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Wie Schulen die neue Normalität organisieren

Alle dürfen wieder zusammen lernen. Trotzdem gibt es Unterschiede, noch ist nicht alles im Vor-Corona-Modus. Vier Beispiele, die zeigen, was sich ändert.

Es ist ein bisschen wie Schulanfang kurz vorm Schuljahresende: Schüler und Lehrer freuen sich auf die Normalität, die trotzdem noch nicht wieder normal ist.
Es ist ein bisschen wie Schulanfang kurz vorm Schuljahresende: Schüler und Lehrer freuen sich auf die Normalität, die trotzdem noch nicht wieder normal ist. © Rafael Sampedro/foto-sampedro.de

Ab Donnerstag kehren die Schulen zum Regelbetrieb zurück. Ein Begriff, den vor Corona niemand mit Schulen in Verbindung brachte. Da war das Normale die Regel und nicht der Rede wert. Nun also können alle wieder in die Schule, gibt es keine geteilten Klassen oder Unterricht in Gruppen mehr. Was vor einem Jahr von hundert auf null und dann immer mal wieder hoch- und runtergefahren wurde, ist nun wieder Alltag. Und das hoffentlich bis zu den Sommerferien und dann auch im nächsten Schuljahr.

Wie sind die Schulen auf den Neustart vorbereitet, was haben sie in den vergangenen Monaten gelernt und wie schauen sie in die Zukunft? Vier Beispiele aus Dohna, Sebnitz, Wilsdruff und Rosenthal.

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Gymnasium Sebnitz: Unterschiede bei Homeschooling

Technische Probleme sieht Andreas Seltmann, der Leiter des Sebnitzer Gymnasiums, nicht für den Neustart. Die größte Herausforderung jedoch sind die unterschiedlichen Voraussetzungen, mit denen die Schüler nun wieder zum Unterricht kommen. Grund dafür ist die von den Schülern aus vielfältigen Gründen unterschiedlich intensiv absolvierte Zeit des Homeschoolings, sagt Seltmann.

Auch wenn auf den ersten Blick vieles wieder "normal" sein wird, Einschränkungen werden bleiben, sagt Seltmann. Zum Beispiel bei eintägigen Schulfahrten. Andere Schulen nennen auch die Klassenfahrten noch als offene Frage, insbesondere was die Ziele betrifft. Der Freistaat orientiert darauf, in Sachsen zu bleiben.

Im vergangenen Jahr war kritisiert worden, dass die Sommerferien nicht im erhofften Maße für Nachhilfe und Weiterbildung genutzt wurden. Das Sebnitzer Gymnasium prüft deshalb, ob im Rahmen von Ganztagsangeboten Nachhilfe angeboten werden kann. Allgemein wird die Option, dies in den Ferien zu ermöglichen, eher zurückhaltend gesehen. Für den digitalen Bereich sieht Seltmann durchaus Fortbildungsbedarf.

Drei Worte, die für Andreas Seltmann das zu Ende gehende Schuljahr charakterisieren: Unruhig und unvollständig.

Oberschule Dohna: Noch digitaler werden

"Wir freuen uns auf den Neustart mit allen und hoffen, dass wir so bis Schuljahresende arbeiten können", sagt Dohnas Oberschulleiterin Antje Ambos. Doch einfach so zum Alltag übergehen, funktioniert nicht. Wie werden alle Schüler erreicht? Auch die, die aufgrund von Test- und Maskenpflicht nicht am Unterricht in der Schule teilnehmen? Wie werden die Schüler wieder an einen geregelten Alltag herangeführt? Diese Fragen gehen über die Lehrpläne hinaus. Die Lehrer haben deshalb angepasste Stundenpläne vorbereitet und dabei auch Lernstands-Erhebungen und Bewertungen im Blick, um die in den vergangenen Monaten entstandenen Unterschiede auszugleichen. Dafür wird bereits ab Montag wieder Förderunterricht am Nachmittag angeboten.

In den Ferien ist Lernen für die Lehrer angesagt, damit die digitalen Werkzeuge künftig noch besser eingesetzt werden können. Das hat Corona beschleunigt und wird mit und ohne Virus künftig wichtiger. Außerdem arbeiten die Dohnaer an einem Konzept, das Förderangebote für alle Schüler in den Unterricht einbindet und die positiven Effekte des digitalen Unterrichts auch künftig einbezieht.

Trotz vollem Haus ab Donnerstag - nicht nur die Dohnaer trennt noch einiges von der Normalität vor Corona, sagt Antje Ambos. "Das Tragen der Masken zum Beispiel und das noch nicht vorhandene Angebot des Schülerfrühstücksbuffets."

Drei Worte, die für Antje Ambos das zu Ende gehende Schuljahr charakterisieren: Lernen neu denken.

Grundschule Rosenthal: Unterricht neu planen

Die Kinder zeigen uns jetzt, da sie alle wieder in der Schule sein dürfen: Sie brauchen unbedingt anschauliches, strukturiertes, abwechslungsreiches und freudvolles gemeinsames Lernen, sagt die Rosenthaler Grundschulleiterin Birgit Münzberg.

Nach der Konzentration auf die Kernfächer Deutsch, Sachunterricht, Mathematik und Englisch bereichern nun wieder Sport, Kunst, Werken, Musik, Exkursionen, Wandertage das Schulleben. Für die Schüler, die nach den schwierigen Wochen Lerndefizite hatten, gab es bereits zusätzliche Förderangebote. "Damit sind wir gut auf den normalen Schulbetrieb vorbereitet und freuen uns", sagt Birgit Münzberg.

Grundschule Rosenthal:
Grundschule Rosenthal: © Marko Förster

Sie hat, wie ihre Amtskollegen, dieses Jahr so viele Elternbriefe wie noch nie geschrieben. Die manchmal extrem kurzfristigen Änderungen waren für alle eine außergewöhnliche Herausforderung. Auch jetzt kann nicht einfach zum normalen Stundenplan zurückgekehrt werden, sagt Birgit Münzberg. Die Besonderheiten der vergangenen Monate fordern zum Beispiel eine teilweise neue Planung des Unterrichts für die letzten Wochen. Außerdem gibt es weiterhin Schüler, die nicht am Präsenzunterricht teilnehmen und für die die Lehrer täglich Aufgaben bereitstellen.

Für das neue Schuljahr beraten die Rosenthaler, was sich bewährt hat, und was, sollte sich die Situation, was hoffentlich nicht eintrifft, wiederholen, verbessert werden kann und muss. Trotz allem Nachholbedarf sieht auch Birgit Münzberg die Ferien als wichtige Zeit für Schüler, Eltern und Lehrer, um sich zu erholen und Kraft zu tanken.

Drei Worte, die für Birgit Münzberg das zu Ende gehende Schuljahr charakterisieren: Gemeinsames freudvolles Lernen.

Gymnasium Wilsdruff: Ferien ohne Schule

Das im Aufbau befindliche Wilsdruffer Gymnasium hat noch wenige Schüler, was auch Vorteile hat, sagt Leiterin Katja Laetsch. "Der Umgang mit individuellen Lernrückständen fällt leichter, wenn lediglich zehn bis 14 Kinder zusammen lernen." Das Lernen in der kompletten Klasse wieder als normal und selbstverständlich zu gestalten, brauche viel pädagogisches Geschick der Lehrkräfte.

Einzelne Kinder waren sehr einsam in den vergangenen Monaten, zweifeln an ihrer Leistungsfähigkeit und Motivation. Hier sieht Katja Laetsch viel Beratungs- und Unterstützungsbedarf. Deshalb sei es wichtig, bis zu den Ferien die Klassen als Gemeinschaften zu stärken. "Es gilt, eine gute Balance zwischen Fachunterricht und gemeinsamen Erlebnissen für die Kinder zu finden." Schwierig werde dabei die Einbeziehung der Kinder, die weiter von der Schulbesuchspflicht befreit sind.

Durch engagierten und kreativen Online- und Wechselunterricht der Lehrer gäbe es gar nicht so viel verpassten Unterrichtsstoff. "Es ist aber spürbar, dass diese Art des Lernens nicht bei allen Schülern den erhofften Erfolg zeigt." Je länger der Unterricht vorm Computer dauerte, umso mehr machte sich eine digitale Müdigkeit breit, hat Katja Laetsch beobachtet. Deshalb gibt es schon seit Ostern Förderunterricht in den Hauptfächern, der in kleinen Gruppen erfolgt und zu dem Kinder gezielt eingeladen werden. "Das wird sehr gut angenommen." Die Hauptlast des Nacharbeitens betrifft jedoch den Fachunterricht. Das sehr unterschiedliche Niveau verlangt den Lehrern viel Differenzierung ab. Katja Laetsch plädiert nach dem intensiven Schuljahr für Ferien ohne Schule. "Erholte Kinder und Lehrkräfte scheinen mir die beste Voraussetzung für einen guten Start ins neue Schuljahr zu sein."

Drei Worte, die für Katja Laetsch das zu Ende gehende Schuljahr charakterisieren: Vorschriften, Motivation, Rückkehr.

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