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Gefälschte Impfausweise: "Unbegreiflich"

In der Sächsischen Schweiz soll eine Ärztin Masernimpfungen bestätigt haben, ohne tatsächlich geimpft zu haben. Das Unverständnis ist groß. Die Gefahr auch.

Alles in Ordnung? Für den medizinischen Laien sind Fälschungen oder unrichtige Einträge nicht auf den ersten Blick erkennbar.
Alles in Ordnung? Für den medizinischen Laien sind Fälschungen oder unrichtige Einträge nicht auf den ersten Blick erkennbar. © Foto: SZ

Die Staatsanwaltschaft ermittelt gegen eine Ärztin aus der Sächsischen Schweiz wegen der Fälschung von Impfausweisen. Sie soll zwischen Februar und August vergangenen Jahres in vier Fällen Masernimpfungen in Impfausweisen bestätigt haben, obwohl sie nicht durchgeführt wurden. Stattdessen habe sie "homöopathisch geimpft“, sagt die Sächsische Landesärztekammer. Die betroffene Ärztin ist Jahrgang 1960. Mehr ist aktuell nicht bekannt, da es sich um ein laufendes Verfahren handelt. Entsprechend groß sind Spekulationen: Um wen handelt es sich und wie flog der Schwindel auf?

Medizinische Laien getäuscht

Die Masernimpfung ist seit März 2020 für die Aufnahme in Kinder- und Gemeinschaftseinrichtungen gesetzlich vorgeschrieben. Bei Ärzten sei die Masernimpfung kein Thema, sagt Otis Lorenz, Unfall- und Handchirurg sowie Vorsitzender der Kreisärztekammer. Eher unter Eltern. Manche von ihnen halten das für überflüssig, wenn nicht gar schädlich. Kreisärzte-Chef Lorenz sagt: Aus medizinischer Sicht ist das der Ärztin vorgehaltene Verhalten nicht nachvollziehbar.

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Unverständlich ist es auch für die Heidenauer Kinderärztin Petra Schütze. Die sogenannten "homöopathischen Impfungen" haben keine wissenschaftlich belegten Daten über den Aufbau eines Immunschutzes und entsprechen deshalb nicht den Anforderungen des Masernschutzgesetzes, sagt sie.

Mit der Eintragung einer solchen "Impfung" in ein Impfdokument werde gegenüber medizinischen Laien, die in den Einrichtungen das Dokument kontrollieren, die Einhaltung der Regelungen des Masernschutzgesetzes vorgetäuscht, sagt Petra Schütze. "Sollte dann auch noch eine Impfung mit korrektem Impfstoff in den Ausweis eingetragen worden sein, ohne dass die Impfung durchgeführt wurde, ist das Verhalten der Ärztin schlichtweg unbegreiflich."

Einzelne Fragen von Eltern zur Masernimpfung

Die Nachfrage nach Masernimpfungen hat sich in den Arztpraxen seit der Einführung der Impfpflicht kaum verändert. Der Grund ist, dass die einzelnen Impfungen in der Regel im Zusammenhang mit den Vorsorgeuntersuchungen besprochen werden. Lediglich die Termine fürs Impfen orientieren sich seither stärker an dem Zeitpunkt der Aufnahme in eine Kindereinrichtung.

Es gebe auch in der Gemeinschaftspraxis von Petra Schütze in Heidenau einzelne Eltern, die nach Alternativen zur Durchführung der empfohlenen zwei Impfungen fragen, zum Beispiel nach Möglichkeiten des Nachweises eines Immunschutzes über eine Antikörperbestimmung.

"Nach einer Impfeintragung in den Impfausweis ohne Durchführung der Impfung hat meines Wissens noch niemand gefragt", sagt Petra Schütze. Der aktuelle Zustand der Kindergesundheit sei zu einem großen Anteil durch die Schutzimpfungen erreicht worden, sagt sie. "Wer davor die Augen verschließt und gegen die Durchführung von Impfungen berät, schadet der gesamten kinderärztlichen Berufsgruppe und den uns anvertrauten Kindern und Jugendlichen."

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Der Fall der Ärztin, sollte er sich so bestätigen, sei ein Einzelfall, sagt Otis Lorenz, von der Kreisärztekammer. Bei den vielen Ärzten und vielen Impfungen, die erfolgen, sollte das Verhalten zwar geahndet, aber nicht hochgeputscht werden. Auf welche Ideen Ärztekollegen anscheinend so kommen, überrascht und verwundert aber auch Lorenz. Die Ermittlungen der Staatsanwaltschaft werden noch längere Zeit dauern.

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