merken
PLUS Pirna

Lohmen: Streit nach Ballon-Landung auf dem Acker

Ein Landwirt soll wutentbrannt über die Stoffhülle gefahren sein. War es Absicht oder nicht? Für ein Urteil am Strafgericht ist das entscheidend.

Heißluftballon in Krippen. Ein ähnlicher Ballon wurde in Lohmen bei einem Zwischenfall beschädigt.
Heißluftballon in Krippen. Ein ähnlicher Ballon wurde in Lohmen bei einem Zwischenfall beschädigt. © SZ/Gunnar Klehm

Von Friederike Hohmann

Anzeige
Romantik pur - zu jeder Jahreszeit
Romantik pur - zu jeder Jahreszeit

Willkommen in einer der romantischsten Städte Deutschlands voll von märchenhafter Schönheit, Leidenschaft und herzergreifenden Geschichten.

Die Fahrt mit einem Heißluftballon ist für viele Menschen ein ganz besonderes Erlebnis. Aus der Vogelperspektive hat man seine Heimat zuvor meist noch nie gesehen. Und auch die Menschen am Boden erfreuen sich daran, wenn die farbenfrohen Ballone am blauen Himmel leuchten, besonders an klaren Herbsttagen.

Aber es gibt auch andere, denen die Ballons nicht passen. Viele Landwirte sind nicht gut auf die Unternehmen zu sprechen, deren Piloten die Gefährte auf ihren Äckern zu Boden kommen lassen. Einige haben sich aber auch damit abgefunden, bekommen sie doch hin und wieder einen Schein zugesteckt, wenn sie zufällig mitbekommen, dass wieder ein Ballon auf ihrer Wiese landet.

Die Piloten müssen zwar für jede Fahrt eine Starterlaubnis einholen, dürfen aber ohne Erlaubnis auf fremdem Boden landen. Auch dürfen sie nicht am Abtransport des Ballons gehindert werden. Falls bei der Landung Flurschäden entstehen, können die Eigentümer Schadenersatz verlangen. Das erfordert allerdings bürokratischen Aufwand, sodass mancher sich lieber die „Landegebühr“ direkt in die Hand drücken lässt, oft auch, ohne dass ein nennenswerter Schaden entstand. Nur ganz selten können die Ballonfahrer es nicht vermeiden, auf Feldern zu landen, auf denen Frucht steht.

Landwirt R. aus Lohmen war sehr aufgebracht, als ihm seine Frau an einem Septemberabend kurz vor Sonnenuntergang sagte, die Schwester hätte angerufen und gesehen, dass gerade ein Ballon auf seiner Wiese gelandet war. Wollte er doch wenige Tage später noch einmal mähen. In der letzten Zeit hatten sich mehrmals Piloten geweigert, ihm ohne Weiteres Geld zu zahlen und auf ihr Recht aus dem Luftverkehrsgesetz gepocht. Was danach folgte, ist nun Gegenstand eines Strafprozesses am Amtsgericht Pirna.

Wutentbrannt setzte sich R. in seinen Jeep und fuhr zu seinem Stück Land. Dort war die Ballon-Besatzung guter Dinge und unterhielt sich über die schöne Fahrt über die Sächsische Schweiz. Der Ballon lag schon als zusammengerollter Schlauch am Boden und sollte gerade für den Abtransport verpackt werden. Der Landwirt hielt direkt darauf zu und blieb mit blockierten Rädern mitten auf dem Ballon stehen. Dann nannte er den Piloten einen Idioten und schimpfte fürchterlich. Einige Passagiere versuchten zu schlichten. Der Pilot hatte kein Bargeld einstecken, so legten die Passagiere zusammen und übergaben dem Landwirt 30 Euro, der daraufhin davonfuhr. So zumindest wird der Fall im Gerichtssaal geschildert.

Bei einer Sicherheitsprüfung stellte sich später heraus, dass Teile der Ballonhülle durch das Überfahren Schaden genommen hatten. Die Reparatur kostete etwa 2.600 Euro. Fuhr Landwirt R. nun absichtlich oder versehentlich über den Ballon? Diese Frage ist für das Gericht entscheidend, denn nur die vorsätzliche Sachbeschädigung ist strafbar. Durch seinen Verteidiger lässt R. vortragen, er habe den am Boden liegenden Ballon gar nicht wahrgenommen. Daran, was er zum Piloten sagte, kann er sich nicht mehr erinnern.

Ob die in der Anklage erhobenen Vorwürfe berechtigt sind, muss das Gericht nun in einem weiteren Termin klären, um ein Urteil zu fällen. Den Anspruch wegen Sachbeschädigung kann die Firma als Geschädigte aber auch ohne strafrechtliche Verurteilung auf dem zivilrechtlichen Weg gegenüber dem Landwirt geltend machen.

Mehr zum Thema Pirna