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Rentner gesteht mehrfachen Missbrauch

Ein Mann aus Sebnitz hat sich wiederholt an Kindern vergangen. Ihm drohte deshalb eine Gefängnisstrafe. Die bleibt ihm jedoch erspart.

Symbolfoto.
Symbolfoto. © Patrick Pleul/dpa

Schuld sei das Mädchen gewesen - nicht er, hatte Günther R. im August 2019 am Amtsgericht in Pirna behauptet. Dort musste er sich verantworten, weil er sich der Tochter seiner Feriengäste unsittlich genähert haben soll. 

Das alles sei eine Racheaktion des Mädchens gewesen. Sie habe lieber daheim bei ihrem Freund bleiben wollen, statt mit der Familie in den Urlaub zu fahren, hatte der Senior damals angegeben. Außerdem sei sie es ja gewesen, die ihn während eines Spieleabends – bei dem nicht nur ihre Eltern und ihr Bruder, sondern auch die Frau des Angeklagten anwesend waren – geneckt habe. Der Senior und das Mädchen hatten nebeneinander auf dem Sofa gesessen, mit einer Decke über ihren Knien. Unter dieser, so erzählte der Rentner, habe ihn das Mädchen angefasst und geneckt. 

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Neckereien waren keine Harmlosigkeiten

In Wahrheit hatte es sich umgekehrt zugetragen. Die Neckereien waren keine Harmlosigkeiten, sondern sexuelle Übergriffe seitens des Angeklagten. Ein Jahr und vier Monate Haft lautete 2019 deshalb das Urteil. Denn nachdem sowohl das Opfer als auch die Zeugen gehört worden waren, stand für das Jugendschutzgericht in Pirna fest, dass die Aussagen von Günther R. nur Schutzbehauptungen waren. 

Für den heute 78-Jährigen hatte während dieses Verfahrens viel auf dem Spiel gestanden. Bereits 2016 war er nur knapp einer Haftstrafe wegen ähnlich lautender Vorwürfe entgangen. So soll er laut Anklage im Zeitraum von Herbst 2013 bis Frühjahr 2014 mit dem elfjährigen Kind seiner Nachbarn Ausfahrten mit dem Quad in den nahegelegenen Wald unternommen haben, wo er es dann mehrfach missbraucht hatte. Auch hier hatte R. zuerst behauptet, dass das Kind ihn "angemacht" und sich freiwillig vor ihm entkleidet habe. Später hatte er die Vorwürfe ganz abgestritten.

Geständnis erspart Opfer weitere Aussage

Zur Berufungsverhandlung am Landgericht in Dresden folgte dann die Wende. Dort gab Günther R. in dieser Woche den Missbrauch zu und ersparte so seinem Opfer eine erneute Aussage vor Gericht. Sein Mandant habe, so sagte Verteidiger Thorsten Hahn, Zeit gehabt, in sich zu gehen und inzwischen eingesehen, dass er mit seinem Tun die weitere Entwicklung des Mädchens womöglich sehr belastet habe. R. habe sich verrannt und wolle nun mit sich ins Reine kommen. Auch R. selbst äußerte sich vor der Berufungskammer. „Es tut mir leid“, sagte er da. Nicht nur sein Opfer bat er um Entschuldigung. Er wandte sich auch an die Familie des Mädchens und versprach: “So etwas kommt nie wieder vor.“

Obwohl die Tat inzwischen einige Zeit zurückliegt und Günther R. währenddessen nicht mehr straffrechtlich in Erscheinung getreten ist, hatte das Gericht Bedenken, die Freiheitsstrafe letztmalig zu einer Bewährung auszusetzen. Schließlich hatte der Angeklagte mit der zweiten Tat ganz klar einen Bewährungsbruch begangen. Dennoch entschied sich die Kammer für eine Aussetzung der Haftstrafe zu einer vierjährigen Bewährungszeit. „Hier handelt es sich um eine Ausnahmesituation“, betonte der Vorsitzende Richter in seiner Urteilsbegründung. 

Ausschlaggeben für die Entscheidung zu einer nochmaligen Bewährung sei nicht nur die späte Einsicht und die glaubhafte Reue des Angeklagten gewesen, erklärte er. Auch R.s Gesundheitszustand sei berücksichtigt worden. Mehrfach am Herzen operiert und sichtlich schwach, sei fraglich, ob der Angeklagte überhaupt hafttauglich sei, führte der Richter weiter aus. 

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