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Wie ein Pirnaer seinen Sohn allein erzieht

Ein Kind wird geboren. So viel Freude. Ein 27-Jähriger kann sie nicht teilen. Die Mutter will das Kind nicht.

Von Heike Sabel
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Ein Kind ist ein Lichtblick. Für seinen kleinen Sohn hat ein Pirnaer viel aufgegeben und Hilfe bekommen.
Ein Kind ist ein Lichtblick. Für seinen kleinen Sohn hat ein Pirnaer viel aufgegeben und Hilfe bekommen. © dpa

Sie wollte das Kind und die Partnerschaft nicht. Also trennte sich die Frau von Andreas (Name geändert). Das Kind gebärt sie, der Vater kümmert sich darum. So hatten es beide schon vor der Geburt geklärt und mit dem Jugendamt abgesprochen. Andreas sollte das Kind allein versorgen und erziehen.

Im Dezember vergangenen Jahres, vier Monate vor der Geburt, zog er deshalb von seiner Ein-Raum-Wohnung in eine größere. Die Kaution für die Wohnung und den Umzug sowie die Einrichtung bezahlte er von seinem Lohn und durch private Kredite. Auch Kinderwagen, Wickelkommode und die weitere Erstausstattung für das Baby finanzierte er so. Anträge auf Unterstützung konnte er damals noch nicht stellen. Hilfe für die Erstausstattung kann zudem nur die Mutter beantragen. Das hat sie auch. Doch weil sie kurz hintereinander drei weitere Kinder geboren hatte, die bei ihr leben, fiel die finanzielle Hilfe gering aus. Sie hat zwar die Gelder für den kleinen Sohn zum größten Teil Andreas gegeben, doch sie reichten nicht. Wieder bat Andreas Freunde um Hilfe.

Anträge erst nach Geburt möglich

Dazu kam die Unsicherheit, ob die Mutter das Kind nach der Geburt wirklich ihm anvertraut. Wenn nicht, wären alle Ausgaben umsonst gewesen. Diese Sorge war am Ende umsonst. Doch bis alle Ämter die ihm zustehenden Gelder zahlen, folgte eine lange Durststrecke. Eltern- und Kindergeld zum Beispiel können erst nach der Geburt beantragt werden, die Bearbeitung dauert sechs bis acht Wochen. So ein kleiner neuer Erdenmensch braucht neben ganz viel Liebe, die ihm Andreas gibt, auch viel Geld. Außerdem wollte Andreas seinen Freunden das geliehene Geld zurückzahlen. Ohne Arbeit fehlt dafür auch das geregelte Einkommen. Sein Lohn vorher betrug rund 1.500 Euro monatlich, davon konnte er nicht viel sparen.

  • Die Stiftung Lichtblick veranstaltet dieses Jahr die 26. Spendensaison für in Not geratene Menschen. Die Spenden können online überwiesen über www.lichtblick-sachsen.de/jetztspenden. Konto-Nummer: Ostsächsische Sparkasse Dresden, BIC: OSDDDE81IBAN: DE88 8505 0300 3120 0017 74
  • Hilfesuchende wenden sich bitte an Sozialeinrichtungen ihrer Region wie Diakonie, Caritas, DRK, Volkssolidarität, Jugend- und Sozialämter.
  • Erreichbar ist Lichtblick telefonisch Dienstag und Donnerstag von 10 bis 15 Uhr unter 0351/4864 2846, Fax: - 9661.
  • [email protected]
  • Sächsische Zeitung, Stiftung Lichtblick, 01055 Dresden
  • www.lichtblick-sachsen.de

Die Lichtblick-Stiftung erkannte die besondere Situation von Andreas, der sich mit der Bitte um Hilfe an die Diakonie gewandt hatte. Das Schicksal des Pirnaers, sein Engagement und seine Aufopferung berühren. Oft sind es die Geschichten alleinerziehender Mütter, mit denen Helfer von Diakonie und anderen sozialen Einrichtungen sowie von Lichtblick konfrontiert werden. Oft sind es die Väter, die sich aus dem Staub machen. Hier aber ist es die Frau und Mutter, die das Kind nicht möchte, und der Vater, der die Verantwortung übernimmt.