merken
PLUS Pirna

Auf den Spuren des Maxener Rabenhorstes

Die Reste eines um 1820 angelegten Parks wurden erst 1998 wieder entdeckt. Heute braucht man gutes Schuhwerk für eine Visite und wird am Ende belohnt.

Eine der Überreste der einstigen Bastionen in dem einst romantischen Park.
Eine der Überreste der einstigen Bastionen in dem einst romantischen Park. © Matthias Schildbach

Von Matthias Schildbach

Manchmal kommt beim Aufräumen etwas zum Vorschein, was man schon fast vergessen hat. So war es auch 1998 in Maxen. Damals wurden hier die steilen Felshänge der Müglitz von überaltertem Bewuchs abgerodet und gesichert. Dabei wurden die künstlich angelegten Bastionen oder „Türmchen“, aus Natursteinen angelegte Aussichtspunkte auf den Felsvorsprüngen, wiederentdeckt. Das Wegenetz an den Hängen, das sie miteinander verband, war kaum noch erkennbar und durch Erosion verwaschen.

Anzeige
Die Leser auf allen Ebenen begeistern
Die Leser auf allen Ebenen begeistern

Alles dreht sich heutzutage um Content und um die beste Art, diesen aufzubereiten und vermarkten zu können. Die HUP GmbH bietet Lösungen.

Der Heimatverein Maxen bemühte sich in den folgenden Jahren um das geschichtliche Erbe und konnte auch den Ursprung der Bastionen aufklären. Es handelte sich um die Reste des einstigen „Rabenhorstes“, einer um 1820 künstlich angelegten romantischen Parkanlage.

Die Frau des damaligen Rittergutsbesitzers Major Serre, der von 1819 bis 1863 Herr auf Maxen war, hatte ihn errichten lassen. 1836 weilte das Wunderkind Clara Wieck als Gast auf Schloss Maxen. Dabei wurde der Rabenhorst zum ersten Mal erwähnt, den sie in ihrem Tagebuch als Rabenstein bezeichnete. Clara Wieck heiratete später den Komponisten Robert Schumann und zierte ein Jahrhundert später die 100 Deutsche Mark-Banknote.

Foto: Matthias Schildbach
Foto: Matthias Schildbach © Matthias Schildbach

Sehr gut beschrieben wurde die Anlage in der „Kreischaer Dorfzeitung“ vom 2. September 1847:

„. . . Kunst und Natur haben hier gewissermaßen miteinander gewetteifert, auf einem verhältnismäßig kleinen Raume eine Schöpfung hervorzubringen, die den sinnigen Wanderer mit stillem Entzücken erfüllt. Bald ladet ihn ein basteiartiger, mit zierlichen Tempelchen überbauter Felsenvorsprung ein, den Blick hinabzusenken, wo unten in schwindelnder Tiefe friedliche die rote Müglitz dahinschlängelt, bald verlockt ihn eine mit Efeu gezierte in einer Felsennische angebrachte Bank zum Niedersitzen, bald reizt ein groteskes Rindenhäuschen seine Neugierde, . . . Bäume und Sträuche beschatten melancholisch die Gänge, die von vielen Ruhesitzen mannichfacher Art unterbrochen mit Hilfe bequemer Stufen, kleiner Brücken u.s.w. bald auf-, bald abwärts führen.“

Jugendlicher Vandalismus 1891

Selbst Hans Christian Andersens Besuch an den Felsbastionen im Juli 1844 ist verbürgt. 1855 trug Andersen am Rabenhorst sein Märchen „Das Schwanennest“ vor. Im Juli jenes Jahres wurde bei einer Feier im Schlosspark unter Beteiligung großer Dresdner Honoratioren eine Gedenktafel mit der Aufschrift „Dem dänischen Schwan. 11. Juli 1855.“ geweiht. Andersen selbst war nicht zugegen und traf erst später ein. Am 18. Juli trieb es ihn zum Rabenhorst und er fand die Tafel. Als Andersen 1861 erneut in Maxen weilte, stellte er mit Bedauern fest, dass die Tafel umgekippt wurde. 30 Jahre später beschädigten Jugendliche 1891 die Basteien am Rabenhorst 1891 so schwer, dass der Besitzer das Betreten der Anlagen verbot.

Mit diesem Blick auf die Müglitz wird belohnt, wer sich über die teils schwer begehbaren Wege vorgearbeitet hat.
Mit diesem Blick auf die Müglitz wird belohnt, wer sich über die teils schwer begehbaren Wege vorgearbeitet hat. © Matthias Schildbach

Der „Bote vom Wilisch“ schrieb im September 1918:

„. . . Zwischen den Bahnstationen Häselich und Burkhardswalde – Maxen ragen auf dem westlichen Höhenzuge mehrere kastellartig angelegte Mauerreste empor, die wegen ihrer prächtigen Lage den dort beginnenden Teil des Tales den Namen Klein-Tirol verschafft haben. Es handelt sich um Aussichtspunkte, die jedenfalls vor längerer Zeit mit runden, aus dem dort befindlichen Schiefergestein hergestellten Brustwehren versehen sind. . . .“ Anscheinend war die Anlage schon um 1918 in Vergessenheit geraten, zumindest trugen die Bastionen hier schon einen anderen Namen.

Blick von der Bastion auf die Müglitz

Heute steht der Rabenhorst als Teil des Ensembles Rittergut Maxen unter Denkmalschutz. Wer die Überreste dieser wild-romantischen Anlagen erklimmen möchte, sollte den Weg vom Maxener Schlosstorbogen ostwärts einschlagen, der von dort aus zum Blauen Häusel führt. Auf halbem Weg folgt der Wanderer linker Hand dem geradlinigen Feldweg, der ihn an die Klippe des Müglitztalfelsens führt. Ab hier gilt, Augen auf, entdecken und aufpassen, denn die Wege sind zum Teil zerstört und nur schwer begehbar. Steht man dann auf einer der alten Bastionen, bietet sich ein erhebender Blick auf das schöne Tal der nicht mehr ganz so wilden Müglitz.

Mehr Nachrichten aus Pirna lesen Sie hier.

Täglichen kostenlosen Newsletter bestellen.

Mehr zum Thema Pirna