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Corona: Das beste Schulmodell

Seit Monaten gibt es im Landkreis SOE nur noch Wechselunterricht. Wie das Gymnasium Wilsdruff daraus das Beste macht.

Viel Platz ist nicht nur im Französisch-Unterricht der sechsten Klassen Wilsdruffer Gymnasium.
Viel Platz ist nicht nur im Französisch-Unterricht der sechsten Klassen Wilsdruffer Gymnasium. © Daniel Schäfer

Mal nur zu Hause lernen, mal tageweise in der Schule: Ein Rhythmus, der unberechenbar ist und seit Ende vergangenen Jahres normal. So viele Schulen es gibt, so viele verschiedene Modelle. Tageweiser Wechsel, wochenweiser Wechsel, mehrere Tage im Block, Vormittags- und Nachmittagsunterricht, mal zwei Tage die Woche, mal drei: Was ist das beste Modell? Und welche Rollen spielen das Alter der Schüler, die Lage der Schule, Schülerbeförderung und Eltern? Ein Modell, das sehr gut funktioniert, ist das des Wilsdruffer Gymnasiums. Was ist sein Geheimnis? Schulleiterin Katja Laetsch lüftet es.

Die Vorbereitung: Drei Modelle zur Auswahl

Ziel war es, eine Lösung zu finden, die für die Schüler das Lernen zu Hause mit den häuslichen Bedingungen bestmöglich verbindet. Das im Aufbau befindliche Gymnasium hat 226 Schüler der fünften bis siebenten Klassen. Deren spezielle Bedürfnisse sind anders als bei den größeren Schülern. Die Lehrer überlegten gemeinsam und stellten eine Liste mit verschiedenen Modellen zusammen. Am Ende blieben drei Varianten.

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Weil bei den jüngeren die Eltern noch eine andere Rolle spielen, wurden sie in die Entscheidung einbezogen. Per Onlineumfrage konnten sie über drei Modelle entscheiden. Das tägliche Modell, bei dem eine Gruppe am Vormittag, die andere Gruppe am Nachmittag lernt, wurde nicht zur Abstimmung gestellt. Es ist in Wilsdruff aufgrund der fehlenden Flexibilität in der Schülerbeförderung nicht umsetzbar.

Die Entscheidung: Die Eltern stimmen ab

Es blieben drei Varianten, deren jeweilige Vor- und Nachteile den Eltern aufgezeichnet wurden.

Variante 1: Die beiden Teilgruppen einer Klasse wechseln täglich im Präsenzunterricht und häuslicher Lernzeit. Das bedeutet, ein Kind ist in einer Woche Montag, Mittwoch und Freitag laut Stundenplan in der Schule, Dienstag und Donnerstag in häuslicher Lernzeit laut Stundenplan daheim. In der Folgewoche ist es genau anders herum.

Vorteil: Das Kind ist alle zwei Tage in der Schule und hat dort soziale Kontakte, die für das Lernen wichtig sind.

Nachteil: Die täglich und wöchentlich wechselnde Zeiten der An- und Abwesenheit zuhause und in der Schule erschwert die Planbarkeit der Betreuung vor allem für die Eltern.

Variante 2: Die Teilgruppen einer Klasse wechseln im Rhythmus 3-2 bzw. 2-3. Das bedeutet, ein Kind lernt in einer Woche Montag und Dienstag in der Schule, Mittwoch bis Freitag in häuslicher Lernzeit. In der darauffolgenden Woche ist es genau anders herum. Damit sind immer fünf Schultage zusammenhängend, unterbrochen vom Wochenende.

Vorteil: Der Rhythmus ist hinsichtlich der Betreuung zuhause besser planbar und mit der Arbeit von Eltern vereinbar.

Nachteil: Die wöchentlich wechselnden Tage brauchen einige Zeit, bis man sich an sie gewöhnt hat. Fünf Schultage wechseln sich mit fünf Lerntagen zuhause ab.

Variante 3: Die Teilgruppen wechseln wöchentlich. Das bedeutet, ein Kind lernt eine Woche daheim - eine Woche in der Schule.

Vorteil: Hinsichtlich der Planbarkeit ist das eine perfekte Lösung, da geringe Wechsel.

Nachteil: Die Kinder sind immer relativ lange nicht in der Schule, ähnlich wie beim zweiten Modell, wodurch ihnen soziale Kontakte fehlen. Das aber ist beim Wechselmodell egal welcher Art der Fall.

Die Eltern haben sich mehrheitlich für die zweite Variante entschieden, die so seit Februar umgesetzt wird. Mit rund 75 Prozent aller Eltern war auch die Beteiligung an der Umfrage groß. Es war eine kluge Entscheidung, die Eltern, die es letztlich mit umsetzen müssen, einzubeziehen.

Die Umsetzung: Vom Rhythmus zur Routine

Eltern, Schüler und Lehrer kommen mit den vom Wochenende unterbrochenen fünf Lerntagen in Folge sehr gut zurecht, sagt Katja Laetsch nach nun rund vier Monaten Praxis. "Die Entscheidung erweist sich auch rückblickend als glücklich." Zum Erfolg des Modells trug nicht zuletzt die Beteiligung der Eltern bei. "Es war eine ordentliche, demokratische Entscheidung", sagt die Schulleiterin. In den ständigen Veränderungen des Schulalltags ist das Modell eine Konstante.

Lehrer wie Schüler und Eltern haben sich auf das Modell eingestellt und können damit planen. Vor Pfingsten, als ab Donnerstag wieder der Wechselunterricht im Landkreis möglich wurde, war es jedoch ein einsamer Tag für die Schüler mit Schultag. Das aber hatte nichts mit dem Modell zu tun, sondern damit dass der Freitag und der Dienstag im Wilsdruffer Gymnasium "bewegliche Ferientage", als frei waren.

Die Unterbrechung der fünf Lerntage im Wilsdruffer Modell durch das Wochenende vermittelt auch ein Gefühl der Normalität. Trotz der zweitägigen Pause sind die Schüler nie zu lange zuhause. Gleichzeitig hilft die Unterbrechung den Schülern, sich auf Leistungserhebungen wie Klassenarbeiten gut vorzubereiten. "Für unsere noch jungen Schüler ist diese Routine nicht ganz unwichtig", sagt Katja Laetsch. Gerade für die fünften Klassen ist es schwer, in den Rhythmus der neuen Schule zu kommen, wenn sie als Klasse eigentlich bisher so gut wie nie zusammen waren.

Ein Nachteil bleibt: Nachteilig ist, dass zusätzlich angebotene Fördermaßnahmen für Kinder, denen das Lernen zuhause nicht so leicht fällt, von den nicht in Wilsdruff wohnenden Kindern nur alle zwei Tage besucht werden können.

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