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Riesenrad am Lugturm verschwindet

84 Tage stand es in Heidenau, erfreute Besucher, verärgerte Anwohner und half Schausteller Bernd Schubert. Wo und wann er es wieder aufbauen darf, weiß er nicht.

Erst die Gondeln, dann ihre Dächer und die Speichen, und dann ist es wieder verschwunden: Das Riesenrad am Lugturm.
Erst die Gondeln, dann ihre Dächer und die Speichen, und dann ist es wieder verschwunden: Das Riesenrad am Lugturm. © Norbert Millauer

Abbauen geht schneller als aufbauen. Zwei Tage aber wird es trotzdem dauern, bis das Riesenrad am Lugturm verschwunden ist. Schausteller Bernd Schubert dirigiert seine vier jungen Helfer. Die Gondeln werden als Erstes abgebaut, dann die Gondeldächer. Bei den Speichen kommt es darauf an, dass sie synchron entfernt werden. "Sonst wird es gefährlich." War es bisher aber noch nie. Höchstens mal ein paar eingequetschte Finger. Und das in nunmehr 40 Jahren Selbstständigkeit und bei etwa 500-mal auf- und abbauen.

Das Riesenrad vom Großvater

Das nächste Mal hätte Schubert sein Riesenrad auf dem Dresdner Striezelmarkt aufgebaut. Doch daraus wird nun nichts. Weil auch aus allem anderen dieses Jahr nichts wurde, war Schubert über die drei Monate am Lugturm froh. Seit Mitte August bis letztes Wochenende drehte es sich immer freitagabends, sonnabends und sonntags nach dem Mittag. Anlass war das 140-jährige Lugturm-Jubiläum.

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Schubert hat das Riesenrad 1992 gekauft. Bei guter Pflege hält es ewig, sagt er. Das hölzerne seines Großvaters stammt immerhin von 1902 und dreht sich immer noch, wenn es denn darf. Auch das hätte jetzt bald wieder auf dem Striezelmarkt gestanden. Traurig und bedauerlich, aber nicht zu ändern, sagt Schubert. Er stammt aus einer Schaustellerfamilie und bereut sein Schaustellerleben auch jetzt nicht. Eigentlich sollte einer der Schwiegersöhne das Geschäft übernehmen. Im Moment sieht es nicht danach aus, sagt Schubert und hofft auf wieder bessere Zeiten. 

Lugturm ist einer der Top-Standorte

Die drei Monate auf dem Lugturm haben Schubert dieses Jahr sehr geholfen. Und der Standort ist einer seiner drei schönsten bzw. besten gewesen, sagt er. Der Striezelmarkt ist natürlich der unangefochtene Spitzenreiter, auf dem Zwickauer Stadtfest ist das Riesenrad der Höhepunkt, und der Lugturm war von der Lage und Aussicht der Hit. 

Etliche Anwohner haben das nicht ganz so positiv gesehen. Schließlich zog das Riesenrad zusätzlich Besucher. Vor allem die, die mit dem Auto kamen und statt auf dem extra bereitgestellten Platz entlang der schmalen Straße parkten, sorgten für Ärger. Auch über Lärm und Rauch von den großen Feuerschalen beklagten sie sich. Zudem befürchteten sie, dass der Lugturm zu einem Rummelplatz werden könnte. Das aber hat Pächter Genschmar nicht vor. 

In einem Gespräch mit ihm und Bürgermeister Jürgen Opitz wurde um gegenseitiges Verständnis gerungen. Ohne Riesenrad werden weniger Leute kommen, trotzdem bleibt der Lugturm ein beliebtes Ausflugsziel. Schubert jedenfalls ist allen dankbar, die sein Riesenrad ermöglichten und mitfuhren. Er ließ es auch laufen, wenn nur eine Gondel besetzt war. Das aber war selten. Nur an drei der geplanten Fahrtage konnte er es wegen Dauerregens nicht einschalten. Manche seien auch mehrfach da gewesen, sagt Schubert. Die Schlange war immer überschaubar und das beleuchtete Riesenrad abends weithin sichtbar.

Wo dreht sich das Riesenrad nächstes Jahr?

Die Teile des Riesenrades werden nun bei Schuberts zu Hause in Dresden-Mobschatz eingelagert. Wo und wann er sie wieder aufbauen kann, weiß er nicht.  Für nächstes Jahr hat er vielleicht zwei Stellmöglichkeiten am Dresdner Fernsehturm. "Aber im Moment legt sich niemand auf etwas fest." Schubert hat in all den Jahren mit all den Hochs und Tiefs seinen Humor behalten. "Wir sparen ja jetzt auch, da wir in keinen Urlaub fahren können." Darauf kann er verzichten. Doch ein Riesenrad ist dazu da, dass es sich dreht ...

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