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Die Pillendreherinnen

Bei Karin Petrich und ihrer Tochter Christiane in Berggießhübel kam manches anders als gedacht. Doch sie sind ein Team, auch nach dem Rollentausch.

Karin Petrich stärkt ihrer Tochter Christiane Ulbrich noch immer den Rücken, auch wenn die seit fast zehn Jahren die Chefin in der Apotheke ist.
Karin Petrich stärkt ihrer Tochter Christiane Ulbrich noch immer den Rücken, auch wenn die seit fast zehn Jahren die Chefin in der Apotheke ist. © Egbert Kamprath

Es ist die Geschichte von einem Anfang in einer neuen Zeit, von schnellen Entscheidungen und dem Wandel. Ein Ende ist nicht abzusehen. 

Als Karin Petrich 1989 nach Berggießhübel kam, hatten sie und der damalige Apotheken-Inhaber Ober-Pharmazierat Günter Zimm einen Plan. Der besagte, er geht in Rente, sie übernimmt die Apotheke auf der Talstraße 1. Die hatte ihr sofort gefallen. Besonders der Matka-Raum - die Materialkammer. Hier befanden sich in diversen Metalldosen getrocknete Kräuter und Tees. Wenn Karin Petrich vom Hantieren mit Schaufel und Dosen erzählt, leuchten heute noch ihre Augen.  Der Plan ging in Erfüllung. Doch anders als es sich beide vorgestellt hatten. Als sie die Apotheke im Oktober 1990 übernahm, war das schon im vereinigten Deutschland. Und dann ging es Schlag auf Schlag. 

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Im April 1993 wurde mit dem Bau des Hauses begonnen, in dem sich heute die Marien-Apotheke befindet und die Familie wohnt. Ein Jahr später wurde umgezogen. Christiane Ulbrich wusste schon damals, dass sie Apothekerin werden wollte. Dass es schneller gehen sollte als alle dachten, ahnte niemand.

Beiß die Zähne zusammen

Karin Petrich war nun also die Chefin in der Berggießhübler Apotheke. Alles war neu, für sie, die Menschen. Von 1990 bis 1995 war die Apotheke die einzige in Bad Gottleuba und Berggießhübel. Dann kam die in Gottleuba als Filiale mit eigenem Leiter dazu. "Eine kleine niedliche am Markt", sagt Karin Petrich. Von 1995 bis 2005 wurde die Apotheke von einem Professor geleitet, danach von Karin Petrich, schließlich von ihrer Tochter. "Es war eine schöne Zeit", sagt Karin Petrich. Doch im Juni 2019 war Schluss. Da war Christiane Ulbrich schon seit acht Jahren die Chefin.

Dass sie die Apotheke schließen musste, darauf wird sie nicht gern angesprochen. Doch es fehlte schlichtweg an Personal, sagt sie. Dass sie immer noch die zu DDR-Zeiten ausgebildeten Pharmazie-Ingenieure in ihrem Team hat, darüber ist sie sehr froh. Bis heute hat sie keine neue Filiale eröffnet oder übernommen. Bundesweit geht der Trend zu insgesamt weniger Apotheken, aber mehr Filialen. Das Gesetz sieht vor, jeder Apotheker darf eine Apotheke mit maximal drei Filialen betreiben, die sich im selben oder einem benachbarten Landkreis befinden müssen.

Christiane Ulbrich tritt irgendwann die Nachfolge ihrer Mutter an. Auch das war wieder ein Plan. 2007 war die heute 41-Jährige mit dem Studium fertig, zwei Jahre später bekam sie das erste Kind, nach einem Jahr Pause stieg sie wieder ins Geschäft ein. Alles nach Plan, eines nach dem anderen. Dass sie die Apotheke bereits 2011 übernahm, war so nicht vorgesehen, sondern der Krankheit von Karin Petrich geschuldet. Binnen vier Wochen wurden alle Formalien erledigt. Dass so etwas so schnell gehen kann, wundert beide heute noch. An dem Tag, an dem die Apotheke an die Tochter überging, hatte die Mutter die erste Chemotherapie. "Beiß die Zähne zusammen, wir schaffen das", sagten sie sich gegenseitig. 

Durch die Hintertür

Fast zehn Jahre sind vergangen. Karin Petrich ist heute 66, gesund, aktiv und hilft noch ein bisschen bei der Buchhaltung und kommt ab und zu durch die Hintertür in die Apotheke, um ein paar Worte mit den Frauen zu wechseln. Aber es ist klar: Die Tochter ist die Chefin. Sie fragt die Mutter immer noch gern "wegen der zweiten Meinung".  Die beiden harmonieren, sind sich ähnlich im Denken und im Anspruch, gestalten gern und viel. Den Schaukasten vor der Apotheke, der jetzt dem 30-jährigen Jubiläum gewidmet ist, Fotobücher oder die Apotheke. 

Hier bedienen, die Leute beraten, das war die Welt von Karin Petrich und ist die von Christiane Ulbrich. "Ich liebe es, im Laden vorn zu stehen", sagt sie. Eine Apotheke sei eben kein normaler Laden. Nicht nur, weil sie zu 80 Prozent von den Rezepten existiert. Viel von der Arbeit sieht kein Kunde. Das sind die Bestellungen der Ärzte und bei den Lieferanten, dann wieder das Ausliefern. Apotheken sind die Verbindung zwischen den Ärzten und Herstellern bzw. Händlern. Für eine Stunde Kundenkontakt erledigt Christiane Ulbrich die Bürokratie schon mal abends oder am Wochenende.

Christiane Ulbrichs Jungs sind sieben und elf Jahre. Sie dürfen schon mal mit der Preispistole die Medikamente auspreisen. Dass einer von ihnen einmal die nächste Apotheker-Generation in der Familie ist, ist noch kein Plan...

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