merken
PLUS Dippoldiswalde

Belohnung für geklaute Luxusuhr ausgelobt

Ein 32-Jähriger steigt in ein Haus bei Dippoldiswalde ein. Seitdem fehlt eine 23.500 Euro teure Uhr. Wo sie geblieben ist, versucht das Gericht zu klären.

Verschollen seit einem Einbruch im September 2019: Eine rund 23.500 Euro teure Uhr von Lange & Söhne. Auf der Rückseite findet sich die Registrierungsnummer (rot eingerahmt).
Verschollen seit einem Einbruch im September 2019: Eine rund 23.500 Euro teure Uhr von Lange & Söhne. Auf der Rückseite findet sich die Registrierungsnummer (rot eingerahmt). © privat

Von Friederike Hohmann

Ute Mühlau* wohnt mit ihrer Familie im ruhigen Außenbereich von Dippoldiswalde. Bislang fühlte sie sich dort immer sicher. Das änderte sich an einem Septemberabend 2019. Denn als sie damals nach der Arbeit nach Hause kam, musste Ute Mühlau feststellen, dass jemand bei ihr eingebrochen war.

Anzeige
Wie das Miteinander gelingen kann
Wie das Miteinander gelingen kann

Die TU Dresden engagiert sich für eine Ethik des Zusammenlebens, die sich an Gleichheit, Diversität und Eigenverantwortung orientiert.

Bei dem Einbrecher handelt es sich um Paolo M. Vor dem Schöffengericht in Pirna erzählt er, dass er damals mit dem Bus auf dem Rückweg nach Dresden war. Er hätte zuvor sein siebenjähriges Kind besucht, das bei seiner Mutter in Teplice lebt. Von dort wollte der 32-Jährige zurück nach Hause. Der Bus sei aber nur bis Dippoldiswalde gefahren.

Diebesgut im Wert von über 35.000 Euro

Zwei Stunden dauerte es, bis der Anschlussbus startete. Die Zeit hätte er für einen Spaziergang genutzt - und dabei zufällig das Haus entdeckt. Er hätte die Scheibe der Terrassentür eingeschlagen und nach wertvollen Sachen gesucht. Gegenstände im Wert von über 35.000 Euro listete Ute Mühlau später für die Polizei auf. Darunter waren Laptops, auf denen unwiederbringliche Arbeitsdokumente gespeichert waren, ein iPad, eine Playstation, eine Kamera und Schmuck von eher ideellem Wert. Das wertvollste Stück, das nach dem Einbruch fehlte, ist eine Uhr der Glashütter Manufaktur Lange & Söhne, die rund 23.500 Euro gekostet hatte. Dabei handelt es sich um das Modell 1815 in Weißgold mit schwarzem geprägtem Lederarmband.

In einem Stoffbeutel, den er im Haus gefunden hatte, habe er das Diebesgut im Bus mit nach Dresden genommen und dort noch am gleichen Abend verkauft. Dabei sei aber keine Uhr gewesen, behauptet der Angeklagte vor Gericht. Geglaubt wird ihm das nicht. Das Geld habe er für die Finanzierung seines Drogenkonsums gebraucht. Er sei damals in einer sehr schwierigen Situation und nicht er selbst gewesen.

Der aus Sardinien stammende Paolo M. gibt an, nach Abitur und Schweißerlehre zunächst in Italien und später in Afrika und Mexiko gearbeitet zu haben. Dann sei irgendwann alles den Bach runtergegangen. Seine tschechische Lebensgefährtin habe ihn verlassen, seine Mutter sei gestorben und mit der Arbeit sei es auch nicht mehr gelaufen. Er hätte zunächst Marihuana, dann Kokain und Crystal konsumiert. Den Einbruch und auch andere Diebstähle hätte er begangen, um sich Drogen kaufen zu können.

Fingerabdrücke überführen Einbrecher

Dreimal wurde der 32-Jährige schon für Straftaten verurteilt. Meist wegen Diebstählen, die er Ende 2019 in Dresden beging. Zuletzt musste er sich im Juli 2020 vor dem Amtsgericht Dresden verantworten. Dafür sitzt er bereits seit über einem Jahr im Gefängnis. Der Einbruch in Dippoldiswalde lag zeitlich vor der letzten Verurteilung. An einer iPad-Verpackung aus dem Haus hatte man Fingerabdrücke genommen, deren Spur später zu Paolo M. führte.

Das Schöffengericht unter Richter Andreas Beeskow muss für ihn nun eine Gesamtstrafe aus vorherigen Urteilen bilden und dabei berücksichtigen, dass es auch ältere Einträge in seinem Vorstrafenregister gibt.

Ein Jahr und sieben Monate Haftstrafe bekommt er für den Wohnungseinbruchdiebstahl, der als Verbrechen gilt. Der damit verbundene Einbruch in die Privatsphäre gilt als besonders schwerwiegend. Die Gesamtstrafe, die mit den anderen Urteilen zusammengefasst wird, beträgt ein Jahr und zehn Monate. Das addiert sich nun mit der weiteren Strafe vom Juli 2020 zu 38 Monaten. Außerdem muss der Angeklagte einen Wertersatz in Höhe von 34.585,90 Euro zahlen. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig.

Einbruchsopfer lobt 2.000 Euro Belohnung aus

Ute Mühlau hat ihr Haus nach dem Einbruch zusätzlich gesichert. Es wurden Kameras installiert und eine Diebstahlversicherung abgeschlossen. Die älteren Nachbarn, teilweise über 80, können sich keine teure Überwachungstechnik leisten und haben Angst, dass auch sie Opfer eines Einbruchs werden, erzählt Ute Mühlau nach der Verhandlung.

Die neue Überwachungstechnik am Haus kann ihr die gestohlenen Wertsachen nicht zurückbringen. Auch die verschollene Uhr nicht. Ute Mühlau wird deshalb selbst aktiv. Sie hat eine Belohnung in Höhe von 2.000 Euro für die Wiederbeschaffung der Luxusuhr ausgelobt. Die gestohlene Uhr trägt - wie alle Uhren der Manufaktur - auf der Rückseite eine Gehäusenummer. In ihrem Fall ist dies die 189784.

*Name geändert

Hinweise zur gestohlenen Uhr an: [email protected]ächsische.de. Die Informationen werden an die betroffene Familie weitergeleitet.

Noch mehr Nachrichten aus Pirna, Freital, Dippoldiswalde und Sebnitz.

Mehr zum Thema Dippoldiswalde