merken
PLUS Pirna

Die Hochzeitsmacher von Pirna

Es wird wieder geheiratet, aber anders als vor Corona. Die verspätete Hochzeitsreise eines Pirnaer Paares aber hat einen anderen Grund.

Katharina und David Dausch haben im April geheiratet und sind nun doppelt guter Hoffnung.
Katharina und David Dausch haben im April geheiratet und sind nun doppelt guter Hoffnung. © privat

Katharina und David Dausch haben es getan. Mitten im zweiten Lockdown in Pirna. Und obwohl geplant, dann doch spontan. Als die beiden im April heirateten, schoben viele andere Paare den Gedanken erstmal wieder weit weg. Nun ist Sommer, sind die Corona-Regeln gelockert und wäre Zeit zum Heiraten. Doch die große Feier-Welle bleibt bisher aber aus.

Bei Katharina und David steht die Hochzeitsreise noch aus. Doch die haben sie verschoben, aus einem guten Grund.

Anzeige
Wo aus Trauben Träume werden
Wo aus Trauben Träume werden

Eine der schönsten Weinregionen Deutschlands entdecken bei einer Wanderung durch die Weinberge von Schloss Wackerbarth.

Der allgemeine Trend: Die Hochzeiten leiden weiter unter Corona. Paare sind vorsichtig, was die Planung ihres großen Tages betrifft. Statt Gefahr zu laufen, Trauung, Feier und alles, was damit zusammenhängt, wieder absagen zu müssen, verschieben sie ihr Jawort lieber um ein weiteres Jahr. Das ist die Erfahrung von Dana Rehwald, die als "Hochzeitsperle" Feiern organisiert und auch mal ausgefallene Wünsche erfüllt. Dieses Jahr hat sie wenig zu tun.

Pirna: 19 Anmeldungen in vier Wochen

Die Zahlen aus den Standesämtern Pirna, Heidenau und Sebnitz sprechen zunächst eine andere Sprache, die aber auch erklärbar ist. In Sebnitz gab es bisher sogar schon eine Hochzeit mehr als im Vorjahreszeitraum. An die zwölf von 2019 reichen die acht bzw. jedoch nicht ran. Pirna hat im ersten Halbjahr 2021 mit 67 genauso viele Trauungen registriert wie 2019, voriges Jahr waren es sogar 76. Heidenau ist zur Mitte dieses Jahres bei 29, fünf weniger als voriges Jahr und neun Hochzeiten weniger als 2019.

Für die nächsten Monate gibt es überall schon vereinbarte Eheschließungen ebenso wie noch freie Termine. 19 Anmeldungen binnen vier Wochen haben dem Pirnaer Standesamt viel Arbeit bereitet. Das ist vergleichbar mit dem Corona-Jahr 2020, als es 18 Trauungen waren, 2019 gab es im Juni nur elf Anmeldungen. Auch Sebnitz und Heidenau hängen noch hinter den Terminen und Buchungen von 2019 hinterher.

Sebnitz: montags angemeldet, mittwochs geheiratet

Kurzentschlossene, die die Gunst der Stunde nutzen, gibt es auch. In Sebnitz hatte sich ein Paar montags angemeldet und mittwochs geheiratet.

Katharina und David in Pirna hingegen hatten im Frühjahr nach ihrer spontanen Entscheidung drei Wochen Zeit für die Vorbereitung ihrer Hochzeit.

Die Zahl der Trauungen im ersten Halbjahr 2021 ist also noch nicht wieder auf Vor-Corona-Niveau, wobei sich dieses und voriges Jahr nicht viel nehmen. Das lässt vermuten, es könnten eher die kleinen Hochzeiten stattfinden, ohne große Feiern. Und wer seine Hochzeit schon einmal von vorigem auf dieses Jahr verschoben hat, will es nun wohl wissen.

Während man auf eine große Feier verzichten kann, verzichtet man auf die Fotos in der Regel nicht. Das dem knipsenden Onkel zu überlassen, ist immer seltener die Lösung.

So hat Fotograf Thomas Schulz aus Pirna erst ab Oktober freie Termine. Es sind bei ihm auch viele Paare, die schon voriges Jahr gebucht bzw. von vorigem auf dieses Jahr umgebucht haben. Kurzfristig ist bei ihm kein Termin mehr frei.

Kein Platz im Standesamt und keine Gaststätte

„Hochzeitsperle“ Dana Rehwald indessen ist schon auf Jugend- und Namensweihen umgestiegen, weil keine Paare ihre Dienste in Anspruch nehmen. Eine Anfrage hatte sie diese Woche kurzfristig für Sonnabend, weil dem Paar der Redner abhandengekommen war. So schnell aber konnte Dana Rehwald nicht einspringen. Bisher hat sie eine nachgeholte Hochzeit von vorigem Jahr für August im Kalender stehen, der sonst leer ist. Nicht wenige Paare haben tatsächlich ihren für 2020 geplanten und dann auf 2021 verschobenen Termin um ein weiteres Jahr nach hinten geschoben. „Es sind alle so vorsichtig“, sagt Dana Rehwald. Und wer dennoch heiratet, feiert eben im kleineren Rahmen.

Das beginnt schon beim Standesamt. In Pirna dürfen noch immer nicht die sonst üblichen 30 Personen in den Trausaal. Maximal 15 bis 17 Gäste sind möglich, wobei kein Unterschied zwischen geimpft und genesen oder nicht gemacht wird. In Sebnitz sind es sogar nur zwölf. Das schränkt auch viele Paare ein, die auf niemanden bei ihrer Zeremonie verzichten wollen. Gleichzeitig ist das wieder ein Argument für die Hochzeiten im kleinen Kreis.

Das Problem seien auch oft die Gaststätten, die wiederum zwar gern würden, aber denen das Personal fehlt, so die Erfahrung von Dana Rehwald. „Das sieht nicht gut aus, ist traurig, aber wahr.“ Dana Rehwald hätte nun endlich Zeit, ihre eigene Hochzeit zu planen. Aber ohne Aufträge fehlt ihr das Geld.

Ausblick auf nächstes Jahr

Weiterführende Artikel

Warum hast Du nicht Ja gesagt?

Warum hast Du nicht Ja gesagt?

Corona verdirbt die Lust aufs Heiraten - aber nicht ganz. Ein Paar, ein Fotograf und eine Organisatorin erzählen ihre Hochzeitsgeschichten.

Ob es nächstes Jahr anders wird? Dana Rehwald ist sich nicht sicher. Schließlich fehlen auch dieses Jahr die Hochzeitsmessen. Das ist für die, die heiraten wollen, und die, die einkleiden, organisieren, fotografieren, musizieren, bewirten die Chance, sich einander zu finden. Wer nächstes Jahr heiraten will, der sollte sich sputen, zumindest was Fotografen betrifft. Im Januar, Februar kann der Wunschtermin schon vergeben sein, sagt Thomas Schulz.

Katharina und David haben ihre Hochzeitsreise ins Dachsteingebiet aus gutem Grund noch einmal verschoben. Sie sind mit Zwillingen schwanger. "Wir werden dann also nächstes Jahr mit den Kindern fahren."

Mehr zum Thema Pirna