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Heidenau macht gegen Bahnhof mobil

So eine breite Zustimmung gibt es selten im Stadtrat. Die Warnung vor dem Überholbahnhof für die Strecke Dresden - Prag kommt nur recht spät.

Demo vor dem Stadtrat, das kommt nicht so oft vor in Heidenau. Das Nein gegen den Überholbahnhof war den drei Linken-Stadträten Steffen Wolf, Mandy Plachta und Denis Skeries (v.l.) das aber wert.
Demo vor dem Stadtrat, das kommt nicht so oft vor in Heidenau. Das Nein gegen den Überholbahnhof war den drei Linken-Stadträten Steffen Wolf, Mandy Plachta und Denis Skeries (v.l.) das aber wert. © Daniel Schäfer

Wenn ein Linken-Antrag dem CDU-Bürgermeister den Rücken stärken soll und die Zustimmung von CDU und AfD bekommt, dann lässt das aufhorchen. Mit dem "Nein zum Überholbahnhof in Heidenau" ist das dem Linksbündnis im Stadtrat gelungen.

Linksbündnis-Chef Steffen Wolf begründete den Antrag damit, dass es vielen nicht bewusst sei, was mit diesem Bahnhof auf Heidenau zukommt und man müsse den Bürgern die Augen öffnen. Die Dohmaer haben sie sich schon selbst geöffnet. Dort gründete sich bereits kurz nach Bekanntwerden der Idee der neuen größtenteils unterirdischen Bahnstrecke Dresden-Prag eine Bürgerinitiative, die sich mit eigenen Vorschlägen in die Diskussion einbringt.

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Die Frage ist nicht, ob Bahnhof, sondern wie groß

Inzwischen sind die Planer der Bahn soweit, dass zwei Varianten der neuen Strecke untersucht werden. Eine mit einem Volltunnel, und eine, bei der die Strecke nur teilweise im Tunnel verläuft. Grundlage für die weitere Planung der Bahn sind nach der raumordnerischen Beurteilung der Landesdirektion zwei Korridore. Ein sehr breiter, in dem die optimale Volltunnelvariante gesucht wird und ein etwas schmalerer für eine teils oberirdische Lösung. Bis 2024 wird geplant, dann soll der Vergleich beider Varianten sowie die Vorzugsvariante vorliegen.

Die Bahn wehrt sich immer dagegen, dass der teurere Volltunnel ihr Favorit sei, dennoch sickert das immer mal wieder so durch. Der Bundestag entscheidet schließlich, welche Variante tatsächlich gebaut wird. Doch schon jetzt steht fest: Ausgangspunkt beider Trassen ist die Ausfädelung aus der bestehenden Bahnstrecke in Heidenau, sagt die Bahn. Die Frage ist damit also nicht, ob Bahnhof oder nicht, sondern wie groß. Weil der so oder so das ohnehin schon durch durch Bahnstrecke und S172 geteilte Heidenau noch mehr teilt, ist zum Beispiel Volker Bräunsdorf (CDU) dagegen.

Heidenauer Wohnungen schützen

Das Heidenauer Linksbündnis hat seinen Nein-Antrag mit dem Zusatz "nicht in der Nähe von Wohnbebauung" verbunden. Wo sonst? In Heidenau stehen fast durchgängig Wohnhäuser entlang der Bahnstrecke. Und dort wo nicht, sind es Firmen, wie unter anderem das Reifenwerk und der Entsorger Kühl. Letzteren würde ein Überholbahnhof im Bereich des jetzigen Haltepunktes Großsedlitz Fläche kosten.

So wie der Antrag Bürgermeister Jürgen Opitz (CDU) den Rücken stärken soll, so wenig will der, dass die neue Bahnstrecke auf dem Rücken der Heidenauer entsteht. Ob er und die Stadträte es verhindern können, steht auf einem anderen Blatt. Sobald konkrete Pläne vorliegen, will Opitz sie im Stadtrat vorstellen. Am Ende enthielten sich fünf Heidenauer Stadträte bei dem Bahnhofs-Nein.

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