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Was kann die Grippeschutzimpfung?

Husten und Schnupfen gehören zum Herbst. Die Debatte um Grippe und Impfung auch. Drei Kinderärztinnen aus Heidenau sagen, was auf uns zukommt.

Spray statt Spritze: Das ist die Grippeschutzimpfung für Zwei- bis Siebenjährige.
Spray statt Spritze: Das ist die Grippeschutzimpfung für Zwei- bis Siebenjährige. © Norbert Millauer

Herbstzeit,  Erkältungszeit. Was ist dieses Jahr anders als bisher, was erwartet uns und was bringt das Impfen? Sächsische.de sprach mit den Ärztinnen Petra Schütze, Dr. Katharina Heisch und Dr. Svea Sallmann. Sie führen die Kinder- und Jugendarztpraxis auf der Heidenauer Ernst-Thälmann-Straße und beantworten Fragen zur allgemeinen Situation und zu ihrer Praxis. 

Hat die Erkältungszeit schon begonnen?

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Ja, schon vor etwa vier Wochen. Das ist im Prinzip jedes Jahr die Zeit der Zunahme von Erkältungserkrankungen.

Wer sind die Ersten, die es erwischt?

Während es sonst eher die kleineren Kinder waren, sind es dieses Jahr mehr Jugendliche, die mit Schnupfen und Halsschmerzen kommen.

Wie wird die aktuelle Erkältungssaison verlaufen?

Wir denken, sie wird nicht wesentlich anders verlaufen als in den Vorjahren.

Wann testen Sie auf Corona?

Dafür gibt es klare Empfehlungen der Berufsverbände und Vorgaben des Robert-Koch-Institutes. Voraussetzung ist das Vorliegen verdächtiger Symptome.

Das sind welche?

Hohes Fieber und Erkrankungszeichen der tiefen Atemwege, verbunden mit Atemnot, sind typische Symptome, bei denen ein Test sinnvoll ist. Bei Kindern kommt Durchfall hinzu, bei Größeren der Verlust des Geschmackssinns.

Wie lange muss auf das Ergebnis gewartet werden?

Wir geben die Proben ins Labor. Für vormittags genommene Proben liegt das Ergebnis in der Regel am nächsten Tag vor, für spätere am übernächsten Tag.

Gab es bei Ihnen schon positive Testergebnisse?

Nein.

Wie reagieren die Eltern in diesem Jahr auf die ersten Erkältungen?

Wir stellen fest, dass die Kinder von den Schulen und Kitas schneller nach Hause geschickt werden. Seit Mitte September gibt es eine gute Handlungsanweisung, wie im Fall von Erkältungssymptomen vorgegangen werden soll. Meist befürchten die Eltern auch keine schwerwiegende Erkrankung, da sie die üblichen Erkältungssymptome dieser Jahreszeit bereits kennen.

© SZ Grafik

Hat sich das Verhalten der Eltern hinsichtlich der Grippeimpfung verändert?

Es gibt mehr Eltern, die sich bzw. ihre Kinder bisher nicht impfen ließen, aber jetzt verstärkt nachfragen. Prinzipiell kann jeder geimpft werden. Die großen Krankenkassen bezahlen die Impfung auch, wenn keine Grunderkrankung vorliegt. Einige kleinere jedoch nur dann. Dazu sollte man sich im Zweifelsfall bei der Krankenkasse erkundigen.

Prinzipiell jeder heißt ab welchem Alter?

Ab einem halben Jahr können Kinder geimpft werden. Für Zwei- bis Siebenjährige gibt es den nasalen Impfstoff, also einen Nasenspray. Der tut nicht so weh wie ein Piecks und wird ebenfalls von den gängigen Krankenkassen bezahlt.

Welchen Unterschied gibt es zwischen dem Spray und der Spritze?

Der Nasenspray tut nicht weh. Die Wirksamkeit des Sprays schneidet in der Altersgruppe der Zwei- bis Siebenjährigen besser ab. Die Verträglichkeit ist gleich gut.

Was sagen Sie Impfgegnern bzw. -kritikern?

Die meisten Eltern sind sehr aufgeschlossen und wir besprechen Fragen zu Impfungen bei der Vorsorge immer wieder. Nach der Grippeschutzimpfung im Besonderen fragen die Impfgegner in der Regel nicht.

Oft wird ja gesagt, ich bin trotz Impfung erkrankt. Was antworten Sie dann?

Das ist durchaus möglich. Der Impfstoff wird mit etwa einem halben Jahr Vorlauf hergestellt. Er beinhaltet die Komponenten, die zu diesem Zeitpunkt erwartet werden können. Es kann deshalb wie vor zwei Jahren sein, dass eine Grippe auftritt, die von einer anderen Komponente verursacht wird. Oft werden auch grippeähnliche Infekte, die in den Wintermonaten häufig sind, als Grippe angesehen.

Wann ist die beste Zeit für die Grippeimpfung?

Zwischen Anfang Oktober und Januar, aber auch noch im März. Es dauert 14 Tage, bis die Immunität hergestellt ist. Sie hält mindestens sechs bis sieben Monate an.

Man soll zum Zeitpunkt der Impfung nicht krank sein, richtig?

Man soll kein hohes Fieber haben. Wir empfehlen eine Karenzzeit von zwei Tagen, also zwei Tage vor der Impfung sollte man fieberfrei sein. Ein kleiner Schnupfen ist kein Hinderungsgrund.

Und die Nebenwirkungen?

Das sind in wenigen Fällen etwas Fieber oder Abgeschlagenheit.

Wie sind Sie als Ärzte und Ihre Praxis auf die kommenden Wochen vorbereitet?

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Wir haben vorgesorgt. Organisatorisch, indem wir schon seit dem Frühjahr auch akut erkrankte Patienten bzw. deren Eltern bitten, morgens ab 7.15 Uhr anzurufen, damit wir sie zu einem Termin bestellen können, damit immer nur wenige Personen in der Praxis sind. Wir haben Zeitfenster für potenziell infektiös Erkrankte, die auch noch etwas Luft haben, wenn die Zahl der Erkrankten ansteigt. Mit nunmehr drei Ärztinnen sind wir auch auf noch mehr Patienten vorbereitet. Und selbstverständlich tragen wir Maske und achten auf die  Hygienemaßnahmen.

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