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Gamigs versteckte Beletage

Zum Gut Gamig gehört auch ein Schloss. Ob es saniert werden kann, hängt von Bundesgeldern ab.

Nicht unbedingt eine Kulisse für ein Foto, jedenfalls nicht auf den ersten Blick. Gut Gamig-Geschäftsführerin Katja Frühauf (l.) mit Anette Mitring und Max Beiersdorf von der Stiftung Denkmalschutz und Carsten Haußdörfer vom Kreis-Denkmalamt.
Nicht unbedingt eine Kulisse für ein Foto, jedenfalls nicht auf den ersten Blick. Gut Gamig-Geschäftsführerin Katja Frühauf (l.) mit Anette Mitring und Max Beiersdorf von der Stiftung Denkmalschutz und Carsten Haußdörfer vom Kreis-Denkmalamt. © Daniel Schäfer

Wenn Katja Frühauf von der Beletage von Schloss Gamig spricht, neigt man sie zu fragen, was sie denn mit dem "bevorzugten Geschoss bzw. der am besten ausgestatteten Wohnung" meint. Von außen sieht an dem Schloss auf dem Gutsgelände nichts nach adlig oder großbürgerlich aus. Die Fassade bröckelt und ist geflickt, die Fenster drohen beim nächsten Wind davonzufliegen. Doch bei genauerem Hinsehen entdeckt man doch den Unterschied. In der unteren Etage, eben der Beletage, sind die Fenster schon erneuert. Dort, wo sich dahinter Café und Saal befinden.

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Insgesamt sind 35 Fenster in Ordnung gebracht bzw. werden es in Kürze sein. Die Terrassentür und das Metallfenster im Eingangsbereich gehören dazu. Statt der anfangs veranschlagten reichlich 50.000 Euro, kosten die Arbeiten nun 100.000 Euro. Die Förderungen der Stiftung Denkmalschutz und des Landratsamtes waren auf die ursprüngliche Summe bezogen. Der Kreis gab 23.000 Euro, die Stiftung 10.000 Euro. Den Rest, über die Hälfte, muss der Gut-Gamig-Verein selbst zahlen. Dabei halfen dank einer pfiffigen Aktion 14.000 Euro Spenden.

Zustand verschlechtert sich, Kosten steigen

Doch etwa 50 Fenster halten nur noch aus Gewohnheit, sagt Katja Frühauf, die Geschäftsführerin von Gut Gamig. Die Kosten für deren Sanierung sind unklar und werden immer höher, der Baukosten und des Zustandes wegen. Auch Dach, Fassade und Rittergang müssen unbedingt saniert werden. Die Kosten für Dach und Fassade betragen jeweils rund 800.000 Euro. Die Berechnungen stammen von vor zwei Jahren, es dürften also inzwischen zusammen etwa zwei Millionen Euro sein.

Drei Förderanträge abgelehnt

Dreimal schon wurden Fördermittel beim Bund beantragt. Das Projekt wurde nicht inhaltlich abgelehnt, es reicht einfach das Geld nicht. Bei Landkreis und Stiftung kann Gut Gamig zwar Folgeanträge einreichen, aber die Summen sind relativ gering. Die private, in ganz Deutschland aktive Stiftung will ihre Förderung als Hebel verstehen. Auch der Landkreis fördert, damit etwas weitergeht. Hier liegen die Beträge zwischen 500 und 50.000 Euro. Die Beine der Putten an der Treppe zur Terrasse des Cafés haben davon unter anderem profitiert, sagt Carsten Haußdörfer vom Kreis-Denkmalamt. Er und Vertreter der Stiftung sahen sich jetzt an, was mit ihren Geldern gemacht wurde. Beide machen keinen Zusagen, lehnen aber auch nicht prinzipiell an, noch einmal zu fördern.

Letzte große Renovierung zum Hopfenkongress 1980

Der Bund fördert bis zu 90 Prozent. Wenn dieses Geld fließt, steuern auch Kreis und Stiftung etwas bei. "Wir werden also nächstes Jahr wieder einen Antrag stellen und hoffen", sagt Katja Frühauf. Der Verein, der von ihrer Mutter gegründet und lange geführt wurde, besteht dieses Jahr 30 Jahre. Eine relativ kurze Zeit im Vergleich der 500 Jahre des Guts und Schlosses. Das war 1980 zum Hopfenkongress der DDR noch einmal renoviert worden. Doch elf Jahre später, als der Verein es übernahm, war es heruntergekommen. Die ersten Planungen für die Sanierung stammen von 2008. Viel ist seit 1991 auf dem Gelände gemacht worden. Was noch nicht in Ordnung ist, fällt dadurch noch mehr auf.

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