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Lieber Elterntaxi statt Fahrrad

Unsichere Radwege in Richtung Schule haben in Heidenau ein weiteres Problem zur Folge. Wie die Lindgren-Grundschule es zu lösen versucht.

Parkplatz Schule: Es sind zwar morgens nur ein paar Minuten, doch die haben es nicht nur an der Mügelner Grundschule in sich.
Parkplatz Schule: Es sind zwar morgens nur ein paar Minuten, doch die haben es nicht nur an der Mügelner Grundschule in sich. © Norbert Millauer

Die Heidenauer geben ihrer Stadt beim Familienkompass von sächsische.de insgesamt eine 2,84. Diese Note entspricht in etwa dem sächsischen Durchschnitt von 2,83.  Bei den sicheren Radwegen für Schüler liegt Heidenau zwar ein klein wenig über dem Durchschnitt, aber auch eine 3,44 in dieser Einzel-Kategorie ist nicht wirklich gut. 

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Eine Folge des geringen Vertrauens in die Radwege erlebt die Mügelner Grundschule jeden Morgen. Wer sein Kind nicht mit dem Rad zur Schule schicken will, bringt es mit dem Auto. Das gilt vor allem für Grundschüler, macht die Radwege für alle anderen aber auch nicht sicherer. Die Folge: Zwei Probleme und zwei Aufgaben für die Stadt und die Schulen. Eines Problems hat sich die Mügelner Grundschule mit dem ACE Auto Club Europa angenommen. Die Aktion heißt  "Goodbye Elterntaxi" und soll den aktuellen Zustand ablösen, der sich mit  "Hallo Elterntaxi" beschreiben lässt.

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Bei der ersten Aktion voriges Jahr zählten die ACE-Helfer in nicht einmal einer halben Stunde über 50 Autos, mit denen Kinder gebracht worden sind. Rund 40 Prozent der Fahrer verstießen gegen die Regeln der Straßenverkehrsordnung. Entweder sie parkten mitten auf der Straße, auf dem Fußweg, in der Kurve oder in zweiter Reihe oder ließen die Kinder zur Straße aussteigen. Viermal hatte es fast gekracht. 

Jetzt wurde erneut beobachtet. Schulleiterin Karla Dorn hatte darum gebeten. Das Ergebnis ist ernüchternd: Fast genau so viele Autos und Verstöße, sagt ACE-Verkehrsexperte Andreas Becht. Eine positive Veränderung haben er und die anderen jedoch festgestellt: Nahezu alle Kinder sind diesmal auf der Gehwegseite ausgestiegen. Offenbar habe die Information über die Schulleitung und den Elternrat doch etwas gebracht. 

So kommen Kinder sicher zur Schule

  • Zu Fuß: Erstens weil Bewegung gesund ist, zweitens weil das Verkehrschaos vor den Schulen dann weniger wird und drittens, weil Kinder so mehr vom Straßenverkehr lernen.

  • Mit dem Fahrrad: Die Kinder werden bereits in der Grundschule mit den Verkehrsregeln vertraut gemacht. Sie können relativ überschaubare Strecken gut mit dem Fahrrad fahren. Vorher gemeinsam üben. Wenn es sicherer ist, lieber einen Umweg fahren. Kinder bis acht Jahre  müssen auf dem Fußweg fahren, Kinder von acht bis zehn Jahren dürfen den Gehweg benutzen, ab zehn Jahren müssen sie Radweg oder Fahrbahn nutzen. Ein Elternteil oder eine andere Aufsichtsperson ab 16 Jahren darf das radfahrende Kinder unter acht Jahren auf dem Gehweg begleiten.

  • Mit dem Auto: Dabei ist darauf zu achten, ordnungsgemäß zu parken bzw. zu halten. Kinder steigen unbedingt zur Fußwegseite aus. Ein paar Meter laufen ist besser als durch wildes Parken andere zu gefährden. 

Schulleiterin Karla Dorn hat zudem beobachtet, dass die Eltern zunehmen gute Lösungen finden, um das morgendliche Chaos zu entkrampfen. Die durch die Baustelle gesperrte Käthe-Kollwitz-Straße mache es zwar auch nicht leichter. Dennoch habe sich in Sachen Schulwegsicherheit für die Mügelner Schule in den vergangenen Jahren einiges getan. Stichwort 30er-Bereich auf der Dresdner Straße. Er wurde im Juni 2018 eingerichtet. Dafür hatte der Elternrat lange gekämpft. Anderenorts, wie zum Beispiel in Großsedlitz, kämpfen die Eltern nach wie vor für mehr Sicherheit auf dem Schulweg, speziell vor der Schule. 

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Die Mügelner Lindgren-Schule hat nach der ACE-Aktion auch dieses Jahr wieder Warnwesten für 90 Kinder erhalten. "Ich freue mich, dass die Aktion stattfinden konnte und wir auch für unsere Erstklässler wieder Sicherheit durch die Westen gewährleisten können", sagt Schulleiterin Karla Dorn.  Andreas Becht hofft bis zum nächsten Jahr auf weitere lernende Eltern. "Und wenn es schon sein muss, dass Kinder mit dem Auto in die Schule gebracht werden, sollte die Fahrt nicht unmittelbar vor der Schule enden, sondern ein Stück entfernt." Für die Heidenauer Lindgren-Grundschule würde sich der nahe Netto-Markt anbieten.

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