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SOE: Warum gibt es so viele Fehlalarme?

Derzeit rücken Feuerwehren immer häufiger umsonst aus. Das nervt, kostet, ist riskant und könnte zumindest manchmal vermieden werden.

Wenn die Feuerwehr ausrückt, weiß sie nie, was sie erwartet und ob es ernst oder ein Fehlalarm ist.
Wenn die Feuerwehr ausrückt, weiß sie nie, was sie erwartet und ob es ernst oder ein Fehlalarm ist. © Marko Förster

Sirenen und Tatütata manchmal mehrfach am Tag, so wie jüngst in Heidenau: Immer öfter rücken die Feuerwehren aus und es brennt nicht. Zum Glück. Trotzdem sind diese Fehlalarme ärgerlich. Weil sie die meist ehrenamtlichen Feuerwehren belasten, weil die dann für "richtige" Brände nicht verfügbar sind und weil solche Einsätze auch Geld kosten. Was sind die Ursachen für die Fehlalarme und wie können sie reduziert werden, ohne die Sicherheit zu gefährden? Kreisbrandmeister Karsten Neumann gibt Auskunft.

Wie viele Fehlalarme gibt es jährlich?

Die Feuerwehren im Landkreis werden im Schnitt jährlich zu etwa 2.650 Einsätzen alarmiert. Etwa acht bis zehn Prozent davon waren in den vergangenen drei Jahren Fehlalarme. Von 218 im Jahr 2018 stieg die Zahl 2019 auf 250, um voriges Jahr auf 168 zurückzugehen. Für dieses Jahr liegen noch keine Zahlen vor.

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Bei über 360 automatischen Brandmeldeanlagen im Landkreis seien aus Sicht des Kreisbrandmeisters die Zahlen aber vertretbar. In den zurückliegenden Jahren seien zudem bei der Technik große Fortschritte gemacht worden. Die Brandmeldeanlagen befinden sich vor allem in sozialen, Bildungs- und Gesundheitseinrichtungen. Ihre Alarmmeldung geht direkt zur Integrierten Regionalleitstelle Dresden, die unverzüglich die Feuerwehr alarmiert.

Was sind die häufigsten Ursachen für Fehlalarme?

Grundsätzlich gibt es mehrere Möglichkeiten, dass sich ein Alarm als Fehlalarm herausstellt. Die überwiegende Anzahl ist auf das fehlerhafte Auslösen automatischer Brandmeldeanlagen zurückzuführen. Es werden aber auch Feuer zum Verbrennen von Reisig, das von Schadinsekten befallen war, als Brand gemeldet oder Staubwolken von Traktoren als Feldbrand.

Auch wenn es wenige Fälle sind, so kommt es doch jedes Jahr zu vorsätzlich und böswillig erfolgten Fehlalarmen. So wird ab und zu die Scheibe eines Feuermelders eingeschlagen und dieser dann ausgelöst. Das ist prinzipiell strafbar, doch es ist schwer, hier Täter zu ermitteln.

Welche Rolle spielt die Rauchmelderpflicht?

In Sachsen gilt die Rauchmelderpflicht für Neu- und Umbauten seit Anfang 2016. Nach Sächsischer Bauordnung müssen in allen Schlaf- und Kinderzimmern sowie in allen Fluren, die als Rettungswege dienen, Rauchmelder installiert werden. Für den Einbau ist der Eigentümer bzw. der Vermieter verantwortlich, für die Wartung der Mieter. Die Rauchmelder sind eine wichtige Brandschutzmaßnahme, sagt Neumann. Aber auch sie verursacht den einen oder anderen Fehlalarm.

Wie kann die Zahl der Fehlalarme reduziert werden?

Die Qualität der Brandmeldeanlagen und ihre korrekte Installation sind wesentliche Voraussetzung, um Fehler zu minimieren. Auch das Einhalten vorgeschriebener Wartungsintervalle und die zeitweise Außerbetriebsetzung, zum Beispiel bei staubintensiven Bauarbeiten, reduziert die Zahl der Fehlalarme.

Das heißt aber nicht, bei Rauchentwicklungen auf den Notruf 112 zu verzichten, sagt Neumann. "Vielmehr sollte sich der Anrufer, soweit es ihm möglich ist, davon überzeugen, ob es sich wirklich um ein Schadfeuer handelt oder es ein bewusst, unter Aufsicht und gesichert betriebenes Lager- oder Schadholzfeuer ist." Das zu unterscheiden ist für einen Laien jedoch nicht immer so einfach. Im Zweifel gilt im Interesse des Schutzes immer, lieber einmal mehr Hilfe rufen. Das ist kein Missbrauch des Notrufes, für den auch niemand zur Verantwortung gezogen wird.

Wie ist der Schutz gesichert, wenn Brandmeldeanlagen gewartet werden?

Wenn Brandmeldeanlagen überprüft werden, werden sie üblicherweise bei den Rettungsleitstellen abgemeldet. Damit soll eben auch verhindert werden, dass es zu Fehlalarmen kommt. Doch das funktioniert offenbar nicht immer. Das korrekte Abmelden einer Anlage während Wartungs- und Inspektionsarbeiten liegt in der Zuständigkeit des Betreibers bzw. demjenigen, der die Wartung der Anlage durchführt. Mehr kann der Kreisbrandmeister dazu nicht sagen.

Und wie ist es mit dem Schutz während der Außerbetriebnahme? Was passiert, wenn es ausgerechnet dann wirklich brennt? Für die Zeit der Abmeldung sind alternative Maßnahmen zu treffen. Es ist zum Beispiel denkbar, dass Brandwachen eingesetzt werden, die im Notfall auch die Alarmierung übernehmen. Es gibt aber auch interimsmäßig zu installierende Anlagen und es besteht die Möglichkeit, für die Zeit, in der die Brandmeldeanlage nicht funktioniert, das Betreten des betreffenden Gebäudes zu verbieten. Da jeder Fall anders ist, ist jeweils in Abstimmung mit den Verantwortlichen zu entscheiden, sagt Kreisbrandmeister Karsten Neumann.

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