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Der dem Volk aufs Maul schaute

Bernd Richter ist im Alter von 78 Jahren verstorben. Der Pfarrer prägte den Pirnaer Sonnenstein mit dem Kirchenbau und einem Kabarett.

So behalten viele Bernd Richter in Erinnerung. Das Foto stammt von 2004 aus seiner Zeit als Sendebeauftragter der Landeskirche.
So behalten viele Bernd Richter in Erinnerung. Das Foto stammt von 2004 aus seiner Zeit als Sendebeauftragter der Landeskirche. © MDR/RALF U. HEINRICH

Er ist einer von denen, die immer noch da sind, auch wenn sie schon lange weg sind. Bernd Richter wurde 1997 Rundfunkbeauftragter und verließ die Pirnaer Sonnenstein-Gemeinde. Trotzdem erinnert man sich nicht nur hier immer wieder an ihn. Nun ist Bernd Richter in Dresden verstorben. Das in seiner Amtszeit gebaute Sonnensteiner Gemeindezentrum und seine humorvolle Art bleiben. Er konnte Ostern und Weihnachten so erklären, dass es jeder verstand. Und er war einer von denen, die den Glauben im Herz tragen und mit beiden Beinen auf der Erde stehen - ganz im Sinne von Luther, der riet dem Volk aufs Maul zu schauen, ohne ihm nach selbigem zu reden.

Dresden, Pirna, Dohna und zurück

Bernd Richter stammte aus Dresden und lernte nach der Schule Werkzeugmacher. In diesem Beruf arbeitete er kurze Zeit im VEB Pentacon. 1961 entschied er sich für ein Theologiestudium in Leipzig. Nach dem Vorbereitungsdienst in Dohna und dem Zweiten Theologischen Examen wurde Richter 1970 in der Marienkirche Dohna ordiniert. Zwei Jahre später wechselte er in die Pirnaer Marienkirchgemeinde und war dort zugleich acht Jahre lang Jugendpfarrer des Kirchenbezirks Pirna. 1982 übernahm Richter das inzwischen selbstständig gewordene Pfarramt im Neubaugebiet Pirna-Sonnenstein, wo er bis zu seiner Berufung zum Rundfunkbeauftragten 1997 blieb. Der Bau des neuen Kirchgemeindezentrums und der Aufbau einer neuen Gemeinde machten über die Region hinaus Schlagzeilen. Ein Kirchenbau war zu DDR-Zeiten selten.

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Bernd Richter bei der Grundsteinlegung für das Gemeindezentrum auf dem Pirnaer Sonnenstein 1986.
Bernd Richter bei der Grundsteinlegung für das Gemeindezentrum auf dem Pirnaer Sonnenstein 1986. © Archiv Kirchgemeinde

Der Dezernent für Medien im Landeskirchenamt, Oberlandeskirchenrat Karl Ludwig Ihmels, erinnert sich an Bernd Richter: „Unvergessen sind seine humorvolle Art und seine ansteckende Fröhlichkeit. Sie öffneten ihm Türen und Herzen der Menschen. Auf kaum nachzuahmende Weise brachte er so den christlichen Glauben ins Gespräch", sagt er. Richter verstand es, Gott und den Glauben auch denen verständlich zu machen, denen beide nicht nahe waren. Er redete nicht immer davon, sondern lebte es und knüpfte immer an das an, was die Menschen gerade erlebten. Egal, ob es in der DDR war oder nach der Wende. Bereits zu DDR-Zeiten vertrat Richter die sächsische Landeskirche im Medienbeirat des Bundes der Evangelischen Kirchen und war einige Jahre Vorsitzender des Medienbeirates. Zu seiner Art, das Leben und Gott zu verstehen und zu vermitteln, gehörte auch das Kirchenkabarett.

Zehn Jahre beim Rundfunk

Zehn Jahre, von 1997 bis 2007, war Richter als Rundfunkbeauftragter der Landeskirche Sachsens für kirchliche Sendungen im öffentlich-rechtlichen Rundfunk zuständig. Dazu gehörten das morgendliche „Wort zum Tag“ und die Übertragung von Hörfunkgottesdiensten aus den Gemeinden der Landeskirche. Als Senderbeauftragter vertrat er alle evangelischen Landeskirchen, die im Sendegebiet des Mitteldeutschen Rundfunks liegen. Auch nach seiner Pensionierung im Sommer 2007 beantwortete er in MDR-Radiosendungen Hörerfragen und war darüber hinaus ein gern gesehener und gehörter Gesprächspartner.

Die Trauerfeier für Pfarrer Bernd Richter fand im engsten Familienkreis statt.

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