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Haftstrafe nach Stoß auf Bahngleise

Erst drängte ein Syrer seine schwangere Frau zur Abtreibung, dann entführte er ihre Kinder und zückte ein Messer. Jetzt wurde er verurteilt.

Tatort Bahnhof: Am Haltepunkt in Pirna-Copitz hatte der Angeklagte seine schwangere Frau auf die Gleise gestoßen.
Tatort Bahnhof: Am Haltepunkt in Pirna-Copitz hatte der Angeklagte seine schwangere Frau auf die Gleise gestoßen. © Archivfoto: Daniel Förster

Von Friederike Hohmann

Sana E. war in Syrien Mikrobiologie-Laborantin und lernte fleißig Deutsch, um auch hier in Deutschland Arbeit zu finden. Sie hatte ein hohes Sprachniveau erreicht. Das wollte auch Iman A. Sie fragte deshalb Sana E., ob sie ihr vor ihrer eigenen Deutschprüfung beim Lernen helfen konnte.

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Als Sana E. am 17. August dieses Jahres bei ihrer Bekannten anrief, um zu besprechen, wann und wo sie sich zum Lernen treffen wollen, ahnte sie nicht, welch dramatische Szenen sie in den nächsten zwei Tagen erleben würde. Diese schilderte sie nun vor dem Amtsgericht Pirna als Zeugin.

Frau hat Angst vor der Polizei

Sana E. kannte die 28-jährige Iman A. bisher nur flüchtig. Sie wusste, dass sie zwei Kinder hat. Am Telefon fing die Frau plötzlich an zu weinen. Iman erzählte, dass sie schwanger sei und ihr Mann Wais A. sie zum Abbruch der Schwangerschaft zwingen wolle. Er habe sie vorhin auf die Gleise am S-Bahn Haltepunkt Pirna-Copitz geschubst, erzählte sie am Telefon. Nun habe er ihre beiden Kinder, die nicht seine leiblichen Kinder sind, entführt. Als Sana E. das hörte, machte sie sich zusammen mit ihren beiden Kindern auf den Weg zu Iman. Immer wieder legte sie ihr nahe, die Polizei zu rufen. Doch genau davor hatte Iman Angst. Sie schlug stattdessen vor, zu den Eltern ihres Mannes Wais A. zu fahren und den Vater um Hilfe zu bitten. Doch dieser half ihr nicht.

Am nächsten Tag rief Iman erneut bei Sana an. Sie sei beim Einkaufen und brauche Geld. Sana E. wollte auf dieses Mal helfen und stieg ins Auto. Von Iman erfuhr sie, dass Wais A. spät am Abend mit den Kindern zurückgekommen war. Er habe seine schwangere Frau danach mit einem Messer bedroht, um an ihre EC-Karte und Schlüssel zu kommen.

Sana E. versuchte selbst, mit Wais A. am Telefon zu sprechen, zu vermitteln. Der Versuch scheiterte. Der Mann sprach von Scheidung und bedrohte jetzt auch sie. Sana E. wollte deshalb Iman und ihre Kinder übergangsweise bei sich aufnehmen. Sie holte die drei mit dem Auto ab.

Auf offener Straße beschimpft und bedroht

Sie waren erst wenige Meter gefahren, als plötzlich ein Radfahrer auf sie zufuhr. Der Mann ließ das Fahrrad fallen und sprang auf die Motorhaube. Iman A. und ihre Kinder kreischten, als sie Wais A. erkannten. Er schrie und fuchtelte mit den Armen vor der Windschutzscheibe herum. Er wollte, dass die Kinder aussteigen, beschimpfte die Frauen und drohte ihnen. Er könne schnell seine zwei Brüder und den Onkel holen. Die würden bezeugen, dass er von Sana E. angefahren worden sei. Die drei Männer tauchten tatsächlich kurze Zeit später auf, nachdem Wais A. sie angerufen hatte.

Doch Sana E. rief nun selbst die Polizei. Als die Sirene zu hören war, sprang Wais A. plötzlich vom Auto und setze sich auf die Straße neben das Fahrrad. Seiner Darstellung schenkte die Polizei keinen Glauben. Zwei Zeugen hatten von verschiedenen Standorten aus beobachtet, dass die Brüder und der Onkel erst später dazugekommen waren. Auch gab es weder am Fahrrad noch am Auto Unfallspuren.

Auf dem Polizeirevier erzählte Iman A. den Beamten, was ihr an den letzten beiden Tagen widerfahren war. Die Anschuldigungen gegen ihren Mann Wais A., den sie nach islamischem Recht zwar geheiratet hatte - nicht aber standesamtlich - führten schließlich zu dessen Verhaftung und einer Anklage wegen Körperverletzung, Entziehung Minderjähriger, Nötigung, Diebstahl und Sachbeschädigung.

Handynachrichten als Beweise

Vor dem Pirnaer Gericht wurden nicht nur Zeugen gehört, sondern auch die Whatsapp-Nachrichten zwischen Wais A. und seiner Frau als Beweise herangezogen. Das Gericht kommt am Ende zu dem Schluss, dass sich alles wie in der Anklageschrift beschrieben, zugetragen haben muss. Wais A. stand zum Zeitpunkt der Taten unter Bewährung. Im April 2019 war er wegen gefährlicher Körperverletzung verurteilt worden.

Zu einem Jahr und zwei Monaten ohne Bewährung verurteilt ihn nun das Gericht. Unter strengen Auflagen kommt Wais A. vorläufig auf freien Fuß. Er muss sich dreimal wöchentlich beim Polizeirevier melden, soll an seiner gemeldeten Adresse wohnen bleiben und darf sich dem Opfer und ihren Kindern nicht nähern. Gegen das Urteil kann binnen einer Woche Rechtsmittel eingelegt werden.

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