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Warum scheitern so viele Freie Schulen?

Der Weg zur Gründung einer Schule ist lang und schwer. Weniger als die Hälfte derer, die es versuchen, schaffen es. Das Geld ist ausnahmsweise mal nicht der Hauptgrund.

Bevor es überhaupt Zeugnisse geben kann, scheitern viele Freie Schulen. Die Gründe sind vielfältig.
Bevor es überhaupt Zeugnisse geben kann, scheitern viele Freie Schulen. Die Gründe sind vielfältig. © dpa

Wenn Freie Schulen ihre Gründung geschafft haben, müssen die wenigsten wieder aufgeben. Doch nur etwa die Hälfte der Träger, die es versuchen, kommen bis zur Gründung. Das ist die Einschätzung von Siegfried Kost, Leiter der AG der sächsischen Schulen in freier Trägerschaft. Genaue Zahlen gibt es nicht, da sich nicht alle Initiativen zur Gründung einer Freien Schule beim Verband melden. Von den sechs, die Kost in den vergangenen zwei Jahren betreut hat, haben es zwei geschafft, die dritte ist kurz davor. Drei und damit die Hälfte sind gescheitert.

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Die Langenhennersdorfer haben auch aufgegeben, aber ohne sich vorher von Kost beraten zu lassen. Aus seiner Sicht gibt es im Wesentlichen drei Gründe, die dazu führen, dass Initiativen nicht zur Gründung einer Schule führen. Beim Lebens-Werte-Verein, der im ehemaligen Felsenweginstitut in Langenhennersdorf eine Freie Schule gründen wollte, war es ein vierter.

Das Personal: Lehrermarkt ist wie leer gefegt

Das fehlende Personal für die neue Schule war bei allen drei Initiativen, die scheiterten, der Hauptgrund, sagt Kost. Der Knackpunkt: Künftige Lehrer und auch die Schulleitung müssen sich schon vor der Genehmigung der neuen Schule bereiterklären, mitzumachen. Es braucht mindestens eine Willensbekundung, besser aber noch einen Arbeitsvertrag, sagt Kost. Und das mit einem Arbeitgeber, der noch nicht weiß, ob seine Pläne auch aufgehen. Das macht es schwer.

Siegfried Kost ist selbst Lehrer an einer Freien Schule in Mühlau und berät Initiativen, die eine solche Schule gründen wollen.
Siegfried Kost ist selbst Lehrer an einer Freien Schule in Mühlau und berät Initiativen, die eine solche Schule gründen wollen. © privat

Einen Vorteil haben die Schulen, die bereits existieren, und sich erweitern, so wie das evangelische Schulzentrum in Pirna. Das will sich um einen gymnasialen Zweig erweitern. Begonnen hatte die Schule mit einer Grundschule. Die Personalfrage ist für Einsteiger aber auch deshalb schwer zu lösen, weil der Lehrermarkt wie leergefegt ist, sagt Kost.

Die Räume: Investieren vor der Genehmigung

So wie eine Schule nicht ohne Lehrer funktioniert, braucht sie auch Räume. Und die sind nicht weniger leicht zu finden. Denn auch sie müssen schon beim Antrag sicher sein, der, wie gesagt, keine Garantie auf Genehmigung ist.

Am unkompliziertesten klappt das nach der Erfahrung von Kost immer noch dort, wo die Kommune Interesse an der Freien Schule hat und der Initiative mit Räumen und den entsprechenden Konditionen entgegenkommt. Denn ein längerfristiger Mietvertrag ohne die Sicherheit, die Schule auch zu eröffnen, kann zum großen finanziellen Risiko für die Initiatoren werden. Das ist es auch, wenn in Räume erst entsprechend investiert werden muss. Stichwort Brandschutz. "Das ist nicht ohne", sagt Kost.

Die Finanzierung: Seit 2015 verbessert

Das Geld steht ausnahmsweise mal erst an dritter Stelle. Seit der Novellierung des Gesetzes für die Freien Schulen vor sechs Jahren ist die Finanzierung einfacher geworden, sagt Kost. Initiativen erhalten seither bereits ab erstem Jahr 40 Prozent des Kostensatzes pro Schüler. Vom vierten bis siebenten Jahr sind es 100 Prozent sowie ein Ausgleich für die ersten drei Jahre. Am Ende bleiben 20 Prozent bei den Freien Trägern, für deren Finanzierung auch das Schulgeld verwendet wird.

Dieses Finanzierungsmodell erleichtert es den Trägern, Kredite zu bekommen, sagt Kost. Die Kostensätze für dieses Jahr betragen vorläufig für alle Schulen für einen Grundschüler 4.715 Euro, für einen Oberschüler 6.505 und für einen Gymnasiasten 6.850 Euro. Die endgültigen Sätze werden immer am Schuljahresende nach den tatsächlichen Kosten er- und verrechnet.

Freie allgemeinbildende Schulen, die es im Landkreis geschafft haben:

  • Evangelisches Schulzentrum Pirna
  • Evangelische Schule Langburkersdorf
  • Evangelische Schule Grumbach
  • Evangelisches Gymnasium Tharandt
  • DPFA Regenbogen Oberschule Rabenau (Deutsche Private Finanzakademie)

Die verbesserten finanziellen Bedingungen für die Freien Schulen führten kurz zu einem Anstieg der Anträge und Genehmigungen. Schließlich war das Gesetz eine Weile in der Diskussion und die künftigen Träger hatten gewartet. Seit dieser Stau abgearbeitet ist, wurde ein Rückgang verzeichnet. Auf diesem niedrigen Niveau pegelt es sich aktuell bei den allgemeinbildenden Schulen ein, sagt Kost.

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Personal, Räume, Finanzierung sind ein Puzzle. Wenn ein Teil fehlt, geht die Idee nicht auf. Das ist auch der Fall, wenn - wie es bei den Langenhennersdorfern war - menschliche Faktoren eine Rolle spielen. Auch Konzepte, die nicht realitätstauglich sind, oder schlichtweg die fehlende Nachfrage sind Ausschlussfaktoren.

Siegfried Kost hat so in den vergangenen zehn Jahren etwa sieben Initiativen geraten, es zu lassen. Das ist zwar am Anfang hart, bewahrt am Ende aber vor Enttäuschung und vor allem vor nicht absehbaren finanziellen Folgen für die Beteiligten.

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