglich bis zu 100 Patienten aufgenommen. Wenn das vier Tage nicht möglich ist, baut das eine Welle auf. Die nicht von heute auf morgen abgebaut ist, weil ja dann nicht einfach doppelt so viele aufgenommen werden können. Inzwischen sei man aber wieder im Rhythmus, sagt Opitz.

Auch die Belegquote insgesamt steigt wieder in dem Maß wie die akut-Krankenhäuser wieder mehr operieren. Im vergangenen Frühjahr war hier ein erster großer Einbruch spürbar. Inzwischen ist die Klinik Berggießhübel wieder bei etwa 70 Prozent Auslastung, Gottleuba bei etwa 85 Prozent. Der Unterschied ist damit zu erklärten, dass in Berggießhübel vorrangig Patienten nach orthopädischen Operationen behandelt werden, was eben in den vergangenen Monaten auf das unbedingt notwendige Maß reduziert worden war. In Gottleuba hingegen werden auch viele Patienten mit psychosomatischen - also operationsunabhängigen - Beschwerden behandelt.

Zentral, schön, alt, aber nicht benötigt: Das Kurmittelhaus

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Wann die neue Fahne auf dem Gottleubaer Kurmittelhaus weht, ist noch offen. Die alte ist aber schon mal entfernt worden. Die neue schöne Fahne aber löst das Problem des Kurmittelhauses nicht. Es ist das zentrale Gebäude und sieht schön aus - aber nur von Weitem. Und drinnen wird es mit jedem Jahr Leerstand auch nicht besser. Schon Opitz' Vorgänger standen immer wieder unter Druck, etwas zu machen. Doch das Haus wird für den Klinikbetrieb nicht mehr gebraucht, seine Instandsetzung wäre zu teuer. Verkaufen ist auch keine Option, weil es sich auf dem Klinikgelände befindet. Für jede neue Nutzung kämen Denkmalschutzauflagen und Umnutzungsanträge hinzu. "Es ist schade, aber eine Lösung ist nicht in Sicht", sagt Opitz. Die neue Fahne ist da nur ein schwacher Trost.

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